Wie unser Günther in seinem Review zu Han Uils zweitem Soloalbum Dark In Light bereits berichtete, hat der Niederländer in den letzten knapp zwanzig Jahren nicht nur durch seine Alleingänge, sondern auch durch seine Arbeit mit den Bands Antares, Seven Day Hunt oder auch Tumble Town auf sich aufmerksam gemacht. Vor allem bei der Band Antares ging es dabei um progressives Material, ein Stempel, den auch die Rezension des bereits erwähnten zweiten Solowerks trug. Mit "Lawless Local Heroes" legt der Musiker nun die dritte Scheibe unter eigenem Namen vor.
Überrascht stellt man schnell fest, dass die progressiven Anteile in den Songs doch einen eher zurückgestellten Rang einnehmen. Soll meinen, dass diese natürlich nach wie vor vorhanden sind, das Gesamtbild aber doch eher von straighteren Nummern bestimmt wird. Die Gitarren und Keyboards (ich nehme an, den Bass ebenfalls) sowie den Gesang hat Han Uil natürlich wieder selbst übernommen, für das Schlagzeug sorgt auf den zwölf neuen Tracks Sander Zoer und die Background Vocals wurden von Esther Ladiges beigesteuert. Laut dem Promozettel sind auch Aldo Adema (Egdon Heath) sowie Erik Laan (Silhouette) mit von der Partie, im Booklet sind die beiden - von einer kurzen Erwähnung Ademas abgesehen - jedoch nicht aufgeführt.
Wie bereits ausgeführt, geht es auf "Lawless Local Heroes" eher straighter zu (beispielsweise bei "A Never Ending Storm"), als die Musik bei vergangenen Projekten beschrieben wurde. Die Stimme des Protagonisten ist sehr prägnant, was beim Hörer ziemlich schnell zu einer Entscheidung 'mag ich/mag ich nicht' führen wird. Unstrittig stark sind dagegen die abgelieferten Gitarrenparts, die nicht nur ein breites Feld abdecken, sondern auch gekonnt zwischen filigran und gefühlvoll tänzeln. Die Keyboards halten sich meist dezent im Hintergrund, das Schlagzeug kommt zwar unspektakulär, dafür aber grundsolide und groovig.
Neben rockigen und proggigen Stücken gibt es (wie unter anderem bei "I'm So Glad") auch gezügeltes Material auf die Ohren, das sich sogar in die Nähe von Balladen begibt. Was immer wieder mal (mehr oder weniger deutlich) durchscheint, sind die Inspirationen, die der Holländer von Jethro Tull bezog. Besonders auffällig kommt das in den Titeln "Little Stripper Girl" sowie "The Starry Night", bei dem Esther Ladiges zudem einen Part der Lead Vocals übernimmt. Nicht gerade eine schlechte Referenz, wenn diese Stücke auch lange nicht so eingängig sind, wie viele Hits der Briten. Aber das muss ja auch nicht unbedingt der Fall sein, wenn die Musik ansonsten den hohen Qualitätsstandard hält.
Einer meiner Favoriten hört auf den Namen "Down" und besticht durch eine richtig gute Gesangsmelodie, eine ganz starke Gitarre und fast engelsgleichen Background-Gesang von Esther Ladiges. Ein paar mehr Tracks dieser Güte hätten der Scheibe insgesamt gut getan, denn der Grund, warum "Lawless Local Heroes" zwar ein gutes, aber kein herausstechendes Album geworden ist, liegt vor allem in dem eher konventionellen Songwriting sowie den vielleicht schon ein paarmal zu oft gehörten Arrangements. Keinesfalls schlecht, aber auch nicht außergewöhnlich.
Als Progressive-Fan bzw. an diesem Stil Interessierter sollte man "Lawless Local Heroes" von Han auf jeden Fall mal anchecken, aber auch die Freunde des eher straighteren Rocks werden hier vielleicht eine echte Entdeckung machen.
Line-up:
Han Uil (guitars, keyboards, lead vocals)
Sander Zoer (drums)
Esther Ladiges (background vocals)
| Tracklist |
01:What To Do
02:Little Stripper Girl
03:Stay Tonight
04:The Two Of Us
05:Ring Thing
06:A Never Ending Storm
07:Lawless Local Heroes
08:I'm So Glad
09:The Starry Night
10:Down
11:The Next Time
12:We Are Down
|
|
Externe Links:
|