Was unter dem Namen Nattefrost firmiert, ist im Prinzip nichts anderes als das Projekt des dänischen Musikers Björn Jeppesen, der sich für seine Scheiben immer wieder mal Gäste ins Studio einlädt, um die neuesten Kompositionen zu bereichern. Sein neuestes Werk, "Futurized", hat bereits ein paar (wenige) Jährchen auf dem Buckel, ist nun aber bei Sireena Records zusätzlich noch auf Vinyl erschienen. Die Platte in der CD-Version hatte ja bereits unser Ulli vorgestellt und da fragt sich der zweite Rezensent, was er eigentlich noch ergänzen kann.
Nee, dann lieber erst gar nicht ergänzen, sondern frisch, frei und jungfräulich an die Sache herangehen. Electronic als Genre hat es ja nun mal so an sich, dass sämtliche bzw. die allermeisten Sounds aus Keyboards und anderen Maschinen kommen, wenn es auch hier viele unterschiedliche Stilistiken gibt. Nattefrost präsentiert sich auf "Futurized" durchaus auch mal spacig, hier und da mal poppig, immer aber hochmodern und mit diesem etwas kühlen (manchmal gar kalten) Touch versehen, der einen unweigerlich in eine fremde Landschaft, vielleicht sogar fremde Welt versetzt.
Das Album ist übrigens nicht gänzlich instrumental gehalten, wenn sich die Vocals von Gast Michel Moers auch sehr spärlich und monoton zu den Tracks gesellen, bei denen er mit an Bord war. Die Tempi der Stücke variieren recht angenehm, auch die Stimmungen und Atmosphären sind abwechslungsreich, selbst wenn sie sich doch alle (gefühlt) in futuristischen Hohlräumen zu bewegen scheinen. Dabei sind durchaus auch Stücke dabei, zu denen man ganz gut abzappeln könnte, wenn sowohl die Laune als auch die Location die richtige sind.
Am besten ist "Futurized" immer dann, wenn breitflächige Keyboardsounds ins Spiel kommen, da damit dieser sehr oft vorhandene fast etwas klaustrophobische Effekt deutlich aufgelockert und somit Luft zum Atmen gelassen wird. Das Bild vor dem geistigen Auge des Hörers wird umgehend freundlicher, die Farben wechseln von Grau und sehr blassem Blau immerhin zu einem etwas schmutzig wirkenden Ocker, wenn ihr versteht, was ich meine. Wie ein warmer Sonnenstrahl nach einem grauen, verregneten Tag.
Das Herzstück der Scheibe ist der fast zehnminütige Titeltrack, der jeden (der sich darauf einlässt) tatsächlich auf eine ausgedehnte Reise mitnimmt. Vielleicht sind längere Nummern auch das eher passende Korsett für den Dänen, da der Hörer doch erstmal ein Weilchen braucht, um in der hier kreierten Landschaft so richtig anzukommen. Aber selbst wenn vieles erst mal etwas beklemmend rüberkommt, so schafft es Björn Jeppesen doch immer wieder Melodien unterzubringen, die im Ohr hängen bleiben - und das ist schon wieder richtig gut.
Wer Nattefrost bereits kennt und mag, der wird auch von "Futurized" kaum enttäuscht werden. Soundmäßig kommt die Vinyl-Ausgabe dazu richtig klasse rüber, sehr differenziert sind die vereinzelten Spuren voneinander zu unterscheiden. Der direkte Vergleich zur CD-Ausgabe fehlt mir zwar leider, aber die 'Große Schwarze' überzeugt durch ihren Klang auf ganzer Linie. Abgesehen von Electronic-Freaks vielleicht keine Musik für jeden Tag, dafür aber mal was ganz anderes und deshalb schon wieder interessant. Antesten kostet nichts und vielleicht katapultiert euch Nattefrost mit seinem Sound ja auch so richtig mit in seine Sphären hinein.
Line-up:
Bjørn Jeppesen (all hardware & software synthesizers, vocoders, backing vocals)
With:
Michel Moers (vocals - #A-3, B-2,5)
Steen Chorchendorff Jörgensen (additional instruments - #A-2)
Dorvo (background vocals - #A-5)
Tracklist |
Side 1:
01:Westhofen (5:35)
02:Electro Shock (5:09)
03:Poliment (4:18)
04:Beware Of The Destiny (3:21)
05:Ghost Mind (4:18)
Side 2:
06:Futurized (9:37)
07:Will I Get To Your Heart (4:54)
08:793 (5:12)
09:Red Angel (4:02)
10:While Asleep (4:53)
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