Grant Langston / Working Until I Die
Working Until I Die Spielzeit: 40:52
Medium: CD
Label: MSG Records, 2012
Stil: Country Rock

Review vom 25.09.2012


Markus Kerren
Aus 'Sweet Home' Alabama stammt Grant Langston, den es während seines musikalischen Werdegangs dann irgendwann auch nach Nashville, Tennessee verschlug. Der Südstaatler musste aber bald ernüchtert feststellen, dass ihn mit der Country-Hit-Hauptstadt dieser Erde relativ wenig bis gar nichts verbindet. Oder anders ausgedrückt: Er hatte von dem dumpfen Geschäftsgebaren und musikalischen Einheitsbrei die Schnauze ziemlich schnell ziemlich voll. Es folgte der logische Schritt, ins kalifornische Bakersfield und somit die (stilistische) Heimat eines Buck Owens,
Merle Haggard oder auch Gram Parsons zu ziehen.
Hier umgab sich der Amerikaner ganz bewusst mit Rockmusikern, denen er erst das kleine Einmaleins und im Anschluss die Feinheiten der Country-Musik näher brachte. Was dann schließlich - spätestens bei dieser Scheibe (die vorherigen sind mir nicht bekannt) - zu einer gut geölten Fusion führte, die man mit Fug und Recht dem Genre Country Rock zuschreiben darf. Diese Mission war also erfolgreich abgeschlossen, Langston hatte nur noch das Problem, keinen Plattenvertrag zu haben. Er wählte daher eine Vorgehensweise, die immer öfter bei nicht mehr ganz so aktuellen Bands zu beobachten ist. Er ließ sich die Platte von seinen Fans vorfinanzieren und baute sich somit von vornherein den Druck auf, seinen Gönnern im Gegenzug auch qualitativ hochwertiges Material dafür zu liefern.
Ich darf aber Entwarnung geben, denn die vorliegenden zwölf Tracks bzw. knapp 41 Minuten sind durchaus gelungen und stark ausgefallen. Herzerfrischend falsch scheint "I Fall For It Every Time" irgendwo mitten im Song zu starten... oder hat da jemand eine halbe Sekunde zu spät auf den Aufnahmeknopf gedrückt? Wie dem auch sei, die Nummer an sich ist richtig klasse und glänzt sowohl mit jeder Menge Rock-Power als auch mit den für den Country so typischen Gesangslinien und Gitarrenmelodien. Dem stehen auch "Trouble Knows" und das bittersüß-komische "She Don't Have A Clue" (wenn bei beiden auch ein Gang runtergeschaltet wurde) kaum nach.
Der Alkohol bzw. etwas ZU viel Spaß zu haben ist ein großes Thema bei Grant Langston. Wenn auch auf witzige Weise dargestellt, kommt dies unter anderem bei "Everyone Loves Me When I'm Drunk" und "Little Less Fun" (in dem der Protagonist am nächsten Morgen nach einer Party irgendwo in der Pampa wieder zu sich kommt, aber beruhigt feststellt, dass er sich am Abend davor im Vergleich zu früheren Jahren doch ziemlich zusammengerissen hat) deutlich zur Geltung. Wie viel Autobiografisches in diesen Songs steckt, ist natürlich weder kaum zu eruieren, noch ist das gewollt. Was zählt ist, dass die Musiker offensichtlich viel Spaß bei den Aufnahmen hatten und (noch wichtiger) dass sie dies auch sehr gelungen auf Band festhalten konnten.
Natürlich wird es, wie zum Beispiel bei "Sweet Little Girl", auch mal balladesk, allerdings glücklicherweise ohne dabei auf irgendwelche Tränendrüsen zu drücken oder zu sehr auf der Dramatik-Schiene zu landen. Und so vergeht dieses Dutzend Songs mit kräftigen Rockern, feinen Midtempo-Nummern oder hier und da auch mal Langsamerem wie im Nu und verführt sicher nicht nur mich, den Zeigefinger in Richtung der Repeat-Taste wandern zu lassen.
Somit ist "Working Until I Die" also eine rundum gelungene Angelegenheit geworden. Stilistisch nicht mit deutlich stärker am Americana angelehnten Bands wie Deadman, den Sons Of Bill oder der Band Of Heathens zu vergleichen, ist Grant Langston hier eine qualitativ beeindruckende Wasserstandsmeldung bezüglich des Genres Country Rock aus dem Jahr 2012 geglückt. Wer erstmal reinhören will, dem würde ich dazu "I Fall For It Every Time", "She Don't Have A Clue", "Everyone Loves Me When I'm Drunk" und auch "Ain't That Kind Of Cowboy" empfehlen.
Kein Klassiker, aber ein durchaus feines Album!
Line-up:
Grant Langston (lead vocals, acoustic & electric guitars, piano, mandolin)
Larry Marciano (banjo, acoustic-, lead & slide guitars)
Josh Fleeger (bass)
Tony Horkins (drums & percussion, background vocals)

With:
Nicole Gordon (background vocals)
Carl Byron (piano - #3,4,5,8, B3 organ - #10)
Aubrey Richmond (fiddle - #6,8,9)
Dave Woodford (baritone & alto saxophone - #8)
Chris Lawrence (pedal steel - #12)
Sarah Kramer (trumpet - #12)
Anna Rosales (background vocals - #9)
The Virgin Singers Choir (gang chorus - #9,10)
Tracklist
01:I Fall For It Every Time
02:Trouble Knows
03:She Don't Have A Clue
04:Try Me
05:Coming For You
06:Working Until I Die
07:Sweet Little Girl
08:Along For The Ride
09:Little Less Fun
10:Everyone Loves Me When I'm Drunk
11:The Honky Tonk Special
12:Ain't That Kind Of Cowboy
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