Paul Rodgers / Live In Glasgow
Live In Glasgow Spielzeit: 127:00
Medium: DVD
Technik Dolby, PAL, Surround Sound 5:1;Bild:16:9
Ländercode 0, Freigegeben ohne Altersbeschränkung, Sprache: englisch
Label: Eagle Vision, 2007
Stil: Rock

Review vom 01.08.2007


Norbert Neugebauer
»Paul Rodgers' passion is writing and performing music. He continues to record and tour Internationally, although this year on a limited basis. For a man who prefers to keep a low profile he has left his indelible mark on music...
Platinum selling Singer, Songwriter & Self-taught Multi-instrumentalist
Written, Recorded, Produced and Released 28 albums since 1968
Sold over 90 million records
Formed and Led 3 bands to worldwide success: Free, Bad Company, & The Firm
Grammy Nominated Solo Career
Has Recorded/Performed with Jimmy Page, Jeff Beck, Brian May, David Gilmour, Buddy Guy, Joe Walsh, Nils Lofgren, Charlie Watts, Bryan Adams, Motown's Sam Moore & The Four Tops and others. «
So, nach dem (Original-)Auszug von Pauls Homepage noch irgendwelche Fragen? Wieso nur Brian May namentlich aufgeführt ist und z.B. Roger Taylor fehlt? Keine Ahnung, so familiär sind wir von RockTimes dann auch nicht mit Herrn Rodgers!
Nach fast vierzigjähriger Karriere ist es erst die zweite Live-Solo-Veröffentlichung auf CD und die erste auf DVD überhaupt. Und das von einem Sänger, der zumindest in England seit jeher als einer der besten im Rocksektor gilt. Seltsam?
Paul Rodgers' Problem könnte sein, dass er vor allem für die Rockfans der ersten Generation noch immer der Sänger von Free, der legendären Blues Rock-Formation, ist. Was danach kam, selbst Bad Co., war für sie nur ein Aufguss. Und an seiner Liaison mit Queen scheiden sich eh die Geister. Als Solo-Künstler ist er trotz diverser guter Alben nicht nachhaltig in Erscheinung getreten.
Also war es an der Zeit, der Rockwelt mal wieder zu zeigen, dass eine ihrer größten Stimmen noch immer "All Right Now" ist und das auch multimedial festzuhalten. Den audiovisuellen Part zu reflektieren, übernimmt mit dem eingangs genannten Rezensenten ein Vertreter der älteren Redaktionsgarde. Der CD mit den gleichen Tracks wird sich ein jüngerer Kollege annehmen, was möglicherweise einen interessanten Vergleich ergibt.
Vom 1. - 13. Oktober 2006 tourte Rodgers mit seiner Band durch das U.K., die Aufnahmemaschinen liefen dann beim Finale in Glasgow im Clyde Auditorium. Neun der 17 Songs stammen aus der Free-Ära, was wohl die vorherige Vermutung untermauert und dass sich der Protagonist dessen durchaus bewusst ist. Die Bad Company-Episode ist mit vier Titeln angemessen vertreten, einmal The Firm, zwei ältere und eine neue Solo-Nummer präsentiert uns diese Veröffentlichung (die damit natürlich auch die Hits enthält, mit denen Rodgers seine Fans u.a. viermal in den letzten 10 Jahren auf diversen Live-Produktionen mit seinen unterschiedlichen Formationen unterhalten hat).
Nun, was kann Rodgers 2006/2007 auf der Bühne leisten? Die ersten Tracks mögen den Eindruck erwecken, dass da ein alternder Rockstar sein bekanntes Repertoire recht routiniert abspult. Eine professionelle Begleitband unterstützt den Sänger bestens, der zwar körperlich für einen 57-Jährigen blendend in Form ist, allerdings stimmlich schon über dem Zenit zu sein scheint. Schade, denn gerade die Songs waren live lange nicht mehr zu hören. Bei "Ride A Pony" kommt langsam Fahrt auf und mit "Radioactive" schalten Rodgers & Co. den Power-Boost zu. Ab da wird es ein mitreißendes Konzert. Das Repertoire stimmt, die sehr puristische Show entspricht dem straigthen Image des Rockers und das Publikum geht voll mit. Keine Bühnen-Deko, meist nur blaues und weißes Licht, die Effekte sehr sparsam eingesetzt.
