
An diesem Samstagabend war es soweit. Der Goslarer Club Kubik eröffnete die Herbstsaison 2015. Wie wir auch schon in unseren News angekündigt hatten, wollen die Macher Wolfgang und Günter jetzt richtig durchstarten und haben bis zum Jahresende einige höchst attraktive Acts verpflichtet, die ihr übrigens auch in unseren Tourterminen nachlesen könnt. Nachdem der Club im August 2014 seine Pforten erstmalig öffnete und mit Patricia Vonne und Abi Wallensteins BluesCulture, bei deren Konzert die RockTimes-Redaktion schon zu Gast war, sowie etlichen Coverbands startete, gab es in der Sommerpause einige Umbauten an der Bühne, um den Sound zu optimieren und dem Publikum so den bestmöglichen Klang bieten zu können. Okay, ob ausgerechnet das Wochenende des Goslarer Altstadtfestes für das erste Konzert so glücklich gewählt war, sei mal dahingestellt, aber immerhin hatte sich der Gitarrist der Mick Fleetwood Blues Band Rick Vito angesagt, der ja mit Sicherheit kein musikalisches Leichtgewicht ist, sondern für richtig gute Musik steht, deren Qualität dem ganzen Altstadtfest-Trubel ganz leicht Paroli bieten kann. Und so kam es dann auch.

Doch zunächst enterten die Lokalmatadoren des Hans Hirschmann Trios die Bühne des Kubik. Der Dreier um Hans 'Ringo' Hirschmann (Schlagzeug), Tom 'Sticky Fingers' Fricke (Gitarre, Gesang) und Jens 'The Voice' Reichelt (Bass, Gesang) hatte sich an diesem Abend um Keyboard und Saxofon verstärkt und bot circa dreißig Minuten den perfekten Einheizer mit einem Programm aus Blues- und Rock-Coverversionen von Muddy Waters bis Z.Z. Top. Die Band versteht es, das Publikum, das auf den Top-Act wartet mit Songs wie "Hoochie Coochie Man", "Got My Mojo Working" und "Jesus Left Chicago" in Wallung zu bringen. Wenn ein Support sein soll, dann ist das Hans Hirschmann Trio dafür prädestiniert.

Doch kommen wir nun zu Rick Vito selbst. Nachdem er in den siebziger Jahren vier Alben mit John Mayall eingespielt hatte, war er auch auf Longplayern von Bob Seger, Todd Rundgren, Jackson Browne, Bonnie Raitt und Roger McGuinn zu hören. Außerdem war er von 1987 bis 1992 Mitglied von Fleetwood Mac, als er den abgewanderten Lindsey Buckingham ersetzte. Für ihn sicherlich ein Highlight, denn er gilt als glühender Verehrer von Peter Green, dessen Gitarrenspiel bei den ersten Besetzungen von Fleetwood Mac er oft kopierte und weiter entwickelte. Durch die erneute Reaktivierung dieser Band, liegt die Mick Fleetwood Mac Blues Band zurzeit auf Eis, sodass Rick Vito nun solo unterwegs ist und mit "Mojo On My Side" auch ein neues Album in den Regalen stehen hat. Manchmal hat die Wiedervereinigung einer 'Supergroup' auch so seine Vorteile.

Für diese Tour durch unsere Breitengrade heuerte der jetzt in Nashville lebende Gitarrist den Frankfurter Bassisten Marc Inti für die dicken Saiten sowie Big Joe Cherrygan aus Köln für die Felle und Becken an, die er im letzten Jahr bei einem Konzert in Frankfurt kennenlernte. Seit dieser Zeit begleiten die beiden ihn immer wieder, wenn die Lucky Devils als seine reguläre Begleitband nicht zur Verfügung steht. Normalerweise sorgen die zwei Musiker für die Rhythmusarbeit bei dem irischen Gitarristen Eamonn McCormack und sind somit nahezu perfekt aufeinander eingespielt. Und das war auch an diesem Abend deutlich herauszuhören. Unauffällig, aber mit großer Präzision lieferten sie ein grundsolides Fundament für Rick Vito und seine Songs.

