Wie ist das, wenn man eine Band zuerst live erlebt und sich dann ihre CD anhört?
Die Erinnerungen an das Konzert sind genau so frisch wie es das Album "Ships Of Wonder" von den blutjungen The Rhythm Chiefs aus Dordrecht, im Süden der Niederlande gelegen, ist.
Vielseitig ist ihr Blues und überraschend hört man die Jungs nicht nur an den Instrumenten, die sie auf der Bühne spielen. So bedient der Bassist Danny van 't Hoff einmal die Rhythmus-Gitarre, Drummer Rafael Schwiddessen ist an der Hammond-Orgel zu hören und Dusty Cigaar setzt neben seiner elektrischen Gitarre auch die Akustische, Pedal Steel und zweimal einen Bass ein.
Einige Gäste aus den Niederlanden wirken auch mit: Mischa den Haring (rhythm guitar), Gerard Silvester (percussion), ebenfalls auf der T-99-Platte Vagabonds dabei, Leander Nijland, noch ein ganz junger Gitarrist, der hier allerdings die Harp spielt und Tastenmann Roel Spanijers, der mit Birdwatcher seine eigene Band hat.
Cigaar ist nicht nur ein toller Gitarrist, er hat auch fast alle Songs für dieses Album geschrieben und schon wieder gebührt dem Jugendlichen Respekt. Was der sich einfallen lässt, hat Klasse, ist nicht unbedingt beliebig austauschbar und man spürt in jeder Rille, dass ihm eine gehörige Portion Talent in die Wiege gelegt wurde. Dieses Talent gilt es behutsam weiterzuentwickeln und so, wie man ihn beim Gig gesehen hat, wird ihm die große Anerkennung nicht zu Kopf steigen. Das sollte auch so bleiben.
Es geht allerdings nicht nur um ihn. Sowohl Danny van 't Hoff, als auch Rafael Schwiddessen sind große musikalische Kaliber.
Betont werden muss nochmals, dass der Dreier bereits seit 2003 gemeinsame Wege geht und bei der großen Anzahl von Gigs auch von Erfahrung sprechen kann. Wie die Rhythm Chiefs ein Publikum begeistern können, wissen sie ganz genau.
Aus der vorliegenden Konserve heraus funktioniert das ebenfalls hervorragend. Die 54 Minuten sind höchst unterhaltend und wüsste man nicht, dass hier Younster am Werk sind… die Produktion klingt so erwachsen.
Obendrein haben die Rhythm Chiefs ihr "Ships Of Wonder" von Richard Dodd in Nashville mastern lassen. Rundum hat die CD einen tollen Klang.
Der Dreier ist, wie es das Konzert bereits zeigte, in mehreren Verästelungen des 12-Takters unterwegs. Sie lassen es, wenn auch etwas verhalten rocken und können danach herrlich in den Fünfzigern bluesen. Wechselt Cigaar zur Pedal Steel, ist ein Ausflug in Country-getränktes angesagt und mit dem kurzen "Tribute To Jimmy B." zeigt der Gitarrist, welch ein Flinkefinger er ist.
Es shuffelt und groovt an allen Ecken und Kanten. Auch die Lead Vocals des Bassisten im twangigen "Chiefs" oder vom Drummer ("Gone Ridin'") sind keinen Deut schwächer als die des Frontmannes. Danny van 't Hoff sowie Rafael Schiddessen könnten ruhig öfter das Gesangsmikrofon übernehmen.
Das Album hält auch mehreren Durchläufen locker Stand und wenn die CD eher da ist, als ein Auftritt, macht der Silberling richtig Appetit auf einen Gig der Rhythm Chiefs. Der Termin-Kalender für 2008 ist sehr gut gefüllt und das wird auch für das kommende Jahr wohl nicht anders sein. Momentan ist die Band nur in ihrer Heimat unterwegs, allerdings dürfte ein Sprung über die Grenze nach Deutschland ja wohl kein größeres Problem sein.
Highlights der in einem feinen Digi-Pack, ohne Booklet daher kommenden CD sind der Titelsong, der Opener "High Water" sowie das abschließende "Chiefs" und dieses Album kann jedem ans Herz gelegt werden, der den Blues nicht so sehr puristisch sieht, denn das Trio bietet viel Qualität und deren Spaß am Blues spürt man.
Songs, zum Teil nicht auf "Ships Of Wonder" enthalten, sollte man sich auf ihrer Homepage in einem Video von ihrem Auftritt im Amsterdamer Paradiso anschauen. Klasse, das instrumentale "West Side Strut" und andere Tracks.
Line-up:
Dusty Cigaar (electric guitar, lead vocals, pedal steel - #12, acoustic guitar - #3, 12, dano bass - #6, 12)
Danny van 't Hoff (bass, lead vocals - #14, rhythm guitar - #13, backing vocals)
Rafael Schwiddessen (drums, lead vocals - #2, Hammond organ - #8, backing vocals)
Guest Appearances:
Mischa den Haring (rhythm guitar - #3)
Gerard Silvester (percussion - #2, 8)
Leander Nijland (harp - #9)
Roel Spanijers (Hammond organ - #1)
| Tracklist |
01:High Water (3:37)
02:Gone Ridin' (4:19)
03:Tell Me (3:55)
04:Ships Of Wonder (5:48)
05:Five More Miles (3:55)
06:Break That Bottle (3:07)
07:Tribute To Jimmy B. (1:52)
08:The Buzz (4:56)
09:Please Don't Love Me (3:08)
10:It Wasn't Me (3:16)
11:What's Your Color? (3:16)
12:Here Comes The Rain Again (2:51)
13:Looky There (3:15)
14:Chiefs (5:57)
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