Shanytown / Same
Same Spielzeit: 39:59
Medium: CD
Label: Garage Door Records, 2012
Stil: Southern Rock

Review vom 04.01.2013


Steve Braun
Wie der Weinjahrgang 2012 wird, darüber kann man derzeit nur spekulieren... für Deutschland scheint's ein Topjahrgang zu werden. Sicher ist dagegen, dass 2012 großartige Gewächse des Southern Rocks zeitigte. Von den alten Hasen gab es Akzeptables bis Hochwertiges - die junge Garde setzte bereits in den Vorjahren an, um in diesem Jahr nun endgültig vorbeizuziehen. Gewinner waren diesmal eindeutig die Fans dieses altehrwürdigen Genres.
Für einen sehr schönen Abschluss dieses überaus erfreulichen Reigens sorgt eine Newcomer-Band aus... Jacksonville/Florida. Holla, da wird man sofort hellhörig! Die Credits verraten es: »In memory of Joan Van Zant Morris« - die ältere Schwester von Ronnie, Donnie und Johnny also. Und deren beiden Söhne, Ronnie und Robbie Morris, sind die Masterminds von Shanytown. Offensichtlich fließt in den Adern dieser Familie Southern Rock statt Blut.
Seit drei Jahren existiert dieses Quartett nun und hat sich für dieses Debütalbum mit einer Reihe von Gastmusikern verstärkt. Darunter ist auch Duane Johnson als dritter Gitarrist zu finden, der als Co-Autor zahlreicher Stücke aufgeführt wird. Besonders schön sind die Momente, wenn Jonathan DeMaio dezente Keyboardsounds einstreut. Vielleicht sollten Shanytown mal über einen festangestellten Tastendrücker nachdenken - Blackberry Smoke steht das jedenfalls sehr gut.
Beim Erstling ist es erstmal gar nicht so wichtig, ob alles haargenau passt - die Richtung muss stimmen. Und das tut sie... Shanytown bedienen alle Trademarks des Southern Rock: Monster-Riffs, flockige Country-Rocker, kraftvolle Halbballaden - alles da, was das Southern-Herz begehrt. Und vor allem: Hier klingt nix abgekupfert, sondern man nimmt den Jungs sofort ab, dass sie den Southern Rock leben. Der eine oder andere Song ist vielleicht etwas zu kurz geraten. Man hat sich gerade so richtig schön eingegroovt... und dann isses schon vorbei. Der Oberhammer des Albums, "Mexico", sei in diesem Zusammenhang exemplarisch genannt: Dieses auf einem Heavy-Riff basierende 'little piece of Dixie' hätte man gut und gerne auf doppelte Spieldauer aufblasen können. So ist man gezwungen, in manischer Zwangshandlung permanent die Repeat-Taste zu drücken.
Die volle Kante gibt es gleich mit dem Opener. "Redneck" ist nicht nur durch die Knaller-Fiddle von Buddy Harrington ein echter Hinhörer - sofort ist man als Hörer mitten im Süden. Gut, um den Text nachvollziehen zu können, muss man als Deutscher mindestens einmal in Dixieland gewesen sein; ansonsten erschließt sich die Aussage sicher nicht jedermann. Mit "Peace Of Mind" folgt der obligatorische Country-Rocker, wobei sich Ronnie Morris und Kevin Williams wunderschön die Textzeilen der Strophen abwechselnd 'um die Ohren hauen'. Kein Wort mehr zu "Mexico" - allein dieses Teil ist jeden Cent des Kaufpreises wert!
Das namensstiftende "Shany Town" kommt knietief in Floridas Sümpfen watend daher - die Gitarrenduelle sind überaus inspiriert, allerdings wären auch hier ein, zwei Minütchen länger schön gewesen. Diesen in die Magengrube zielenden Groove hört man als Southern-Man einfach zu gerne! Mit den beiden bärenstarken Halbballaden "Brother" und "Fishing" sowie dem sich langsam steigernden "One More Night" erreicht Shanytowns Debütalbum seinen Peak. Danach wird es leider etwas uneinheitlich...
Auch eine durchstartende Softail kann den Uptempo-Rocker "Loud Pipes" nicht von leichter Inspirationsabstinenz befreien. Ganz sicher ist hier Kevin Williams', der die Nummer im Alleingang komponiert hat, Gesang etwas 'suboptimal'. Diese Scharte wetzen allerdings die beiden Country-Rocker "Me & Mine" und "Justin's Song" wieder aus, wobei der sich schön steigernde Letztgenannte sicher den Vogel abschießt. Das abschließende "Lost Souls" ist reine Geschmackssache. Mir ist die 'Suppe' leider etwas 'zu dünn' - eine wenig sensibel heulende Slide und etwas Gesang darüber reicht mir persönlich für einen 'vollwertigen' Song kaum aus.
Aber - wie eingangs schon erwähnt - bei einem Debüt muss noch nicht alles passen. Das Potenzial muss ebenso wie die (im Idealfall eigenständige) Richtung erkennbar werden. Und beides besitzt Shanytown ganz 'ohrenscheinlich'. Ein richtig toller Abschluss eines ebensolchen Jahres - man darf die Band gespannt in Augen und Ohren behalten.
Leider kommt die Scheibe in einem einfachen Pappschuber daher, aber solchen mit Herzblut eingespielten Eigenproduktionen fehlt einfach das 'dicke Portemonnaie' einer potenten Plattenfirma. Ich finde es prima, dass man an der Verpackung und nicht am Inhalt gespart hat, denn die Produktion ist fett und satt. Da wird kein Auge trocken bleiben!! Die wichtigsten Infos sind auf der Backside - das passt also schon.
Line-up:
Ronnie Morris (rhythm and lead guitars, lead vocals)
Robbie Morris (drums)
Kevin Williams (rhythm and lead guitars, vocals)
Charles Moody (bass)

Additional Musicians:
Duane Johnson (rhythm and lead guitars, vocals)
Jonathan DeMaio (synth strings, organ)
Steve Reynolds (percussion)
Buddy Harrington (fiddle)
Glenn Halverson (rhythm and lead guitars)
Tracklist
01:Redneck (3:14)
02:Peace Of Mind (3:13)
03:Mexico (3:18)
04:Shany Town (4:36)
05:Brother (4:36)
06:Fishing (3:52)
07:One More Night (4:11)
08:Loud Pipes (3:59)
09:Me & Mine (3:17)
10:Justin's Song (4:11)
11:Lost Souls (3:42)
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