Telstar Sound Drone / Magical Solutions To Everyday Struggles
Magical Solutions To Everyday Struggles Spielzeit: 40:09
Medium: CD
Label: Bad Afro Records, 2015
Stil: Psychedelic Rock

Review vom 26.03.2016


Joachim 'Joe' Brookes
Die "Magical Solutions To Everyday Struggle" hatten im Jahr 2013 einen Vorgänger namens Comedown. Ob die neun auf dem Silberling angebotenen magischen Lösungskonzepte für den täglichen Kampf helfen, mag dahingestellt sein. Das dänische Trio Telstar Sound Drone (TSD) hat sich für diverse Lieder instrumentale Unterstützung bei einigen anderen Künstlern geholt und wenn man sich die Querverweise zu deren Bands anschaut, dann taucht Baby Woodrose verdammt oft auf. Sänger Sean Jardenbæk, Hans Beck (Schlagzeug) sowie Kåen Joensen spielen bei Baby Woodrose. Produziert wurde der vorliegende Weltraumausflug von der Band zusammen mit Anders Onsberg, ebenfalls Baby Woodrose.
Das psychedelische Trio und seine Mitreisenden kommen kaum, oder fast gar nicht aus dem Orbit eines fiktiven Planeten heraus. Die Gitarrensounds habe nur in Blitzlichtern Bodenkontakt. Das Schlagzeug treibt sich in irgendwelchen nebulösen Gegenden herum und der Gesang ist extrem mit Effekten beladen, sodass man quasi auf die Texte pfeifen kann. Sean Jardenbæks Stimme ist da schon eher das zusätzliche Instrument beim Hardcore-Space-Trip à la Telstar Sound Drone. Dabei sollte man Drone nicht als unbemanntes Flugobjekt verstehen, sondern viel eher als Dröhnen oder Pfeifen, vielleicht im Sinn von nervigem Tinnitus. Womit wir wieder bei den Lösungen für unangenehme Lebenslagen wären.
Telstar Sound Drone hat ein psychedelisches Strickmuster, das gerade nicht viel Abwechslung bietet. Der musikalische Schlingerkurs hat nicht viele Wendungen. Sean Jardenbæk performt mit einer relativ hohen Stimme. Wie geschrieben ... Texte und somit Themen sind marginal. Hintergründe zum Opener "Drugs Help" wären da schon interessant. Kehren wir den Spieß um und kommen zum Schluss, dass Drogen auf keinen Fall helfen. Okay, die viel zitierte musikalische Droge mag gemeint sein, aber bei dem wirren Trip durch Zeit und Raum wünscht man sich eher ein schnelleres Ende als es die Band nach knapp sechs Minuten vorsieht.
Mit einem länger ausharrenden Synthesizerton endet die Fehlmedikation "Drugs Help" und mit ähnlichen Ornamenten an der TSD-Leinwand geht es in "Something I Can't Place" weiter und schon hier ist die Combo in ihrer infernalischen Entwicklung oder auch Endzeit bei der bereits erwähnten Hardcore-Auslage des Psychedelic Rock angekommen. Obwohl nicht schnell unterwegs, braust man in Schallgeschwindigkeit am Hawkwind-Raumgleiter vorbei. Diese Band schaut desinteressiert in eine andere Richtung. Nach dem zweiten Stück ist erst einmal Pause angesagt. Vielleicht irgendetwas anderes machen. Frische Luft wäre nicht schlecht.
Im Informationsblatt zur CD sind unter anderem folgende Zeilen zu lesen, die Aufschluss über den Zustand der Combo bei den Aufnahmen und dem, was letztendlich dabei herausgekommen ist, geben: »[...] The band was isolated for four months in their rehearsal room which is a small and dark air-raid shelter dating back to WWII. Here they wrote and recorded the album as a lot of late nights turned into early mornings. [...] and it comes as no surprise that the album sounds claustrophobic and a bit paranoid. [...]« Ohne weiteren Kommentar!
Nach einem nicht viel Licht ins Dunkel bringenden "Dark Kashmir" bekommt Telstar Sound Drone doch noch die Kurve zu einer etwas leichter schwebenden Psychedelic. In "Your Finger Stirs The Liquid Moon" kann man zwar Sean Jardenbæks Gesang immer noch nicht verstehen, aber zumindest stellt man den Gitarrensounds gemeinsam mit den Syntzhesizerklängen mehr Freiraum im Sinn von Lockerheit zur Verfügung. Der schwebende Zustand mit einer wieder weit in den Hintergrund verbannten Art von Phil Collins-"In The Air Tonight"-Drumming ist wohltuend. Bevor es in die Obst-Abteilung geht hält "Closer Again" die gerade beschriebene Stimmung.
Die Apfel-Kost "Strange Apples" geht mit einem Rückspiegelblick hin zu den Sechziger-/Siebzigerjahren zurück in bereits vom Beginn der Platte bekannte Muster. Hawkwind trifft auf MC 5.
Mit leichten Nuancierungen im Song-Tempo und Fuzz der E-Gitarre bringt "Mad Seeds" keine neuen Aspekte in die Weltraum-Psychedelic. "Dead Spaces" ist der Zwangsjacken-Blues vor dem Gang in die karge Einzelhaftzelle und "Lean Down On White" lässt dann endlich mal die Finger von den Geräten, die für Sechssaiter-Verzerrung sorgen. Das Trio Telstar Sound Drone hat für diese Einspielung vielleicht doch etwas Sonnenlicht abbekommen und klingt jetzt geradezu versöhnlich.
Allerdings kann TSD aus meiner Sicht nicht darüber hinwegtäuschen, dass die vier Monate Isolation einfach zu viel für den kreativen Teil der menschlichen Festplatte waren. Aber wie es so ist ... vielleicht gibt es Leute, die genau diese Musik mögen. In diesem Sinn ...
Line-up:
Sean Jardenbæk (all instruments, vocals)
Hans Beck (drums)
Mads Saaby (guitar)

With:
Hobbitten (guitar)
Christian Norup (bass)
Kåre Joensen (bass, synthesizer)
Tracklist
01:Drugs Help
02:Something I Can't Place
03:Dark Kashmir
04:Your Finger Stirs The Liquid Moon
05:Closer Again
06:Strange Apples
07:Mad Seeds
08:Dead Spaces
09:Lean Down On White
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