Das ist ehrliche, gut präsentierte Rock-Kost mit einem Sänger der Extra-Klasse, der in seinem Metier, dem britischen Blues Rock, heute unerreicht ist. Joe Cocker, der ihm früher öfters den Spitzenplatz in den jährlichen Melody Maker-Polls, wegschnappte, kann ihm mittlerweile nur noch hinterherkrächzen und adäquater Nachwuchs ist eh nicht in Sicht.
Klar, bei einem Solo-Projekt haben die Mitmusiker nur ergänzende Rollen zu spielen. Aber zumindest Basser Lynn Sorenesen zeigt, wieviel Spaß er hat und post auch kräftig (wobei er jedoch immer ausgeblendet wird). Zusammen mit Drummer Ryan Hoyle macht er ordentlich Dampf. Ex-Heart-Gitarrist Howard Leese ist jedoch die Schlaftablette in Person und der blutjunge Kurtis Dengler (17 Jahre!) traut sich noch nicht recht. Bei "Be My Friend" glänzen allerdings beide mit einem schönen Twin-Lead-Solo zu Rodgers' grandioser Stimme. Aber ansonsten: Koss where are you?!
Egal ob seine Soli 1:1 nachgespielt oder was Eigenes draus gemacht wird, sein einzigartiger Heavy-Blues-Ton, die berühmten Granitblöcke, fehlen halt hinten und vorn. Der einzige neue Song "War Boys" ist ein satter Rocker, das nachfolgende "Feel Like Makin' Love" glänzt mit schönem Mehrstimmen-Satz. Die bekannten Hits kommen druckvoll, das passt alles. Und mit "Seagull" (solo) als Zugabe demonstriert Rodgers noch einmal, wie gefühlvoll er selbst am Ende eines solchen Sets noch intonieren kann. Allerdings wird auch klar, was er nicht ist: Ein echter Bluessänger. Von wegen, dass da Muddy Waters bei dieser wenig inspirierten Hard Rock-Version seines Louisiana Blues' von »somewhere above« zustimmend lächelt. Den Saft würde er ihm abdrehen, da bin ich mir sicher!
Als Bonus gibt's die üblichen Interviews und eine Solo-Aufnahme von Steven Rodgers, der seinem Vater nicht nur im Gesicht sehr ähnelt. Da könnte Einer in die Fußstapfen passen! Das Booklet zeigt die unterschiedlichen Stationen der Tour mit verschiedenen Gästen und Kommentaren, die arg nach Selbstbeweihräucherung riechen. Gemessen an der Zumutung, die den Rockfan oft bei solchen Live-Mitschnitten erwartet, ist die Bildführung annehmbar, wobei jedoch jeglicher Soloauftritt der Instrumentalisten nur sekundenlang am Stück zu sehen ist. Ob Regievorgabe des Auftraggebers oder Beschränktheit der Zuständigen, mag dabei keine große Rolle spielen. Insgesamt jedoch eine sehr ordentliche Produktion, Bild- und Soundqualität lassen keine Wünsche offen.
Paul Rodgers ist nach wie vor der beste Blues Rock-Sänger und das demonstriert er mit "Live in Glasgow" nachhaltig!
Tracklist
01:I'll Be Creepin'
02:The Stealer
03:Ride A Pony
04:Radioactive
05:Be My Friend
06:Warboys (A Prayer For Peace)
07:Feel Like Makin' Love
08:Bad Company
09:I Just Want To See You Smile
10:Louisiana Blues
11:Fire And Water
12:Wishing Well
13:All Right Now
14:I'm A Mover
15:The Hunter
16:Can't Get Enough
17:Seagull
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