
So langsam werdet ihr glauben, dass ich der Haus- und Hof-Schreiber von Ohrenfeindt bin, da ich nun schon das dritte Live-Review innerhalb eines Jahres über die Reeperbahn-Rocker schreibe.
Aber was soll ich tun? Die Band hat es mir angetan und ich muss doch dem Rockvolk die frohe Botschaft überbringen, dass es hier eine geniale deutsche Rockband gibt, die sich wirklich 'den Arsch' abspielt. Fast jedes Wochenende ist Ohrenfeindt in den deutschsprachigen Landen unterwegs. Klar, dass sich dabei unsere Wege immer wieder kreuzen. Jedes Mal, wenn sie sich meiner Homezone nähern, schrillt der ' Ohrenfeindt-Alarm' und ich muss ausrücken.

Das erste Mal sah ich Chris Laut, Dennis Henning und Flash Ostrock am 09. März 2012 im Musiktheather Rex in Lorsch. Dann am 15.November 2012 im Colos Saal in Aschaffenburg und nun erneut im Musiktheater Rex. Aber dieses Mal nicht in Lorsch, sondern in Bensheim. Da sich die Anwohner in Lorsch immer wieder wegen der Lautstärke beschwerten, zog das Team von Lorsch nach Bensheim um. Dort angekommen, habe ich mich dann doch gewundert, dass man schon wieder eine Location mitten in der Stadt gewählt hat. Ob man hier nicht wieder die gleichen Probleme mit den Anwohnern bekommt?
Egal, rein in den Laden und schon kommt mir Chris Laut (Bassist, Sänger, Mundharmonikaspieler und Mastermind) entgegen. »Wir müssen heute wohl etwas leiser spielen, da sich Anwohner beschwert haben«, war sein erster Kommentar. Na toll. Hab ich es mir doch gedacht. Aber gleich darauf hat er mit gesagt, dass der Laden demnächst noch besser isoliert wird und es dann deutlich besser wird.
Etwas enttäuscht war ich schon, da Ohrenfeindt normalerweise ordentlich Gas geben und eine gewisse Lautstärke dazugehört. Dann bleiben die Ohrenstöpsel eben in der Tasche. Meine Ohren werden es mir danken.

Da es keine Vorband gibt, schauen wir uns kurz im neuen Musiktheater Rex um. Es riecht noch ganz frisch und wir erfahren, dass es erst der elfte Auftritt im neuen Rex ist. Laut Homepage passen 250 Gäste rein. Ein kleiner, aber sehr schöner Laden mit großer Theke und schöner Bühne. Hier kommt automatisch die Band mit dem Publikum in Kontakt.
Punkt 20:30 Uhr ging es dann los.
Wollen die mich verarschen? Wer hat hier was von »etwas leiser spielen« geschwafelt? Ohrenfeindt lassen es gleich zu Beginn krachen. "'N Job in der Bank", "Zu jung, zu schnell", "Rock'n'Roll Mädchen" und "Mit Vollgas und Blaulicht" krachen am Stück durch die Boxen. Von wegen 'leise spielen'!

Der Sound ist klasse. Es ist laut, aber nicht zu laut. Die Les Paul von Dennis klingt messerscharf wie immer und die Ludwig Bassdrum von Flash sorgt in der Magengegend für angenehmen Druck. Chris spielt seinen Gibson Bass, singt, spielt Mundharmonika und animiert das Publikum. Hier steht eine Top eingespielte Band, die ihr Handwerk versteht.
An dieser Stelle ein ausdrückliches Kompliment an den Mischer von Ohrenfeindt, der bei allen drei Auftritten, die ich bisher gesehen habe, einen absolut tollen Sound gezaubert hat. Das muss man echt mal erwähnen. Es gibt im Umfeld einer Band immer Menschen, die im Hintergrund tolle Arbeit abliefern. Sei es Sound, Licht, Merchandise oder sonstige Tätigkeiten. Das wird leider zu oft vergessen. Daher will ich dies hier ausdrücklich honorieren. Danke an das komplette Ohrenfeindt-Team!

