Saitenfeuer / Kein Zurück
Kein Zurück Spielzeit: 46:00
Medium: CD
Label: Better Than Hell Records/Edel, 2013
Stil: Deutschrock

Review vom 24.10.2013


Sabine Feickert
Wer nicht schon 2012 Auf und davon ist, für den gibt es jetzt wohl "Kein zurück". Da mein geschätzter Kollege Moritz das Vorgängeralbum besprochen hat, fehlt mir der umfassende direkte Vergleich der beiden Scheiben, allerdings blieb ich an den von ihm genannten Referenzen wie frei.wild, Kärbholz und Kneipenterroristen ein wenig hängen.
Meine erste Wahl wären diese Bands nach dem ersten Hören des zweiten Albums der Leipziger nicht unbedingt gewesen. Unterscheiden sich da unsere Höreindrücke so sehr, oder sind es die Alben untereinander? Zum Glück ist das Web groß und fast allwissend und so finden sich dann schnell ein paar Hörbeispiele des Vorgängers.
Ob es nur der Line-up-Wechsel an der Gitarre war? 'Eichi' wurde nach fünf Jahren von Roberto 'Norbi' Weise abgelöst. Oder eine generelle, wenn auch kleine, so dennoch nicht unwesentliche Kurskorrektur? Der typische Deutschrock-Sound ist in den Hintergrund getreten; man hat sich möglicherweise sogar die alten Hosen- und Ärzte-Platten nochmal intensiv angehört. Und lässt die von Moritz schon hervorgehobene »erstaunlich sanfte, dunkle Stimme des Sängers Carsten« natürlicher, authentischer zur Geltung kommen.
Der Opener "Bis ins Herz" hat noch eine leichte Deutschrock-Attitüde und im ersten Moment zucke ich bei der Textstelle »wir brauchen Waffen« zusammen, kann aber gleich wieder erleichtert aufatmen, es kommen keine platten Lynchjustiz-Stammtischparolen hinterher... eher eine sehr bildhafte Abhandlung über menschliche Grundbedürfnisse und -eigenschaften.
"Weder Schein noch Sein" gibt sich gesellschaftskritisch, während "Lass uns endlich wieder" mehr die Hymne für den alten Kumpel ist, mit dem man doch zu gern mal wieder »um die Häuser zieh'n« würde. Hm, täusche ich mich, oder stehen diese Häuser in der Nähe von "Westerland"? Und noch eine Assoziation schließt sich bei mir direkt daran an: "Komm mit mir" lässt mich kurz an den "König von Deutschland" denken, weniger von der Melodie her, als vielmehr textlich, die Aufzählungen all dessen, was Saitenfeuer gern machen würden.
Nachdem sie im Herbst 2011 als Support für Betontod und 2012 mit Kärbholz und 9mm getourt sind, sind sie in 2013 als Headliner nach Boykott und Fahrlässig unterwegs.
Härterer bis harter Rock mit Punkanleihen bleibt die Grundrichtung, das Ganze klingt aber in sich rund, eher klar und überwiegend melodiös.
Party wird hier schon noch ganz kräftig gemacht, die Chancen, dass am Tag danach aber nur noch die Reinigungskolonne und nicht mehr der Abrisstrupp antreten muss, stehen nicht schlecht. Denn auch sanftere Töne finden ihren Platz, wie beispielsweise bei "Immer wieder", das das Album sanft ausklingen lässt.
Line-up:
Carsten Thiecke (vocals)
Roberto 'Norbi' Weise (guitar)
Benny Mertens (guitar)
Robert Kunze (bass, backing vocals)
Johannes 'Joe' Kreissig (drums)
Tracklist
01:Bis ins Herz
02:Weder Schein noch Sein
03:Begierde
04:Flussaufwärts
05:Lass uns endlich wieder
06:Komm mit mir
07:Ein letzter Kuss
08:Gesagt, getan
09:Spring ab!
10:Das ist der Moment
11:Dein Rausch
12:Wir reisen durch's Land
13:Immer wieder
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