Bereits im Mai hatte unser geschätzter Kollege Joe Brookes über einen jungen Musiker namens Sean Taylor berichtet. Joe war so angetan, dass ich die Gelegenheit genutzt habe, mir ebenfalls das Album "Corrugations" zu Gemüte zu führen. Vor allen Dingen, nachdem ich den Mann in einem persönlichen Kontakt kennen gelernt hatte
und er einen mächtig netten Eindruck machte. Deswegen meine Meinung:
Singer und Songwriter sind für gewöhnlich nicht mein Metier, obwohl ich einen großen Teil mag und dieser Musik für gewöhnlich einiges abgewinnen kann. Sind es doch oft die gefühlvoll gespielten und akustischen Gitarren, inhaltlich anspruchsvolle Texte und der Gesamteindruck schlechthin, welcher die eine oder andere Scheibe mehr als erwähnenswert machen.
Es hatte sich zugetragen, dass ich auf der Weltbühne von MySpace eine nette Bekanntschaft machte. Der Junge heißt Sean Taylor und kommt aus Kilburn, North London. Auf einer Takamine 2004 Limited Edition hat Sean Taylor persönliche Erlebnisse und seine Lebenseinstellungen musikalisch verarbeitet. Dazu benutzt er bei seinen Aufnahmen Yamaha-Organs, die einen Hammond B-3 Sound hervorragend imitieren können. Er nennt es "South Sea Island Feel", das in seinen Songs steckt.
Wie kommt das Album beim Hörer an? Das Titelstück "Corrugations" wird ausschließlich auf dem Piano gespielt, wirkt schwermütig und nachdenklich. Dabei lässt der Song noch nicht vermuten, was uns der Junge mit den folgenden Tracks präsentieren wird. So spielt er erstmals im "Jaques Derrida Blues" mit der akustischen Klampfe auf, mixt ein paar Percussions aus der Dose dazu und gibt dem Hörer damit erstmals ein Gefühl seiner Lebensweisheiten. Ein Stück aus dem alltäglichen Leben, welches sich mit der Freundlichkeit und der Hilfsbereitschaft der Menschen untereinander beschäftigt. Die so typischen Anschlagtechniken machen dabei das Salz in der Suppe aus.
Musikalisch ganz eng an bereits Vertrautem angelehnt, besingt der Musiker die Welt der animistischen Vorgehensweise, beschreibt dabei die völlige Normalität, aber auch die Folgen, die entstehen, wenn man sich dieser verschließt und krampfhaft versucht, die Gesetze der Natur außer Gefecht zu setzen. Dabei untermalt Sean Taylor seine Musik mit Klavier und einer Mundharmonika.
Es ist auch keine Frage, ob diese Musik modern oder besonders angesagt ist. Ein Stück wie "When The Stars Burn" ist einfach zeitlos, wird auf wunderbare Art und Weise auf dem Piano dargeboten und lässt so manchen Herzschmerz zu. Die Stimme von Sean Taylor ist einer triefenden und nachdenklichen Ballade ebenso gewachsen, wie einem, eher dem Blues verschriebenen, "Ashes To Ashes". Der Mann bringt seine Songs mit Gefühl, Ehrlichkeit und voller Überzeugung rüber.
Zu erwarten, dass die Scheibe aufregend wird, das wäre nicht gerecht. Da sind in der Darbietung ohnehin ein paar Feinheiten, die es zu beachten gibt. Neben den bereits beschriebenen Blues-Sounds wird es gerade bei "The Devil's Black Hat" sehr ambient, der Song "Amazon" wird neben der überaus ambitionierten Gitarre von leichten Synthie-Sounds untermalt.
Sean Taylor traut sich mit seiner Musik beim schlicht genannten "The Song" sogar in die Überlänge von 11 Minuten. Das kann er auf diesem Output auch bringen, denn es handelt sich nach einer EP namens "Johnny Pants" um das erste Album dieses Künstlers, der wie ein Besessener seine eigene Musik kreiert, noch immer auf der Suche nach einem geeigneten Label ist, und solange sein Album über seine Website zum Verzehr anbietet. Das ist noch ein junger Bursche, von schlappen 23 Jahren, der schon ganz tief in der Musik verwurzelt ist. Der weiß, was er will und das ist bekanntermaßen schon mal das, was man erfüllen sollte, um in der Zukunft mit der eigenen Musik Erfolg zu haben. Da kann man nur weiteres Durchhaltevermögen wünschen und hoffen, dass Sean Taylor in Bälde eine größere Chance eingeräumt wird, als es die heutigen Möglichkeiten mit eigenen Aufnahmen am Computer und einer schlichten Darbietung über das Internet ermöglichen.
Tracklist |
01:Corrugations (4:58)
02:Jaques Derrida Blues (4:34)
03:Overdose (5:30)
04:Vultures (5:30)
05:When The Stars Burn (4:16)
06:Amazon (7:11)
07:Departure (2:58)
08:Ashes To Ashes (2:07)
09:The Devil's Black Hat (4:02)
10:Prayer (2:43)
11:The Song (11:01)
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