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Beim Namen Ben Poole fiel mir spontan der südenenglische Badeort Poole ein. Auf der Suche nach Musik von dem jungen Engländer kommt man gar nicht drumherum, auch etwas über ihn zu lesen. Die Kritiker scheinen sich ja fast zu überschlagen und schütten ein wahres Füllhorn des Lobes über den Blues-Rocker aus. Poole hat schon mit vielen großen Künstlern zusammen gespielt. John Mayall, Gary Moore und Jeff Beck stehen da auf der Liste. Ein Traum erfüllte sich für ihn, als er 2009 mit Richie Kotzen auf Tour war und außerdem spielt er in der Band von Dani Wilde. Bluesbruder Jürgen hatte bereits das Vergnügen, den jungen Wilden in Wildes Gruppe live zu sehen. Ben Poole war als erster Musiker ohne Platten-Vertrag beim 'Download'-Festival in Donnington Park und teilte die Bühne mit Aerosmith, AC/DC sowie Rage Against The Machine. Mit "Everything I Want" hat Poole ein erstes Album auf dem Markt. Produziert wurde es von Bernie Torme (Ex- Ozzy Osburne, Ex- Ian Gillan). Okay, bei so vielen Vorschusslorbeeren konnte man sich ja gespannt auf seine Gig im Blues Moose Café freuen.
Poole begann mit einer Nummer aus seiner CD. Da sorgte er gleich mit dem Titeltrack "Everything I Want" für ganz spitze Ohren bei den Zuschauern. Das Stück war seine ganz persönliche Verneigung vor Stevie Ray Vaughan. In seinem ersten Solo sprühte der junge Blueser bereits vor Spielfreude und sehr guten Ideen. Der Gig-Opener ließ darauf schließen, dass Poole & Co. wohl so einige längere Stück spielen würden. Dem war dann auch so. Der Bassist Barry Pearson und Drummer Alan Taylor konnten ebenfalls überzeugen. Beide spielten die CD mit Poole zusammen ein.
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Der erste Eindruck war ordentlich und nach der Eigenkomposition machte der Engländer mit Johnny 'Guitar' Watsons "Too Tired" einen Schritt in die Blues-Geschichte. Im Solo präsentierte Poole dann große, euphorische Emotionen. Selbst Geschwindigkeit war bei ihm Zauberei. Er war ein ganz heißer Hexer auf den sechs Saiten seiner Fender Telecaster. Weiter ging es in der musikalischen Geschichtsstunde mit "I've Got Mine". Ja, genau, die Nummer von den Small Faces. Poole zelebrierte das Stück und schon wieder wartete man auf den Alleingang. Der junge Mann hatte tatsächlich seinen eigenen Stil. Er interpretiert Coversongs mit Würde und dem nötigen Respekt. Auch wenn man in gewisser Weise vorgewarnt war, konnte er dafür sorgen, dass die Kinnlade ohne Probleme in Richtung Boden wanderte.
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Die folgende Komposition hätte man nun wirklich nicht auf der Rechnung haben können. In Stevie Wonders "I Don't Know Why (I Love You)" ließ Poole partiell die Luft aus dem bisher prall gefüllten Reifen der Dynamik. Durch den Abstand zum Gesangsmikrofon spielte er mit der Lautstärke seiner angerauten Stimme. Die Nummer hatte Tiefe und schiere Emotionen. Der Gitarrist brauchte gar keinen Tremolo-Hebel. Diesen Klang schüttelte er quasi aus dem nicht vorhandenen Ärmel seines Träger-T-Shirts. Poole war so versiert in seinen Griffbrett-Läufen. Mit "Mr. Pitiful" ( Otis Redding/ Steve Cropper) und dem Medley "Behind The Mask/Got No Soul" wurde das Konzert auf hohem Niveau fortgesetzt. Ben Poole konnte sich auch deswegen ausgiebig entfalten, weil er mit Barry Pearson sowie Alan Taylor zwei Musiker hinter sich hatte, auf die hundertprozentig Verlass war. Pearson lieferte ein knallhart geslapptes Solo.
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Was dann folgte, war der Wahnsinn in Dosen. Okay, "Hey Joe" von Jimi Hendrix hat man nun wirklich schon oft genug gehört. Aber eben noch nicht von dem Mann des Abends interpretiert. Er hauchte der Klassiker-Nummer neuen Odem ein. Noch langsamer, noch bluesiger, noch überragender, als je zuvor gehört oder gesehen. Dieses Stück war die Krönung des ersten Sets. Er spielte Töne, die noch auf keinem Notenblatt des Songs verewigt wurden. Man sparte nicht mit Beifall und dem Meister der Vielfalt huschte ein Lächeln über die Mundwinkel.
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Im Temptations-Stück "(I Know) I'm Losing You" setzte Poole ein weiteres Ausrufezeichen der Begeisterung, denn er spielte sein Arbeitsgerät ohne auch nur einmal mit den Fingern der rechten Hand die Saiten zum Schwingen zu bringen. Nicht nur mal eben so, nein, für ein komplettes Solo. Hammer! Ein Schmankerl gab es dann am Ende des Tracks obendrauf: ein Led Zeppelin-Zitat.
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Leider rannte die Zeit wie im Fluge davon und die Zeiger der Uhr wanderten unaufhaltsam in Richtung 22:00 Uhr. Eine funkige Version von B.B. Kings "The Thrill Is Gone" war noch drin und selbst hier hatte Poole seinen großen, individuellen Stempel parat, denn plötzlich servierte er Lounge-jazzige Phrasierungen. Nach der hingebungsvollen Ballade "I Don't Wanna Do This Anymore" war schließlich nicht wirklich Schluss, denn Rita, die Café De Komm-Besitzerin gab ihr Zeichen für einen weiteren Song. Das Bottleneck hatte der Protagonist noch nicht eingesetzt, aber für "Who's That Coming/Me And The Devil Blues" war es bereit und Poole wechselte die Gitarre. Groove, Slide, bester Gesang, Basssolo ... alle Augen nach vorne, Bühne frei ... Taylor trommelt sein super Solo. Gary sowie Ben waren verschwunden. Plötzlich wieder die Slide-Gitarre, aber wo war Poole? Alle Blicke nach hinten. Dort stand er auf einem flink frei geräumten Teil der Theke und für den Gesang hielt ihm sein Soundmann ein Megafon vor den Mund.
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Blues Rock-Herz, was willst du mehr? Dieser Engländer hatte die Show im Kasten und, viel wichtiger, musikalisch voll überzeugen. Alle Zuschauer werden den Mann wieder sehen wollen, da bin ich mir sicher. Da hatten die Leute vom BluesMoose Radio wieder einmal den richtigen Riecher. Ben Poole hat den Blues und einige andere Künstler, nicht nur von der britischen Insel, haben echte Konkurrenz bekommen.
Line-up:
Ben Poole (guitar, vocals)
Barry Pearson (bass)
Alan Taylor (drums)
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