
Auf dieses Konzert war ich sehr gespannt, denn ganz selten ist ein junger Musiker, der erst mit einem einzigen Album aufwarten kann, das zudem auch schon drei Jahre auf dem Buckel hat, mit so viel Vorschusslorbeeren ausgezeichnet worden, wie Ryan McGarvey. Der erst 24-jährige amerikanische Sänger/Gitarrist war am Anfang dieses Jahres zum allerersten Mal in Deutschland und den Niederlanden auf Tour und wurde überall total abgefeiert. Allein die euphorische Reaktion von meinem Bluesbruder und RockTimes-Kollegen Joe, ansonsten für seine ruhigen und sachlichen Beurteilungen bekannt, auf sein erstes Zusammentreffen mit der Ryan McGarvey Band ließ schon erahnen, dass hier etwas ganz Besonderes in unseren Breitengraden unterwegs war. Zahlreiche Video-Mitschnitte von den ersten Gigs der Gruppe taten ein Übrigens, um unser Interesse noch zu steigern.

Und genau so sahen es wohl auch viele Fans von guter Rockmusik, denn als wir kurz vor der offiziellen Einlasszeit vor der Bluesgarage aufliefen, stand schon eine Besucherschlange vor der Tür und zahlreiche Autos mit auswärtigen Kennzeichen bevölkerten den Parkplatz. Durchaus ungewöhnlich, denn das Publikum in Isernhagen ist eigentlich für sein relativ spätes Erscheinen im Saal bekannt. Das sah also ganz nach einer vollen Hütte aus und, wie wir später feststellen konnten, lagen wir mit dieser Vermutung durchaus richtig. Denn die Zuhörer standen bei Beginn des Konzertes ziemlich dicht gedrängt und ließen nicht mehr viel Platz in der Halle.

So musste ich mich schon frühzeitig an den Rand der Bühne bewegen und konnte so den Support-Act aus nächster Nähe in Augenschein nehmen. Diesen Part übernahm die mir bisher völlig unbekannte Band Footsteps aus Leipzig. Und dieses junge Power-Trio, das inzwischen auch schon ein Album veröffentlicht hat, nahm den Einheizer-Job sehr ernst. Obwohl ich eigentlich nicht unbedingt ein Freund von Vorbands bin, kann ich in dem Fall nur feststellen, dass ein ideales Band-Line-up gefunden wurde. Was Footsteps in den 45 Minuten auf die Bühne brachten, war schon aller Ehren wert. Ihr knallharter Bluesrock, der neben einigen Eigenkompositionen auch noch den Robert Johnson-Klassiker "Crossroads" enthielt, bei dem die Band auf seligen Cream-Spuren wandelte, konnte die Zuhörer schon ziemlich begeistern, und mit einer richtig starken Version von Jimis "Voodoo Chile" war dann schließlich der Höhepunkt des Footsteps-Gigs erreicht. Diese Band ist der ideale Stimmngsmacher für jeden Top-Act. Nicht umsonst waren sie schon im Vorprogramm von Leuten wie Eric Sardinas und Ten Years After unterwegs. Klasse spricht sich eben schnell herum!

Nach einer angenehm kurzen Umbaupause von 20 Minuten enterte die Ryan McGarvey Band die Bühne und sofort verbreitete sich eine wohlig angenehme Atmosphäre. Der junge Mann konnte vom ersten Augenblick an mit seiner freundlichen und ungekünzelten Art beim Publikum punkten. Ein Musiker zum Anfassen!
Schon der instrumentale Einstieg zeigte gleich, wohin die musikalische Reise führen würde. Bassmann Justin McLauchlin feuerte seine stampfenden Rhythmen sehr kraftvoll aus den Boxen, und Drummer Björn Hamre setzte sofort mit toller Beckenarbeit ein. Überhaupt konnte er mit seinem äußerst differenzierten Spiel voll überzeugen. Echt gut der Mann! Obwohl Ryans Gitarre für meinen Geschmack am Anfang im Gesamtsound etwas zu sehr in den Hintergrund gemixt wurde (was sich später dann änderte), waren aber schon diese 'Fingerübungen' äußerst beeindruckend.

