|
Es kommt sicher nicht oft vor, dass der gemeine Rockfan aus dem Frankenwald in der 210 km entfernten Sachsenmetropole Dresden ein Konzert besucht. Und das einer Band, deren Bekanntheitsgrad in Deutschland nicht eben groß ist, zu dessen Steigerung der gute RockTimes-Wille allein nicht ausreicht und der dabei fast sogar noch ein Desaster erlebt hat.
Im Vorfeld hatte die Redaktion die am 17.11.2006 erschienene neue CD "On My Way To See You" frühzeitig geordert, um sie für die anstehende PR-Tour durch Deutschland vorstellen zu können. Leider hat es das deutsche Label bis zum Verfassen dieses Berichts nicht geschafft, ein Besprechungsexemplar zuzuschicken.
 Dass am Schauspielhaus in Dresden, gegenüber dem weltberühmten Zwinger, kein Plakat hing, hat zwar den frühzeitig anwesenden RT-Redakteur verwundert, der aber vor nachmittags verschlossenen Toren immerhin einen Flyer mit der Ankündigung fand. Als am Abend jedoch sämtliche Kassen unbesetzt und die Garderobenhalle dunkel war, blieb nur der Fußweg drei Stockwerke hoch ins Restaurant. Dort stieß der leicht Transpirierende auf völliges Unverständnis, heute hier ein Rockkonzert besuchen zu wollen.
Die jedoch gezeigte Beharrlichkeit führte dann aber dazu, dass man besagten Flyer herauskramte und verblüfft feststellte, dass es sich um eine Veranstaltung im "Kleinen Haus" handelte. Das sich jedoch nicht auf gleichem Gelände, sondern in der Neustadt, weit jenseits der Elbe, befindet. Der Ortsunkundige schaffte es jedoch 'with a little help from his friends' gerade noch rechtzeitig um 20.00 Uhr die Spielstätte zu erreichen (von der im übrigen in den wenigsten Ankündigungen die Rede war). Leider hatte es aber auch offensichtlich ein Verständigungsproblem zwischen dem Tourveranstalter und dem örtlichen Ausrichtungsbüro gegeben, von einer bestätigten RT-Akkreditierung wusste dort niemand etwas. Glücklicherweise war der örtliche Veranstalter Andreas Grosse zugegen und ließ den mittlerweile stark Transpirierenden mit der Frage " RockTimes - was ist denn das?" schnell noch auf die Gästeliste setzen.
 Das "Kleine Haus" ist eine 2005 komplett und aufwändig rekonstruierte Bühne mit festen Sitzrängen und einer Beleuchtungs- und Beschallungstechnik, die keine Wünsche übrig lässt. Pünktlich um 20:00 Uhr begrüßte der Veranstalter die rund hundert Zuschauer und wunderte sich über den doch 'engen Kreis'. Was allerdings nicht nur mit mangelndem Bekanntheitsgrad, sondern der wohl im ganzen Striezelmarkt-, Christstollen-, Frauenkirchen- und Grünem Gewölbe-Trubel untergegangenen Werbung geschuldet sein mochte. Dann betraten die fünf Austin-Recken die Bühne, auf der neben Stühlen, den Instrumenten, den Monitoren, einer Bass- und einer weiteren kleinen Lautsprechercombo für die Lap Steel nichts stand. Die einzige Deko war die Hintergrundbeleuchtung wahlweise in blau, rot oder magenta. Die »beste Barband der Welt« fühlte sich zunächst auch nicht sonderlich wohl dort und tastete sich erst in den ansonsten dunklen Raum und zu den Zuschauern vor.
 Was die fünf gestandenen Herren in den nächsten zwei Stunden im Sitzen boten, war gepflegter Acoustic Roots Rock und Singer/Songwriter-Performance mit Begleitung, sehr "laid back". Die vier Saiteninstrumentalisten wechselten sich auch im Leadgesang ab und ergänzten sich, zusammen mit Drummer John Chipman, im Chorgesang. Der durfte beim Chuck Berry-Klassiker "Too Much Monkey Business" auch mal den Shouter geben, unterfütterte hauptsächlich mit seinen Jazzbesen (auch bloßen Händen) ansonsten eher, als dass er den Rhythmus groß prägte. Rechts außen wechselte Stephen Bruton häufig von seinen beiden semiakustischen Gitarren zur Mandoline. Neben ihm Scrappy Jud Newcomb an der Western-Gitarre und weiter dann Bruce Hughes am E-Bass. Er erinnerte mit seinen Locken etwas an Art Garfunkel, stimmlich jedoch des öfteren an Paul Simon. Ganz links hatte Jon Dee Graham mit seiner Lap Steel Platz genommen, griff aber auch öfters zur Akustischen.
 Wohl wegen seines ausgeleierten Rollkragenpullovers und seiner abgewetzten Schuhe wurde er von den jüngeren Kollegen des öfteren mit »Sailor« angeredet. Überhaupt flachsten die Herren reichlich miteinander, wohl auch, um die Atmosphäre etwas aufzulockern. Was die allerdings in ihrem breiten Texas-Slang da von sich gaben, verstand der inzwischen nicht mehr Transpirierende jedoch nur sehr auszugsweise. Immerhin war herauszuhören, dass sie sich ihres Auftrittsorts in »Saxonia« bewusst waren. (Vielleicht auch deshalb, weil sie sonst regelmäßig in einem Club in Austin spielen, der Saxon Pub heißt...)
 Wie gesagt, das Ganze war sehr relaxed, fast schon Westcoast-mäßig-lässig. Schöne Songs, kräftige Stimmen, eine bestens eingespielte Truppe, die da miteinander die Stücke der verschiedenen Bandautoren spielte und offensichtlich sehr gut drauf war. Auch die wechselseitigen Soli waren ansprechend. Allerdings hätte sich der Tief-Enspannte schon mal dazwischen ein paar kräftigere Töne an diesem Sonntag Abend zur neuerlichen Transpirations-Ankurbelung gewünscht. Die kamen eigentlich nur, wenn Jon Dee Graham (mit seinem Album Full Anwärter auf das Album des Jahres und Hauptanziehungsgrund für den fränkischen Auslandsreisenden) in den Mittelpunkt rückte. Nicht nur seine knarzige Stimme unterschied sich wohltuend von der Schönsingerei der Kollegen. Auch seine Geschichten waren markanter und anspruchsvoller. Mit der Lap Steel sorgte er für die wenigen rockigen Momente und legte dann schon mal kräftiger los. Ansonsten begeisterten The Resentments mit gefälligen Harmonien und feinen Arrangements.
 Etwas Bewegung kam höchstens auf die Bühne, wenn Bruce Hughes für seine Songs den Bass mit der Klampfe einer seiner Mitspieler vertauschte. Natürlich stellte die Band auch einige Songs des neuen Albums vor, darunter das feucht-fröhliche "I Do My Drinking On The Weekends", "Demolition Girl", "State of Distraction", "Each New Day" und "Jesse Taylor".
Das Publikum hatte wohl auch so seine Probleme mit der für ein Rockkonzert eher ungewohnt-steifen Location, war jedoch von Beginn an auf gleicher Wellenlänge mit der Band und erklatschte sich drei Zugaben. Da jammte die Band sogar R'n'R-mäßig und gab noch anschließend Autogramme im Foyer.
Bilder vom Konzert
|