Dieser Silberling treibt mir die Tränen der Verzweiflung in die Augen! Und das bestimmt nicht wegen der vokalistischen Fähigkeiten des Sängers oder der Musikalität der Begleitband. Nein, der einzige Grund für meine Depression ist die Tatsache, dass Paul Rodgers in der letzten Zeit immer häufiger den Ersatz- Mercury bei der weltweiten Queen-Abzocke mimt und damit seine eigenen Gigs sehr rar geworden sind.
Das hat dieser geniale Shouter eigentlich gar nicht nötig, denn seine Arbeiten mit Bands wie Free, Bad Company, The Firm und Law, sowie unter seinem eigenen Namen gehören zweifellos zu den unsterblichen Relikten aus fast vierzig Jahren Rockmusik.
Aber genau darin liegt auch das 'Problem' dieses Konzertmitschnittes, das am 13. Oktober 2006 im Glasgower Clyde Auditorium aufgezeichnet wurde. Es ist bereits die vierte Live-Scheibe, die in den letzten zehn Jahren veröffentlicht wurde, und logischerweise bestehen alle CDs, mangels neuem Songmaterials, weitestgehend aus den gleichen Titeln.
Mir als ausgewachsenem Rodgers-Fan bringen die verschiedenen Versionen der alten Klassiker immer noch eine Menge Spaß, zeigen sie doch auch, wie sich die Titel im Laufe der Zeit immer weiter entwickelt haben. Diese Tatsache wird hier besonders in der Fassung von "Be My Friend" deutlich, die mit wunderschönen Double Lead-Gitarren gespickt ist.
Ich wage aber zu bezweifeln, dass sich die Anhäufungen von Songs wie "All Right Now", "The Stealer", "The Hunter" und "Wishing Well" positiv auf die Kaufbereitschaft der breiten Masse niederschlagen wird. Manchmal ist Weniger aber Mehr, außer für Leute wie mich, die einfach nicht genug von Paul Rodgers bekommen können.
Wie schon erwähnt besteht die Songauswahl zum größten Teil aus Titeln, die der Sänger mit Free eingespielt hat, gefolgt von Aufnahmen mit Bad Company, wobei natürlich der Titelsong des ersten Albums nach wie vor ein Highlight ist. In keinem anderen Stück klingt die Stimme von Rodgers dermaßen intensiv wie hier. Dieser Song ist von jeher einer meiner ganz persönlichen Favoriten der klassischen Rockmusik.
Aus späteren Zeiten seiner musikalischen Karriere sind u. a. "Radioactive" (The Firm), sowie der "Louisiana Blues" auf dieser CD enthalten. Zudem gibt es mit "I Just Want To See You Smile" und "Warboys" zwei neue bzw. neu arrangierte Songs zu hören. Und auch die in gewohnt guter Qualität. Wo Rodgers drauf steht ist eben auch Rodgers drin!
Ebenfalls ohne Tadel sind die Begleitmusiker auf dieser Tour, von denen mir vor allen Dingen der Ex- Heart-Gitarrist Howard Leese gut gefällt. Er reiht sich anstandslos in die Reihe seiner Vorgänger Paul Kossoff, Mick Ralphs und Geoff Whitehorn ein, die über die Jahre mit Rodgers zusammen arbeiteten. Allerdings fehlt ihm etwas das Ursprüngliche und Spontane, sowie die Rauheit eines Koss. Dazu klingt er etwas zu glatt geschliffen.
Die Rhythmusgruppe erzeugt ohne Schwierigkeiten den benötigten Drive, doch auch hier fehlt die letzte Genialität des Duos Kirke/Fraser. Aber Musiker dieses Kalibers wachsen ja auch nicht auf Bäumen nach.
Diese Live-CD ist wieder ein schönes Stück sehr guter Musik, doch so langsam ist es an der Zeit für ein paar neue Songs dieses genialen Shouters. Wenn möglich für ein ganzes Album, und das dann aber bitte nicht unter dem Namen Queen, denn das ist verlorene Zeit!
Wie das Konzert auch optisch abgelaufen ist, das könnt Ihr in dem wie immer sehr sachkundigen Review meines geschätzten fränkischen Kollegen Norbert nachlesen, der sich mit der gleichnamigen DVD auseinander
gesetzt hat.
Line-up:
Paul Rodgers (vocals, guitar, piano)
Howard Leese (guitar, vocals)
Lynn Sörensen (bass, vocals)
Ryan Hoyle (drums)
Kurtis Dengler (guitar)
| Tracklist |
01:I'll Be Creepin'
02:The Stealer
03:Ride On A Pony
04:Radioactive
05:Be my Friend
06:Warboys (A Prayer For Peace)
07:Feel Like Making Love
08:Bad Company
09:I Just Want To See You Smile
10:Louisiana Blues
11:Fire And Water
12:Wishing Well
13:All Right Now
14:I'm A Mover
15:The Hunter
16:Can't Get Enough
17:Seagull
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Externe Links:
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