Doch weiter zum Set. Ohrenfeindt heizen richtig ein und die Leute gehen ab. Klar, bei Liedern wie "Ein allerletztes Mal", "Motormädchen" und "Spiel mit dem Feuer" muss man ja mitrocken. Nach "Kalter Kaffee" und "Kann ich Dich nach Hause fahrn" kommt "Valerie", das sich mittlerweile zu einem meiner Lieblingslieder entwickelt hat. Beim letzten Mal hat mir Chris im Interview erzählt, dass er viele Jahre an diesem Lied gefeilt hat. Ich muss sagen, es hat sich gelohnt. Der nachdenkliche Text und die Musik passen hervorragend zueinander.

Mittlerweile ist eine Stunde vorbei und das T-Shirt klebt an meinem Körper. Rund um mich herum gut gelaunte, verschwitzte Rockfans und nur zufriedene Gesichter. Ein Blick zurück zeigt auch dort ein mitgehendes Publikum. Ohrenfeindt hat es wieder geschafft, die Menschen zu berühren. Alt und jung feiern eine gemeinsame Rock'n'Roll-Party.
Aber wir sind erst in der Hälfte des Sets. Es folgen "Was der Doktor mir verschrieben hat", "Schwarz auf weiss", der Titelsong des letzten Albums, und dann der Klassiker "Sie hat ihr Herz an St. Pauli verloren". Puh, kaum Zeit zum Durchatmen. Die nächsten fünf Lieder ("Alles auf Rot", "Energie", "Es wird Tag auf St. Pauli", "Parasit" und "Zum Rocken geboren") folgen wieder Schlag auf Schlag. Es ist einfach der Hammer, wie sich die Spielfreude von Ohrenfeindt auf das Publikum überträgt. Die Setlist wurde gegenüber dem Aschaffenburg-Auftritt nicht verändert. Muss man auch nicht. Sie ist sehr abwechslungsreich und zeigt die ganze Bandbreite von Ohrenfeindt. Unter der Überschrift Rock'n'Roll versammeln die Jungs langsame, schnelle und richtig stampfende Stücke, sodass dem Zuhörer nie langweilig wird.

Nach einer kleinen Pause folgen dann noch die Zugaben. Los geht's mit "Rock'n'Roll Sexgott". Dann "Harley-Luja" und natürlich zum Abschluss "Ohrenfeindt". Ruck-Zuck waren zwei Stunden vorbei. Wie die Zeit doch verfliegt. Ich hätte noch stundenlang zuhören können.
Es ist immer wieder schön, Ohrenfeindt live zu erleben. Ich bin echt gespannt, wann die Jungs ihre neue Scheibe auf den Markt bringen. Hoffentlich noch in diesem Jahr. Es wird mir eine Ehre sein, diese Band auf ihrem weiteren Weg zu begleiten. Für alle, die Ohrenfeindt noch nicht live erlebt haben, empfehle ich einen Besuch.
Ohrenfeindt ist immer wieder in Deutschland unterwegs. Auch bei euch schauen sie bestimmt einmal in der Nähe vorbei. Geht hin und rockt !
Setlist:
01:'N Job in der Bank
02:Zu jung, zu schnell
03:Rock'n'Roll Mädchen
04:Mit Vollgas und Blaulicht
05:Ein allerletztes Mal
06:Motormädchen
07:Spiel mit dem Feuer
08:Kalter Kaffee
09:Kann ich dich nach Hause fahrn
10:Valerie
11:Was der Doktor mir verschrieben hat
12:Schwarz auf Weiß
13:Sie hat ihr Herz an St. Pauli verloren
14:Alles auf Rot
15:Energie
16:Es wird Tag auf St. Pauli
17:Parasit incl. Harp Solo
18:Zum Rocken geboren
Zugabe:
19:Rock'n'Roll Sexgott
20:Harley-Luja
21:Ohrenfeindt
Line-up:
Chris Laut (Bass, Gesang, Mundharmonika)
Dennis Henning (Gitarre)
Flash Ostrock (Schlagzeug)
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