Über
Jorma Kaukonen brauchen wir im Woodstock-Jahr 2009 nichts mehr zusagen. Als Gitarrist von
Jefferson Airplane gehört er zu der Generation von Freaks, die den Soundtrack zum vielzitierten 'Summer Of Love' und was danach kam, mitkreierten. Und mit deren Namen noch immer psychedelische Klänge, gesellschaftspolitische Botschaften und wilder Drogenkonsum in Verbindung gebracht werden. 1980 war das Kapitel
Jefferson Airplane längst abgeschlossen, auch die zweite (bis heute existierende) Band
Kaukonens,
Hot Tuna, hatte sich vorübergehend aus der Szene verabschiedet und so erlebten die Rockpalast-Zuschauer den Wahl-Kalifornier mit dem nordischen Namen mit neuer Formation in Dortmund. Allerdings nicht als einer der Hauptacts für die europaweiten Live-Übertragungen, sondern im Rahmen der ebenfalls mitgeschnittenen Clubkonzerte in deutschen Metropolen. Der Gig fand am 29.11.80 in der Kleinen Westfalenhalle statt. Wir haben hier die Audio-Auskopplung zur Besprechung, der gegenüber der bereits veröffentlichten Videoaufzeichnung drei Titel aus Platzgründen fehlen.
Nachdem die Disco-Welle die etablierte Rockmusik in den siebziger Jahren infiziert hatte, war auch die Anhängerschaft des West Coast-Sounds zahlenmäßig stark geschrumpft und mit deren Protagonisten ins gesetzte Alter gedriftet. Die Monterey- und Woodstock-Helden hatten ihren Star-Status weitgehend eingebüßt, aber es gab diesseits des Teichs noch immer viele Fans, die die Überlebenden jener wilden Zeit bei ihren wenigen Gastspielen feierten. 1980 war Kaukonen 40 Jahre alt, seine Mitstreiter dem Augenschein wohl um einiges jünger. Wer die Vital Parts waren, musste erst per Internet-Recherche geklärt werden: The Stench Brothers - Hilary am Bass und John am Schlagzeug - in der Bay Area als Rhythmus-Sektion wohl bekannt. Auf dem Cover der Rockpalast-CD (wahrscheinlich genauso auf der DVD) und in den Promo-Veröffentlichungen werden die Namen verschwiegen, eine Despektierlichkeit, wie sie selbst in Low Budget-Produktionen kaum vorkommt!. Statt dessen Starkult mit der Figur des Bandleaders samt seiner Jefferson Airplane-Vergangenheit.
Ein weiterer Kritikpunkt an diesem Rockpalast-Mitschnitt ist die Klangqualität, die möglicherweise sogar Hauptschuld an der schlechten Performance trägt. Der Sound tönt ausgesprochen flach, matschig und schwankend. Über weite Strecken ist der Bass so dominant, dass die anderen Instrumente dahinter fast verschwinden, von den Drums ist eh kaum was zu hören. Bootlegger-Stoff; kaum zu glauben, dass die Toningenieure anno 1980 so einen Mist aufgenommen haben. Auch deshalb und trotz des günstigen Preises bestenfalls eine Empfehlung für
Kaukonen- und Rockpalast-Fans, die alles haben müssen. Von dem Gitarren-As gibt es vor allem mit
Hot Tuna reihenweise Besseres.
Leider kein Vergleich mit dem Konzertmitschnitt von
Randy Californias Spirit aus der gleichen Serie!