Pünktlich um 21.00 Uhr begann das zweiteilige und insgesamt 110 Minuten lange Set, und das Publikum wurde von der ersten Sekunde an von der nicht nur farblich sehr auffälligen Slidegitarre gefangen genommen. Der Sound war hervorragend und bei den Songs gab es nie ein übertriebenes Gefrickel. Da passte jeder Ton. Auch im weiteren Verlauf des Konzertes dominierten die singenden Slide-Töne. Egal ob auf hawaiianisch getrimmt, oder als ganz ruhige Ballade, diese warmen und ausdrucksstarken Sounds waren ein wahrer Hörgenuss. Zudem sind auch die Vocals von Rick Vito ausgesprochen warm und einfühlsam und passten hervorragend zu den Titeln der Show.

Ab und zu hatte das Slide-Röhrchen aber auch mal Pause, und dann beherrschte der Rock'n'Roll die Szenerie, was das Publikum, besonders im zweiten Teil des Konzertes, auf die Tanzfläche lockte. Dieser Gig zeigte die ganze Vielseitigkeit eines Rick Vito auf. Neben einigen Songs seines aktuellen Albums und diesen Stimmungsmachern waren es aber vor allem die alten Fleetwood Mac-Klassiker, die so richtig beeindrucken konnten. Dabei wurde Ricks Liebe zum Gitarrenspiel von Peter Green ein ums andere Mal deutlich. In Versionen, wie wir sie schon auf dem Livealbum "Blue Again" von der Mick Fleetwood Blues Band her kennen, gab es so einige Höhepunkte. Wurde aus dem Rock'n'Roller "Fleetwood Boogie" wegen Abwesenheit des Namensgebers kurzerhand der "Cadillac Boogie", so blieb beim Kultsong "Albatross" alles beim Alten. Und nach wie vor erzeugt dieser Titel bei mir immer wieder Gänsehaut pur.

Übertroffen wurde er meiner Meinung nach nur noch von "Looking For Somebody". Dieser magische sich ständig wiederholende Schlagzeugrhythmus in Verbindung mit den herrlich seufzenden Slidegitarrenklängen ist einfach nicht zu schlagen. Dazu der eindringliche Gesang Vitos und die ausgedehnte Spiellänge des Songs machten mal wieder ganz deutlich, was für ein genialer Songwriter Peter Green doch war. Ich hätte liebend gern noch ein paar mehr dieser alten Klassiker auf die Ohren bekommen, doch leider musste ich diesmal auf Titel wie "Rattlesnake Shake" und Konsorten verzichten. Dafür waren bei "Shake Your Moneymaker" die Mitsingkünste der Zuhörer gefragt. Auch nicht schlecht!

Kommen wir also zum Schlussfazit: Mit Rick Vito hat das Kubik in Goslar, wie schon beim Gig von Abi Wallenstein, ein prima Konzert von hoher Qualität erlebt. Der Anfang ist gemacht. Die Räumlichkeiten und der Sound stimmen. Wenn man bei den kommenden Veranstaltungen nicht wieder mit anderen Großveranstaltungen in der Stadt kollidiert, sollte auch das Publikumsinteresse genügend groß sein, um die Erwartungen der Verantwortlichen erfüllen zu können. Die Voraussetzungen dafür haben Wolfgang und Günter jedenfalls geschaffen. Jetzt müssen nur noch die interessierten Goslarer Einwohner aus dem Quark kommen, dann könnte das Kubik bald zu einer festen Größe von Rock- und Blues-Musik am Nordrand des Harzes werden. Die RockTimes-Redaktion drückt jedenfalls alle Daumen, dass das auch hinhaut und wir auch weiterhin immer wieder geile Konzerte in Goslar sehen werden.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei Wolfgang und Günter für die problemlose Akkreditierung und die nette Betreuung.
Line-up:
Rick Vito (guitar, vocals)
Marc Inti (bass)
Big Joe Cherrygan (drums)
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