Aus der musikalischen Kinderschuh-Zeit von Barry Levenson gibt es nicht so sehr Spektakuläres zu berichten. Als er vierzehn war, entfachten Platten von Buddy Guy das Feuer für den Blues. Levenson spielte schon früh in einigen Bands und hatte einen Studio-Job. Von seiner Heimatstadt Pittsburgh zog es ihn dann nach Boston, wo er in der Hausband des Sugar Shack-Clubs Gitarre spielte und dann schlug er seine Zelte im Süden Kaliforniens auf. In L.A. arbeitete er mit Big Mama Thornton, Lowell Fulson oder Percy Mayfield zusammen. Seine eigene Band trug den Namen The Automatics und im Hause von Kent Records wurde er deren Produzent.
Dann erhielt er einen Plattenvertrag beim europäischen Jazz- und Blues-Label Storyville. Unter eigenem Namen wurden dort "Heart To Hand" (1998) sowie "Hard Times Won" (2003) veröffentlicht. Darüber hinaus spielte Levenson sowohl im Studio ( Christmas Album) als auch auf der Bühne mit Canned Heat zusammen. Außerdem sind von ihm die zwei Gitarrenbücher "Exciting Concepts For Blues Guitar Soloing" sowie "Advanced Concepts For Blues Guitar Soloing" auf dem Markt.
Mit den beiden Levenson-Alben "Heart To Hand" und "Hard Times Won" sind wir dann auch gleich in medias res, was vorliegende Platte "The Late Show" betrifft. Bei einem Abgleich der Tracklist befinden sich einige Songs der beiden Scheiben auf dem neuen Release. Die Wiederkehr der Stücke schränkt die Qualität von fünfzehn Songs in keiner Weise ein. Aus einem hochklassigen Platten-Duo kann bei einer Neuauflage schließlich keine schwächere CD hervorgehen.
Deutlich wird allerdings, dass Barry Levensons "The Late Show" nichts, aber auch gar nichts mit der Musik von Canned Heat zu tun hat. Der Gitarrist präsentiert den Blues mit einer hochglänzenden Jazz-Schicht oben drauf und klasse Gästen. Neben Harper Johnny Dyer singen Mary Williams und Finis Tasby. Für die Bläser-Einsätze sind Phil Krawzak sowie Chris Jennings zuständig und die Tasten bedient Mike Thompson (unter anderem Philipp Fankhauser, Jimmy Barnes). In "Green Is Blue" übernimmt Hank van Sickle, bekannt aus der Band von John Mayall den Bass. Diese Nummer hat ist keine Hommage an Peter Green, sondern Grant Green. Dezente Jazzbesen- sowie Kontrabass-Begleitung machen den Track mit fürchterlich guten Keyboards zu einem besonderen Highlight. Die Gitarrentöne schweben.
Von den Songtiteln her geht "Meters Runnin'" deutlich Richtung der Band Meters und "One For Muddy" ist eine Verneigung vor Muddy Waters. Leichfüßig wirkt der Track und Dyer, der auch singt, spielt eine ganz relaxte Harp. Mit Gebläse inklusive Saxofon-Solo und instrumental lässt man die Meters hochleben und das machen Levenson & Co. sehr elegant. Stücke ohne Gesang gibt es einige und in "Charlie's Ride" hat der Protagonist geschickt einige Zitate bekannter Titel Titel, (zum Beispiel "America" aus der "West Side Story"), die nicht aus dem Blues kommen, eingeflochten. Klasse!
Levenson ist ein Meister der sechs Saiten und der Slow Blues "The Last Show" ist eine echte Perle. "Drinkin' Stops Me Thinkin'" (wie wahr) ist ein herrlicher Groove-Song, abermals gesungen von Dyer und Levenson hat so viele tolle Soli für den Hörer parat. Da weiß man gar nicht, wohin man zuerst hören soll. "The Late Show" ist ein grandioses Album und durch seine Vita hat der Saitenzauberer auch Ahnung vom Produzieren sowie Arrangieren.
Bei der ersten Nummer braucht der Gitarrist nicht zu klingen ... man öffnet ihm die Tür schon ganz von alleine. Schließlich ist da noch Mary Williams, in deren Stimme sich Gospel und Soul treffen und Finis Tasby zeigt, wie gut man auch noch in höherem Alter singen kann.
Aus (fast) zwei mach eins ... Barry Levensons "The Late Show" ist etwas für Blues-Fans, die auch gerne über den Tellerrand in Richtung jazzigen 12-Takter gucken mögen. Ein vorzügliches Album mit Feeling!
Line-up:
Barry Levenson (guitars)
Blake Watson (bass)
Dave Kida (drums)
Special Guests:
Mary Williams (vocals - #2)
Finis Tasby (vocals - #7)
Mike Thompson (keyboards)
Phil Krawzak (horns)
Chris Jennings (horns)
Johnny Dyer (harmonica - #3,10, vocals - #3,10,14)
Larry 'Big House' David (harmonica - #11)
Hank van Sickle (bass - #15)
Mike Sandberg (percussion)
| Tracklist |
01:Riley's Shuffle/Blue Tears (7:16)
02:Whole Lotta Blues (4:01)
03:One For Muddy (3:21)
04:Meters Runnin' (5:00)
05:The Late Show (5:45)
06:Turn Up The A.C. (5:34)
07:Slippin' Down Blues (5:48)
08:Charlie's Ride (3:22)
09:Steel Life (5:55)
10:Wrong Side Of The Blues (4:36)
11:West Side Rain (6:09)
12:Down At The Hill (6:10)
13:Rush Hour (4:30)
14:Drinkin' Stops Me Thinkin' (4:22)
15:Green Is Blue (5:32)
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