Lärmatron / Die Ich-Show
Die Ich-Show Spielzeit: 53:06
Medium: CD
Label: Eigenproduktion, 2014
Stil: Deutschrock

Review vom 03.12.2014


Markus Kerren
Irgendwie scheint nicht mehr viel übrig geblieben zu sein von der Lärmatron-Besetzung, die vor mehr als fünfeinhalb Jahren die EP Ab durch die Mitte vorgelegt hatte und damit auch bei uns in RockTimes mehr als nur passabel wegkam. Okay, knapp sechs Jahre sind eine lange Zeit und die Norddeutschen können sicher auch noch nicht von ihren Songs leben - da muss man natürlich auch das Berufliche auf die Reihe bekommen und somit im Zweifelsfall auch mal Prioritäten setzen. So ist der Gitarrist und Sänger Pat(rick) mittlerweile das einzig noch aktive Originalmitglied, wobei Ur-Drummer Manuel immerhin noch auf den meisten Songs der neuen Scheibe vertreten ist.
Was ist in der Zwischenzeit passiert? Nach der oben genannten EP wurden so viele Konzerte wie nur möglich gespielt, aber es war auch mal Sand im Getriebe und das Quartett nahm sich vor einigen Jahren eine längere Auszeit. Bereits seit Januar 2011 sind jedoch mit Andie (Gitarre) und Thodd (Bass) zwei neue feste Leistungsträger in der Band, etwas später wurde der Schlagzeuger Carlos als vollwertiges Mitglied in die Combo integriert. Seitdem läuft das Unternehmen Lärmatron wieder auf Hochtouren, was nun auch das erste vollwertige Album "Die Ich-Show" dokumentiert.
Stilistisch sind die vier Jungs aus Oldenburg tatsächlich keinen Millimeter von ihrem bereits vor Jahren eingeschlagenen Konzept abgewichen. Ob dies eher positiv oder negativ zu bewerten ist, sei jedem selbst überlassen. Fakt ist aber, dass auch auf "Die Ich-Show" ganz gewaltig die Post abgeht. Sehr schnell fällt der sehr saubere und druckvolle Sound auf, der schon mal ein großer Schritt in Richtung 'Gewinner' ist. Und handwerklich kann man der Band überhaupt nichts ankreiden, wenn sie das Wort 'Innovation' beim Songwriting auch nicht unbedingt gepachtet hat. Will sie vielleicht aber auch überhaupt nicht.
Auch textlich hat die Band Lärmatron an ihrer Ausrichtung festgehalten. Es gibt Stories aus dem alltäglichen Leben, Gesellschaftskritisches (allerdings nichts über die Maßen Politisches) sowie das schon so oft gehörte Thema über die Einsamkeit des Mannes, der gerade verlassen wurde und - um das Dilemma noch zu dramatisieren - sogar noch an seinem letzten Bier sitzt, weil die gute Kiste zu allem Überfluss auch noch gerade leer geworden ist. Ein Kritikpunkt? Zumindest muss man dem Quartett zugute halten, dass dieses Thema wohl seit Menschengedenken aktuell war, ist und immer sein wird.
Die Vocals von Pat sind gut und die Gesangslinien durchweg eingängig, wenn sie mich doch ein bisschen zu oft an die von den beiden Großen des Genres (die Toten Hosen und die Onkelz) erinnern. Aber gut, wen dieser Fakt nicht unbedingt kümmert, der bekommt mit den vorliegenden zwölf (bzw. 14, je nachdem wie man es sieht) Tracks schon ein gewaltiges Pfund geboten. Und selbst wenn sich die letzten Zeilen etwas kritisch gelesen haben mögen, ist dieses 53-minütige Gesamtpaket im Fazit durchaus positiv zu sehen.
Denn Lärmatron wissen ganz genau, worauf es ankommt. Fetzige Riffs, eingängige Melodien, eine gesunde Portion Aggressivität gepaart mit clever eingesetztem Feeling bei den ruhigeren Nummern und sehr guter Sound. All dies zusammengerechnet dürfte die Freunde dieses Genres durchaus überzeugen und kann ganz sicher auch neue hinzugewinnen. Mir persönlich fehlt noch ein bisschen die persönliche Handschrift, aber die kann sich ja nach wie vor noch entwickeln!
Es bleibt dabei: Sehr gelungene Scheibe, Lob nach Oldenburg bzw. an Lärmatron.
Line-up:
Pat (Gitarre, Gesang)
Andie (Gitarre)
Thodd (Bass)
Manuel (Schlagzeug)
Carlos (Schlagzeug - #3,5,8,14)
Tracklist
01:Pole Position
02:Hollywood
03:Krawattenarmee
04:Die letzte Flasche
05:Dieser Moment
06:Weg von hier
07:Die Ich-Show
08:Wunderbare Jahre
09:Puls - Part 1
10:Puls - Part 2
11:Puls - Part 3
12:Bube, Dame, König
13:Haar im Mund
14:Für immer jung
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