Sinamon / Aviators
Aviators Spielzeit: 13:13
Medium: EP
Label: Eigenproduktion, 2009
Stil: Rock

Review vom 14.05.2010


Joachim 'Joe' Brookes
Das Outfit des Dresdener Quartetts Sinamon macht es deutlich: Die Band ist unter die Flieger gegangen. Übertragen könnte man auch sagen, dass die Gruppe hoch hinaus will. Als Hilfsmittel dienen die drei neuen Tracks auf der EP "Aviators". Nach "Devided" (2005), der nur eine Alternative bietenden EP Swim Or Drown soll die vorliegende Platte ein Appetizer auf das erste Album sein. Also, Jungs, haut rein und lasst eure Fans nicht so lange warten.
Passend zum Coverbild hören wir, wie ein Propellerflugzeug vorbeifliegt. Der schöne Maschinensound wird verfremdet und schon pellt sich die Musik aus dem Cockpit. Es rockt, Mothes' Stimme klingt so sympathisch wie immer, der Bass pumpt mit einem gewollt knarzigen Klang und die Gitarren sind überall. Geschickt spielt man mit Effekten, denn auch die Stimme des Frontmannes wird zeitweise etwas verfremdet. Uwe Gölfert bietet einen klasse Beat dazu an und schon ist man wieder im tollen Klang des ersten Songs gefangen. Höllisch eingängig ist der Refrain. Der hat die Qualität von Haken und die passen genau in die Ösen der Ohren. Jongliert wird auch mit der Atmosphäre, denn neben der Gitarrenhärte expandiert man das Hörvergnügen durch luftige Phasen.
In "Paladin" steckt mehr, als man es für möglich hält.
Sinamon verfeinern den Track mit einer Prise flächigen Keyboardklängen. So klingt es zumindest. Oder waren da Gitarreneffekte am Werk. Ganz gleich, das hört sich klasse an und abermals wartet der Vierer mit einem Schmankerl auf. Nach einem gut gesetzten Break übernimmt Ben Heinrichs Bass das Geschehen und plötzlich wechselt die Stimmung und wird fast beklemmend. Mothes' Gesang klingt, als wäre er eingesperrt worden. Langsam, ganz langsam bauten die Gitarren wieder Dynamik auf und es wird wieder befreit gerockt. Das, was zu Beginn Ähnlichkeit mit Keyboards hatte verändert sich im Laufe der Nummer zu einem Streicherteppich. In einem Blog auf der Sinamon-MySpace-Seite ist zu lesen, dass die Band einen Keyboarder/eine Keyboarderin sucht. Viel Erfolg!
Wow, jetzt geht es aber heftig zu.
Drums, Gitarren und Bass liefern ein Stakkato-Feuerwerk ab. Was mag da noch folgen? Plötzlich löst sich die angedeutete Dramatik in einen mächtigen Groove auf. Klasse arrangiert, Leute! Die Gitarren liefern helle, glasklare Töne und Mothes zeigt, wie gut er seine Stimme modulieren kann. Aus der Tiefe kommend scheint es nach oben keine Begrenzung zu geben. Auch hier hat man Keyboardsounds integriert. Mensch, das kommt richtig gut rüber und ist überzeugend angelegt. Sinamon hat drei neue Songs auf die Reihe gebracht und alle sind richtig gut. Was der EP fehlt, ist eine Ballade. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass sich für das Debütalbum die eine oder andere bereits in den Startlöchern befindet. Dort hocke ich auch, weil die CD schon wieder gestartet wird.
Nach dem Wasser sind es nun die Lüfte, die "Aviators" herbei ruft. Es gibt ja die Lehre der vier Elemente. Da fehlen jetzt nur noch symbolisch das Feuer und die Erde. Die EP ist eine sehr gelungene Angelegenheit und bestens dazu geeignet, die Wartezeit auf das Album zu überbrücken. Viele Menschen mussten ja wegen der isländischen Vulkanwolke irgendwo in Europa warten. "Aviators" hätte man über die Flughafenanlage abspielen sollen...
Line-up:
Mothes (vocals, guitars)
Philipp (guitars)
Heinrich (bass)
Gölfert (drums)
Tracklist
01:Aviators (4:05)
02:Paladin (4:36)
03:Too Frail To Stay (4:30)
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