Der Gitarren-Hexer The Mighty Orq setzt weiterhin auf besten Blues Rock, der im Power-Trio gespielt wird. Auf Milk Money zupfte noch Jessica Will die dicken Saiten. Nun hat Westside Johnny diesen Part übernommen.
Drei Relikte aus der Zeit mit der Frau am Tieftöner gibt es allerdings auf der aktuellen CD "To The Bone", denn für "Rainy Day", "Set Me Free" und "If You Will" hatte sie die Finger beim Songwriting im Spiel.
"Rainy Day" ist mit seinen poppigen (ja richtig gelesen) Anleihen wohl eher die Ausnahme im Konglomerat der anderen Tracks. Wegen der verzerrten Gitarre dennoch hörenswert.
"Set Me Free" zeigt da schon viel genauer, wo es auf dieser Platte lang geht: Fetzig riffige Gitarre von Mighty Orq.
"To The Bone" ist eine wahre Lehrstunde in Sachen Riffs.
Selten habe ich, was das Riffing betrifft, soviel Abwechslung und Freude beim Hören einer CD gehabt. Logischerweise sind die messerscharfen Soli des Protagonisten auch nicht Ohne. "If You Will" ist eine große Gitarren-Performance und mit einem treibenden Groove aus Westside Johnnys Arbeitsgerät unterfüttert. Gut gesetzte Breaks sind der Aufgalopp für ein galaktisches Gitarren-Solo.
Ja, ja, der Titel lässt es schon erahnen: "Blue Eyes" ist eine herrliche Ballade, in der Mightys Stimme besonders gut zur Geltung kommt. Er deckt ein weites Spektrum mit seinen Stimmbändern ab.
Glaubt man kaum, aber es gibt auf "To The Bone" keinen einzigen Ton von Tasteninstrumenten. Der Gitarrist muss für sein Arbeitsgerät über einiges an Equipment auf dem Boden verfügen, denn besagter Slow-Rocker bringt auch Keyboard-Ähnlichkeiten an die Ohren. Klasse!
Nachdem die Band den Hörer so richtig schön eingelullt hat, wird man aber stante pede in die Realität zurück geholt. "4 + 1" ist Boogie in bester ZZ Top-Manier. »Honey, let me see your wild side…« Ein Hammer, dieser Track und, für die heftigere Abteilung des Albums ein Anspieltipp!
Die definitiv bluesigste Nummer folgt mit "The Good Love". Dafür lupft man das Gaspedal für knapp vier Minuten. Hat die Mighty Orq-Gitarre einen fetten Klang! Der Bass blubbert zeitweise auf unterster Sole und Matt Johnson taktet hervorragend. Der Einsatz der Becken ist zum Zunge schnalzen. Und dann streift der Namensgeber der Gruppe das Bottleneck über und slidet mit Verfremdungseffekten erstklassig über die Saiten.
Der letzte Track, "Scars", bietet dem Hörer eine weitere Slide-Einlage des Musikers aus Houston. Allerdings andersartig als "The Good Love". Mighty Orqs Gitarre klingt im insgesamt ruhiger gehaltenen Song sehr melodiös und ein wenig swampy.
Ein großer Abschluss für ein rundum tolles Album, mit dem die Band einen großen Schritt nach vorne gemacht hat. "To The Bone" ist gereift, wie ein guten Malt Whiskey. Dazu passt der Titel "Different This Time"… .
Stellvertretend für das satte Riffing auf vorliegender CD sollte man sich "Hangin' On" zu Gemüte führen, denn das sagt alles.
The Mighty Orq haben einen vorzüglichen Nachfolger für "Milk Money" auf die Beine gestellt.
Nicht ohne Grund sollte auch Ben Elliott erwähnt werden, in dessen Showplace Studios aufgenommen wurde. Der Mann hat als Produzent schon Musiker wie Hubert Sumlin, Savoy Brown oder Leslie West unter seinen Fittichen gehabt und auch "To The Bone geregelt".
Überzeugend, wie es die Gruppe um Mighty Orq versteht, in 51 Minuten ohne Problemzonen zu unterhalten.
Dafür gibt es angemessene 8 von 10 RockTimes-Uhren und bestimmt neue Fans.
Line-up:
Mighty Orq (guitars, vocals)
Westside Johnny (bass)
Matt Johnson (drums)
Tracklist |
01:Falling Down (4:57)
02:Different This Time (4:18)
03:Rainy Day (3:38)
04:H.O. (5:39)
05:Set Me Free (3:32)
06:Hangin' On (4:58)
07:If You Will (4:33)
08:Blue Eyes (4:10)
09:4 + 1 (4:09)
10:The Good Love (4:46)
11:Scars (6:34)
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