Was machst du mit uns, Eleni Mandell? Mit "I Can See The Future" geht die Künstlerin ganz andere Wege. Country, Folk, Jazz und eine Prise Blues sind, wie beim Vorgänger immer noch vorhanden. Nur die musikalische Verpackung ist eine andere. Statt Rock ist es jetzt der Pop. Mandell bleibt unkalkulierbar!
In ihrem Privatleben hat sie die Trennung vom Lebensabschnittspartner hinter sich und nach einer künstlichen Befruchtung hat sie Zwillinge bekommen. Unterschiedliche Emotionen liegen sehr nahe beieinander und aus dieser Situation heraus entstand ein monochromatisches Album "I Can See The Future", das sich durch Nuancen in der Farbgebung auszeichnet. Das Rock-Genre wurde komplett aus Mandells Kompositionsrepertoire gestrichen. Nachdenklichkeit, Sentimentalität, Melancholie... alle so ziemlich in Molltönen gehaltene Stimmungen prägen vorliegendes Album. Da es mit durchweg entschleunigtem Tempo zur Sache geht, sind die dreizehn Hörergebnisse aus meiner ganz persönlichen Sicht sehr unterschiedlich.
Über das "I Can See The Future"-Line-up kann man überhaupt nicht meckern. Da spielt der vielbeschäftigte Greg Leisz Pedal Steel und einmal hören wir den Los Lobos-Saxofonisten Steve Berlin. Schlagzeuger Joey Waronker, der zeitweise bei R.E.M. für eine gute Rhythmik sorgte, ist mit von der Partie. Er streicht mehr mit den Jazzbesen über die Felle. Die Gitarristen Woody Jackson und Jeremy Drake waren bereits auf vorherigen Alben der Protagonistin aktiv und des Weiteren sind Nathaniel Walcott ( Bright Eyes) und James King am Saxofon beziehungsweise auf der Trompete unterwegs. Bei dem Kammer-Pop dieses Albums ist es schon fast notwenig, dass auch Streicher für entsprechend nachdenkliche Atmosphäre sorgen.
Songs faszinieren durch relaxten Groove, Slide-Gitarre, feinste Pedal Steel und Violinen-Romantik. Stößt man auf "Never Have To Fall In Love Again", muss man einem Teil des Informationsblattes uneingeschränkt zustimmen: Eleni Mandell und ihr Duett-Partner Benij Hughes blicken zurück und erinnern an Lee Hazelwood/Nancy Sinatra. Kein "Summer Wine", aber definitiv Sechzigerjahre-Flair. Nicht alle Nummern fallen auf fruchtbaren Boden, aber hört man über den süßlichen Mandell-Gesang in "Crooked Man" hinweg, ist im Hintergrund ganz schön viel los. Da stößt man auf eine extravagante Gitarre und ein auch tieftönend-jazziges Saxofon. Bei einem solchen Arrangement handelt es sich bezogen auf die anderen Tracks aber um einen Ausrutscher.
Es geht allerdings auch ganz schlicht: "Bun In The Oven" ist aus meiner Sicht der intensivste Track auf der Platte. Keyboards und Pedal Steel geben sich in aller Ruhe die Klinke in die Hand und Ryan Faves bei seinen wenige Töne aus dem Kontrabass nicht gerade die Spendierhosen an. In "I'm Lucky" drückt die Künstlerin ihre ganz persönliche Art von Glück aus. Zu verträumten Streichern und sinnlichen Spielereien der Gebläse-Abteilung freut sie sich wohl eher innerlich. Herrlich sind die Backing Vocals von Inara George, Becky Stark, Alex Lilly und Penelope Fortier. Mit den beiden erstgenannten Künstlerinnen ist Eleni Mandell auch in der Folk-Gruppe The Living Sisters aktiv.
Mandell erschuf "I Can See The Future" aus einer ganz besonderen Gemütslage heraus. Dem Hörer geht es im übertragenen Sinn ähnlich. Einerseits gibt es Situationen, da lässt einen diese Platte einfach nicht los. Unsichtbare Schnüre fesseln einen am Stuhl und andererseits findet die Platte noch nicht einmal den Weg in den CD-Player.
Manchmal gehen die Songs unter die Haut, manchmal geht gar nichts. Grundsätzlich ist die wandlungsfähige Eleni Mandell wohl immer für einen Überraschung gut. Auf dem von Joe Chiccarelli ( Bon Jovi, Larry Carlton, Etta James, Poco, The Shins, The Strokes, White Stripes) produzierten Album bilden "Crooked Man" und "Don't Say No" die zwei Buchstützen zwischen denen es von glänzend bis gähnend so ziemlich alles gibt.
Line-up:
Eleni Mandell (vocals, acoustic guitar, backing vocals - #1,5)
Greg Leisz (pedal steel guitar)
Woody Jackson (electric guitar)
Jeremy Drake (electric guitar)
Mike Daly (acoustic guitar)
Ryan Feves (electric bass, upright bass)
Zac Rae (keyboards - #11, bass - #11)
Nathaniel Walcott (trumpet)
James King (saxophone)
Steve Berlin (saxophone - #6)
Mark Robertson (violin)
Maia Jasper (violin)
Luke Maurer (viola)
David Mergen (cello)
April Cap (english horn, oboe)
Joey Waronker (drums)
Inara George (background vocals)
Becky Stark (background vocals)
Alex Lilly (background vocals)
Penelope Fortier (background vocals)
Benji Hughes (background vocals)
| Tracklist |
01:The Future (3:20)
02:Magic Summertime (4:50)
03:Now We're Strangers (2:35)
04:I'm Lucky (4:35)
05:Desert Song (3:35)
06:Who You Gonna Dance With (3:01)
07:Never Have To Fall In Love Again (4:00)
08:Crooked Man (3:29)
09:Bun In The Oven (4:01)
10:So Easy (3:36)
11:Looking To Look For (3:25)
12:Don't Say No (4:40)
13:A Possibility (3:24)
(all songs written by Eleni Mandell)
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Externe Links:
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