Impellitteri / Wicked Maiden
Wicked Maiden Spielzeit: 43:19
Medium: CD
Label: Metal Heaven, 2009
Stil: Heavy Metal

Review vom 01.05.2009


Boris Theobald
Dass Goldkehlchen Rob Rock wieder bei Impellitteri einsteigt, war vergangenes Jahr eine der wunderbarsten Nachrichten im Bereich des Melodic Rock. Rock und sein Jugendfreund Chris Impellitteri hatten die Band Ende der Achtziger in Los Angeles gegründet. Großartige Alben haben sie gemacht, die sich in Japan wie geschnitten Brot verkauften.
Andernorts blieb Impellitteri ein Geheimtipp. Nachdem sich Rob Rock um die Jahrtausendwende ganz seiner Solo-Karriere widmen wollte, gab es zwei Alben mit Graham Bonnet (System X) bzw. Curtis Skelton (Pedal To The Metal) am Mikrofon. Die waren nicht von schlechten Eltern. Doch irgendwie hat man Gefühl, dass nun wieder vereint ist, was zusammengehört.
Nach fünf Jahren Pause seit dem letzten Output ist das Reunion-Werk "Wicked Maiden" im Verhältnis zu den Vorgängern wieder 'klassischer' ausgefallen. Nicht ohne ein paar Überraschungen, versteht sich; doch wer die Alben ohne Rob Rock versäumt hat, wird kaum feststellen, dass beinahe eine Dekade seit "Crunch" (2000) vergangen ist. Noch ein Grad wuchtiger wirkt "Wicked Maiden". Von Melodic Rock zu sprechen, wäre schon fast eine Verniedlichung dieses gut 43 Minuten lang grollenden Gitarren-Gewitters.
Heavy Metal trifft's wohl eher - besonders, was den Titelsong angeht. Der schafft es - zumindest zu Beginn - zu überraschen und könnte glatt eine Nummer von Judas Priest aus "Painkiller"-Zeiten sein. Ein urgewaltiges, schleppendes Heavy Metal-Riff im Mid-Tempo auf dem linken Ohr. Dann die zweite Gitarre auf dem rechten Ohr. Stahl trifft auf Stahl. Double Bass wie aus dem Maschinengewehr - ein irre hoher Schrei im perfekten Tremolo aus weiter Entfernung. Tonnenschwer wiegen die Riffs, dazwischen 'singen' die Gitarren wild und unzähmbar im
Zakk Wylde-Stil, oder werden effektvoll als Slide gespielt und klingen dadurch wie grelle Sirenen, die vor Unheil warnen, passend zum Text:
»Run away, from the Wicked Maiden. Run away, from the deadly war machine. Run away, from the evil monster. Hide away, from the one that makes you scream.«
Beim zweiten Song, haben die Vergleiche mit den britischen Priestern dann schon ausgedient. "Last Of A Dying Breed" ist phänotypisch 'Impellitteri'. Hier geht's gleich los mit einer Frickel-Hookline im hohen Tempo-Bereich. Nach zwei Takten quer durch die Oktaven ist klar, dass da der unkopierbare Chris Impellitteri am Werk ist. Und das ist nichts gegen seine Soli. Der Meister der Hochgeschwindigkeits-Schredderei hext durch den kompletten Ton-Vorrat, den man mit der Physik erklären und mit dem menschlichem Ohr wahrnehmen kann. Vielleicht noch mehr, wer weiß...
Herr Impellitteri gilt als einer der schnellsten und virtuosesten Gitarristen der Welt und wird nicht umsonst oft mit Yngwie Malmsteen oder Steve Vai verglichen. Das beweist er auch hier nochmal - er poliert die Saiten, dass die Späne nur so fliegen. Wenn man bedenkt, dass sich der Schall in der Luft gerade mal mit gut 1200 km/h bewegt, dann stößt Impellitteri beim Videodreh auf simple physikalische Probleme: Wenn er im Bild schon fertig ist, frickelt der Ton bestimmt noch ein paar Sekunden hinterher. Was für ein cooler Gitarrenheld er ist, beweist er, indem er in fast jedem Song echte Solo-Duelle austrägt. Mit sich selber.
Rob Rock ist in der Band der zweite Musiker von Weltklasse-Format, der mit den Jahren sogar immer besser zu werden scheint. Mit einer einmaligen Leichtigkeit intoniert er die hymnischen Ear-Catcher-Refrains mit ihren eleganten Melodiespitzen. Er fesselt mit seiner unverkennbaren, vollen Stimme, einem tollen, klassischen Metal-Tremolo und Screams in einem Frequenzbereich, dass einem glatt der Humpen in der Hand zerplatzt.
Auch als Songwriter überzeugen Mr. 'Imp' und Herr Rock. Ein ums andere Mal servieren sie uns knackig-kompakte Songs irgendwo zwischen heftig headbangtauglichem Melodic Rock und sehr melodischem und dynamischem Heavy Metal. Ein paar kleinere Überraschungen hält Impellitteri doch noch parat, wie den starken Rock'n'Roll-Einschlag bei "High School Revolution". Oder auch die Keyboards in etwas abgewandeltem Klavier-Sound, die bei einigen Songs punktuell zum Einsatz kommen und sich sparsam als Effekt eingesetzt auch gut anhören. Eine Ausnahme hat sich leider eingeschlichen: Bei "The Vision" wird der Chorus zu markant mit Keyboards gefüllt - auch ansonsten der einzige schwächere Song mit etwas platter Melodie unter vielen sehr guten bis superben Stücken.
Eine echte Ballade wie zum Beispiel "On And On" auf "Eye Of the Hurricane" gibt es nicht. Dafür mit "Eyes Of an Angel" einen Power-Lovesong im 80er-Jahre-Stil - kein "Everything Is You" (ebenfalls auf "Eye Of The Hurricane"), aber knapp dahinter. Genau so, wie auch die Mehrzahl der Songs im zeitlosen Charme der eigenen Klassiker absolut überzeugen, diese aber nicht übertreffen können. Etwas schade: Die Zeit der großen Experimente wie auf dem letzten Album, als man mit dem Stück "Punk" den Eminem-Rap und die ganze US-Pop-'Kultur' gleich mit aufs Korn nahm, die ist mit der Rückkehr Rob Rocks vorbei. Man kann eben nicht alles haben...
Line-up:
Chris Impellitteri (guitar)
Rob Rock (vocals)
James Pulli (bass)
Brandon Wild (drums)
Tracklist
01:Wicked Maiden (4:02)
02:Last Of A Dying Breed (3:13)
03:Weapons Of Mass Distortion (3:52)
04:Garden Of Eden (5:15)
05:The Vision (4:57)
06:Eyes Of An Angel (4:16)
07:High School Revolution (4:37)
08:Wonderful Life (4:03)
09:Holyman (4:16)
10:The Battle Rages On (4:40)
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