Das New Yorker Label MoonJune Records hat sich in den letzten Jahren zu einem Spezialisten für Jazz Rock- und Fusion-Exoten gemausert. Gerade für Fusion aus dem fernöstlichen Raum, der ansonsten - und darin liegt MoonJunes Verdienst - weitgehend an Europa vorbeirauschen würde. Auf diese Weise hat uns der Indonesier Dewa Budjana schon zweimal tangiert und jedes Mal stark beeindruckt!
Nun erreicht uns "Tribal Dance" seines Landsmannes Tohpati - und erneut muss ein dickes, fettes Ausrufezeichen angebracht werden!!
In seiner Heimat ist Tohpati Ario Hutomo, wie er bürgerlich heißt, bereits eine ganz große Nummer. Schon als Vierzehnjähriger wurde er bei einem Contest in der Hauptstadt Jakarta als 'Bester Gitarrist' ausgezeichnet, weitere Ehrungen sollten noch folgen. Seit 1998 ist der nun 43-Jährige auf Solopfaden unterwegs.
Für "Tribal Dance", seine dritte Veröffentlichung für MoonJune, hat der virtuose Gitarrenhexer mit den beiden Jazz-Größen Jimmy Haslip (Bass) und Chad Wackerman (Schlagzeug) ein Trioformat gebildet. Um welche Ausnahmemusiker es sich bei den beiden handelt, durften wir spätestens hier feststellen. Diese drei Musiker stehen für kraftvolle, virtuos-finessenreiche Fusion und beweisen dies mit den vorliegenden Aufnahmen nachdrücklich.
Nahezu jedes Stück auf "Tribal Dance" wird mit einem akustischen Bezug zur indonesischen Heimat des Protagonisten eröffnet - seien es rhythmische Perkussioneinlagen, seltsame Flötenklänge, fernöstliches Stimmengewirr oder bizarre Kehlkopfgesänge. Genau jene Bezüge also, die mir bei Budjanas Surya Namaskar ein wenig gefehlt haben.
Nach diesen Einleitungen schwenken Tohpati, Haslip, Wackerman immer recht zügig auf westlich orientierten, sehr kraftvollen Jazz Rock ein. Natürlich stehen dabei Tohpatis Gitarrenkünste im Vordergrund, was aber diese Weltklasse-Rhythmusfraktion hinter ihm zaubert, ist teilweise nicht von dieser Welt und macht den Rezensenten an dieser Stelle sprachlos!
Furios-wild und stürmisch startet "Rahwana" und Tohpati zeigt gleich eindrucksvoll, wo bei "Tribal Dance" 'der Hammer hängt': in der experimentellen Fusion-Ecke! Oftmals kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass man bei Pat Metheny ganz genau zugehört hat. Wie Tohpati in "Spirit Of Java", "Savana" und vor allem dem zauberhaften "Midnight Rain" luftig-zarte Atmosphären entstehen lässt, erinnert sehr an diesen Magier der feingeistigen Stimmungen.
Der Titelsong entwickelt sich dagegen in 'freiere' Jazzrichtungen (vor allem, wenn die Drei unisono vorwärts treiben), doch bleiben dabei Tohpatis Gitarrenlinien und -soli zumeist im hochmelodischen Bereich. "Red Mask" und "Run" sind sehr zupackende, 'körperbetonte' Jazzrocker, wie aus dem Lehrbuch zitiert. Ob 'gedroschene' Akkorde oder filigrane Soli, Jimmy Haslips Bass ist eine wahre 'Ohrenweide' - man bestaune nur das 'übersinnliche' "Supernatural", bei dem dann auch Wackerman zu seinem (eindrucksvollen) Solo kommt...
"Tribal Dance" ist meine allererste Begegnung mit Tohpati - und eine nachdrückliche dazu! Diesen Jazz-Gitarristen kann, muss und darf man nur weiterempfehlen. Das Album bietet eine knappe Dreiviertelstunde hochanspruchsvolle Fusion.
Anspieltipps? Eigentlich alles, aber "Rahwana", "Run" und "Midnight Rain" im ganz Besonderen!
Line-up:
Tohpati (guitars)
Jimmy Haslip (bass)
Chad Wackerman (drums)
Pak Komjang, Iwan Wiradz (indonesian vocals)
| Tracklist |
01:Rahwana (7:47)
02:Spirit Of Java(5:21)
03:Tribal Dance (7:00)
04:Red Mask (5:12)
05:Savana (1:56)
06:Run (4:26)
07:Supernatural (6:42)
08:Midnight Rain (4:29)
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