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Eine halbe Stunde Musik von zwei Dresdener Bands kommt mit mehreren Kilo Gewicht auf den geneigten Hörer zugewalzt. Der Gitarrenberg und alles, was dazu gehört, wurde flach gepresst und strömt mit viel Dampf aus den Lautsprechern. Irgendwo muss sich die schöpferische Dynamik ja kanalisieren, sonst dreht man am Rad.
Eine Band ist ja schon bei RockTimes in der Mache gewesen.
Unsere Ilka hatte bereits Crumble! von den Burning Motors unter der Lupe. Als zweite Band gesellt sich nun Huge für eine Split-CD dazu. Beide Combos fahren mit immens viel Druck unter der Haube eine Musik, die durch mehrere Barrel Benzin angetrieben wird.
Der Hammer mit dem das Eisen auf dem tonnenschweren Amboss geschmiedet wird, heißt Stoner Rock und zunächst dengeln Burning Motors mit drei Schlägen los. Der Titel des ersten Tracks lässt schon die Hoffnung im Keim ersticken... "The Inside Fiend". Die Gitarren rammen einen Riff nach dem anderen aus dem glühenden Feuer und unablässig wird von der Rhythmusabteilung frischer Sauerstoff auf die entzündliche Flamme geblasen. Die Außenluft kommt ungefiltert aus dem Schornstein der benachbarten Fabrik in den Blasebalg und es stecken immer wieder einige Doom-Moleküle in dem Gemisch. Diese veredeln das Antriebsaggregat der Burning Motors-Musik nur und die Combo testet gleich das Getriebe des mit mächtig viel Pferdestärken ausgestatteten Boliden. Der 'innere Feind' schlägt um sich und bildet sichtbare Beulen unter der Haut. Breaks im Stakkatoformat werden immer wieder dazwischen geworfen und bei einem fast achtminütigen Opener ist das Drehbuch lang. Für die letzte Hälfte der Nummer hat die Band genau die richtige Auffahrt zum Highway des psychedelischen Speed Rocks gefunden. Hammer, welch ein Übergang in die zweite Abteilung des Tracks! Ganz bis zum Schluss hält man das Tempo nicht so hoch, dafür gibt es allerdings ein galaktisches E-Gitarrensoli. Für die Knie braucht man Schoner.
Burning Motors haben noch zwei weitere Eisen im Zentrum der Hitze. Mit einem Erholungsfaktor mittendrin symbolisiert "Negative Reply" die urgewaltigen Kräfte des Stoner Rocks. Der Sänger hat einige growlige Phasen und ansonsten gefällt auch der groovige Charakter der Nummer. "Beauty Of Rage"... welch ein Gegensatz. Allerdings nur wörtlicher Art, denn Burning Motors bleiben ihrer raffinierten Stilmischung treu. Bei der Wahl zu 'Germanys Next Top Stoner-Tool' kommt der Burning Motors-Hammer in die Endausscheidung.
Als wolle man sich überbieten, bringt die Band Huge gleich "Mammut" an den Start. Vor viertausend Jahren starb das letzte Tier dieser Gattung und kann eine schöne Brücke zu Huges Musik bilden. Den Doom-Faktor hat die Gruppe nicht so in den Röhren ihrer Verstärker untergebracht. Die Gitarren klingen schärfer, klarer und man darf ab und an einen Blick in den Rückspiegel werfen. Riffs klingen da schon einmal schön aus und der Bass mischt in genüsslicher Weise beim Sechssaiter mit.
"Mrs. Stoner" ist ein leckeres, kurz gebratenes Stück Steak, das die Dresdener mit viel Schmackes auf den Teller des Hauses bringen. Beachtenswert ist nicht nur hier, wie man mit dem Arrangieren der Gitarrensounds spielt. Die atmosphärischen Schwankungen sind echt gelungen und grundsätzlich bläst Huge den Ballon der Begeisterung kräftig auf. Da ist er wieder... dieser Bass, der "Sense" höchst melodisch einleitet. Sehr gut jongliert der Gitarrist Muggi mit einigen Effekten und spielt ein toll verzerrtes Solo. Die unterschiedliche Dynamik im Track macht den Braten nur noch fetter.
Der Stoner Rock aus Dresden kann sich sehen lassen und selbst bei jeweils nur drei Stücken pro Teilnehmer hinterlassen beide Bands einen starken Eindruck und gestalten das Rennen um den ersten Platz ausgeglichen, weil beide Gruppen mit unterschiedlichen Vorzügen aufwarten können.
Line-up: Burning Motors
Sven (vocals, guitar)
Martin (guitar)
Dani (bass)
Bommel (drums)
Line-up: Huge
Muggi (guitar, vocals)
Boris (bass)
Martin (drums)
| Tracklist |
Burning Motors:
01:The Inside Fiend (7:40)
02:Negative Reply (5:07)
03:Beauty Of Rage (5:08)
Huge:
04:Mammut (5:27)
05:Mrs. Stoner (4:02)
06:Sense (3:41)
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