Sehr schnell war die Band auf Betriebstemperatur. Ryan begann mit seiner Bühnenshow, maß die Bühne voll aus und unterstrich seine Soloeinlagen immer wieder mit einer perfekten Körpersprache. Herrlich, ihm bei seiner vollen Konzentration zu beobachten, wie er, teils mit geschlossenen Augen, seine Songs zelebrierte. Da passte einfach alles, zumal er auch jede einzelne Solo-Attacke mit dem ganzen Körper unterstrich. Spielfreude auf höchstem Niveau war angesagt und deutlich spürbar. Die Band genoss jeden Augenblick dieses Konzertes, und das wurde vom Publikum dankbar aufgenommen und akzeptiert. Der immer so wichtige Funke zwischen Musikern und Zuhörern war sofort übergesprungen.

Auch vom Gesang her konnte Ryan McGarvey voll überzeugen. Oftmals erinnerten mich seine Vocals an Joe Bonamassa, vielleicht war Ryan sogar noch etwas stärker. Jedenfalls wirkt seine Stimme schon sehr ausgereift, sodass man ihm sein junges Alter absolut nicht anhören konnte.
Je länger das Konzert lief, desto klarer kamen die enormen Fähigkeiten des Gitarristen zum Vorschein. Allein schon die Tatsache, dass der Gig nahezu ausschließlich aus Eigenkompositionen bestand, ließ meine Hochachtung vor Ryan schon ziemlich in die Höhe schnellen, doch auch das handwerkliche Umsetzen sorgte für zahlreiche vor Erstaunen offen stehende Münder unter den Besuchern.

Obwohl etliche Titel nach dem gleichen Muster gestrickt waren (psychedelische Einleitung - Einsetzen der Power-Riffs - Solo-Einlagen) gab es doch noch genügend Abwechslung in der Setlist. Slow Blues, Hard Rock, selbst balladenhafte Songs wechselten sich mit unglaublich schnellen Rocksongs ab, bei denen sich Ryan als wahrer 'Flitzefinger' entpuppte. Und das alles gespielt mit einer ungeheuren Präzision. Da saß jeder Ton, sodass es immer wieder zu spontanem Zwischenapplaus kam. Außerdem ließ es sich Ryan nicht nehmen, mehrmals in schönster Leslie West-Manier solo die Bühne zu rocken und sein Arbeitsgerät heftigst zu malträtieren. Auch das waren natürlich absolute Highlights des Abends.

Mein persönlicher Höhepunkt des Konzertes aber war der Tribute-Song an Jimi Hendrix, den Ryan in Anlehnung an "Hey Joe" mit "Hey Jimi" betitelt hat. Hier war die Rückbesinnung an die Gitarrenlegende fast körperlich spürbar. Ich habe ganz selten einen Titel gehört, der mit so viel Emotionalität gespielt wurde.
Viel zu schnell war der reguläre Teil des Gigs beendet, aber auch die Zugabe war vom Feinsten. Rory Gallaghers "A Million Miles Away" gab es in einer Heavy Rock-Fassung, die sich gewaschen hatte. Richtig schön ausgedehnt zog Ryan hier noch einmal alle Register seines Könnens, und die gesamte Band legte ihre letzten Energiereserven in diesen abschließenden Song. So endete nach genau zwei Stunden ein ganz starker Auftritt und ließ ein verschwitztes aber vollauf zufriedenes Publikum zurück. Ich gehe jede Wette ein, dass die Ryan McGarvey Band in ganz naher Zukunft wesentlich größere Locations ausverkaufen wird. Von dieser Gruppe werden wir noch sehr viel hören!
Line-up Footsteps:
Lucas Fiege (guitar, vocals)
Hendrik Herder (bass)
Marius Gebhardt (drums)
Line-up Ryan McGarvey Band:
Ryan McGarvey (guitar, vocals)
Justin McLauchlin (bass)
Björn Hamre (drums)
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