The Night Patrol / The Path
The Path Spielzeit: 78:27
Medium: CD
Label: Office4music, 2008
Stil: Progressive Rock

Review vom 24.06.2008


Joachim 'Joe' Brookes
»Für 2008 ist auf der Homepage bereits ein neues Album mit dem Titel "The Path" angekündigt. Man darf gespannt sein und wir wünschen The Night Patrol viel Erfolg bei Suche nach einem Label.« So endete die Review des letzten Albums der Gruppe The Night Patrol und in Form von "The Path" legen die Pforzheimer ihre nächste Platte vor.
Mit dem Label hat es auch geklappt, denn die Scheibe ist bei Office4music erschienen.
Neben einer ganzen Reihe von Gästen ist der Gitarrist Stefan Grob zum festen Bandmitglied geworden. Im Vergleich zu "Lost Voice" ist es der Band auf beeindruckende Art und Weise gelungen, den eingeschlagenen Progressive Rock-Weg konsequent weiter zu entwickeln.
Es gibt mit Julian Boosert (saxofone) und Till Würtemberger (trumpet) echtes aus der Gebläse-Abteilung und durch eine ganze Phalanx an Gitarristen wird "The Path" zu einer enorm Saiten-verliebten Angelegenheit.
Nicht nur das Mellotron und Hammond-Sounds lassen die Scheibe zu einem tollen Ausflug in die frühen Siebzigerjahre werden.
So ganz würde man mit dieser singulären Einordnung der 'Nachtpatrouille' allerdings nicht gerecht werden, denn der eingeschlagene Weg ist kein Wanderweg sondern hat die Dimension einer sechsspurigen Autobahn.
Alle Songs wurden im The Night Patrol-Team geschrieben und das in Musik umgesetzte Songwriting führt zu einem überlangen Hörvergnügen.
Ob es nun die verträumte, mit imitierten Klarinetten- und Querflöten-Tönen angereicherte Ouvertüre "Lonely Was The World", oder das aus dem vollen schöpfende Stück "Nuclear Morning" ist, die Band hat fantastische Ideen im Kopf und kann diese in tolle arrangierte Songs umsetzen.
Dieses Talent legen nicht viele Künstler an den Tag und der zweite Track ist nur ein Beispiel dafür, wie einerseits Gitarren und Keyboards zu einer Einheit verschmelzen, andererseits jedes Instrument für sich das Geschehen dominiert. Die Dramaturgie dieses Tracks ist so etwas wie eines der Markenzeichen von The Night Patrol.
Über zehn Minuten hält "Exile Of Forbidden Dreams" den Hörer gebannt an den Boxen. Die ersten 60 Sekunden haben das Flair einer menschenleeren Großstadt nach einem Regenschauer. Ein deliziöses Saxofon zieht seine unendlichen Kreise, begleitet von sphärischem Bass und Hintergrund-Keyboards. Der Drum-Rhythmus ist vertrackt und dann geben sich die Gitarristen Uwe Schiewe, Rainer Neeff sowie Till Würtemberger und Goran Nikolic die Klinke in die Hand. Jonas Ade sorgt für den fetten Hammond-Sound und das Stück strotzt nur so vor Tempi- und Rhythmuswechseln. Es ist halt viel los hier, wenn dann auch noch Julian Boosert ein furioses Sax-Solo bläst und Ade eine tolle Synthie-Einlage beisteuert.
Bevor dann zum Schluss nochmals heftig angegriffen wird, hören wir ein Gitarren-Solo, das sich gar in bluesigen Gewässern an der Oberfläche hält.
Der dreiteilige Titeltrack offenbar sich dann mit Gesang. Dafür ist Miroslav Goranovic zuständig und er macht, neben dem Aufgebot an Gitarren eine gute Figur. Der Mittelteil weckt Erinnerungen an Emerson, Lake & Palmer. Der dritte Part ist sehr ruhig gehaltenes Improvisations-Theater.
"Virus-Dance" ist zu Anfang Musik in Frippertronics-Manier.
Wer zwischendurch schon einmal einen Blick auf die Tracklist geworfen hat, wird feststellen, dass die Spielzeit des sechzehnteiligen Opus "Mikrobil" rekordverdächtig ist. Gute 42 Minuten bringt das Stück auf die Waage. Hier ist der Konsument echt gefordert. Mal so nebenbei hören ist nicht. Hinsetzen und sich Stück für Stück vereinnahmen lassen, heißt die Devise.
Michael Vockovac sowie Stefan Grob sind die Hauptakteure dieses großformatigen Tracks und, in Ansätzen wurde bereits vorher deutlich, der Gitarrist ist ein großer Fan des Avantgarde-Jazz. Die Musiker kreieren Klang-Gemälde, zum größten Teil Collagen-haft anmutend, allerdings kein Stückwerk.
"Mikrobil" ist in einem ständigen Fluss befindlich und versprüht so etwas wie Improvisations-Magie. Gegenseitig werfen sich die Musiker ihre Ideen zu und stricken daraus ein wahnsinniges Sound-Monster. Fast alle Parts liegen zwischen ein bis drei Minuten. Es gibt lediglich zwei Teile, die einerseits fast sechs bzw. knapp über neun Minuten dauern.
"Mikrobil" ist ein mutiges Stück Musik und damit befindet sich The Night Patrol definitiv in einer spärlich besetzten Nische, wobei die Meinungen zu diesem Track bestimmt höchst divergent ausfallen werden. Man muss sich der Nummer nur vorurteilsfrei und aufgeschlossen nähern, dann wird das schon… .
Stillstand ist Rückschritt und genau das Gegenteil trifft auf "The Path" zu. Dafür gibt es
8 von 10 RockTimes-Uhren.
Line-up:
Michael Vockovac (drums, percussion, keyboards, mellotron, backing vocals)
Goran Nikolic (bass, guitars)
Stefan Grob (guitars)

Special Guests:
Jonas Ade (mellotron, organ, piano)
Uwe Schiewe (guitar)
Rainer Neeff (guitar)
Frank Staiger (guitar)
Julian Boosert (saxophone)
Till Würtemberger (guitar, trumpet)
Miroslav Goranovic (lead vocals)
Rainer Neeff (guitar, vocal sound)
Tracklist
01:Lonely Was The World (2:17)
02:Nuclear Morning (7:42)
03:Exile Of Forbidden Dreams (10:19)
04:The Path (10:12)
   Part 1: The First Light
   Part 2:Crossing The Battlefield
   Part 3: Dead? Where Am I?
05:Virus-Dance (5:45)
06:Mikrobil (Part I-XVI) (Live Improvisation) (42:12)
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