Larry Jon Wilson / Same
Larry Jon Wilson Spielzeit: 49:40
Medium: CD
Label: 1965 Records, 2008
Stil: Singer/Songwriter

Review vom 21.09.2008


Markus Kerren
Larry Jon Wilson! Was für eine geile Überraschung!! Mit völliger Verblüffung durfte ich feststellen, dass der (jahrzehntelang untergetauchte) Südstaatler aus dem Dunstkreis der Country-Outlaws der Mitt-Siebziger um Townes Van Zandt und Guy Clark nicht nur immer noch am Leben ist, sondern nach sage und schreibe 28 Jahren sogar wieder ein Studioalbum aufgenommen hat.
Larry Jon Wilson! Da kommen bei mir sehr angenehme Erinnerungen auf. Erinnerungen an die fantastische DVD "Heartworn Highways", die sich dokumentarisch mit dieser Underdog-Szene zur genannten Zeit auseinandersetzt. Direkt die zweite Sequenz dieses Films beschäftigt sich mit einem gewissen Larry Jon Wilson, der den Protagonisten im Studio bei den Aufnahmen eines Songs zeigt, der den Rezensenten schwerstens beeindrucken konnte.
Larry Jon Wilson! Dieser Mann war sogar unter den Outlaws ein Außenseiter! Circa Mitte bis Ende der siebziger Jahre schaffte er es irgendwie, vier Alben zu veröffentlichen, bevor er sich (vermutlich wegen fehlendem Interesse der Plattenfirmen) nur noch auf die Bühne konzentrierte. Diese ersten vier Alben sind zwar immer noch aus den Plattenkatalogen gestrichen, aber dafür beschert uns der Meister jetzt zwölf neue Songs.
Der mittlerweile 68-jährige hat längst mit dem ganzen Business-Zirkus abgeschlossen und kümmerte sich offensichtlich einen feuchten Kehricht um irgendwelche Erwartungen seines Labels. Ein raues, ein rohes Album wollte er aufnehmen. Er wollte seine Gitarre nehmen, sich hinsetzen, spielen und singen. Keine weiteren Instrumente, kein Produzent! Larry Jon himself, seine Gitarre und seine Songs! Und genau das hat er auch getan!
Herausgekommen ist ein sehr eindringliches, ehrliches und intimes Album, das mehr als nur einmal Gänsehaut-Momente erzeugt. Obwohl Wilson lediglich für die Hälfte der Stücke kompositorisch verantwortlich zeichnet, hat er auch den anderen Teil der aufgenommenen Tracks so sehr für sich vereinnahmt, dass alle zwölf Titel auf "Larry Jon Wilson" wie aus einem Guss klingen. Seine immer schon am Bass grenzende Bariton-Stimme klingt vertraulich und stellenweise angegriffen. Man hört sprichwörtlich die tiefen Wunden, den Whiskey, das Nikotin. Jederzeit transportiert sie dennoch oder gerade deshalb jede Menge Feeling! Sowas kann man nicht lernen! Entweder man hat es, oder auch nicht.
Larry Jon Wilson hat es, und zwar batzenweise! In der Natur der Sache liegt, dass wir es hier nicht mit einem Stimmungsanheizer für die heimische Party zu tun haben. Dieser Silberling ist eher was für die ruhigeren Stunden, nachts allein vorm Lagerfeuer, nachts alleine vor dem Kamin oder nachts alleine (oder jeweils zu zweit) wo immer man auch ist und die Ruhe zum Zuhören hat.
Das Album ist in sich so stimmig, dass es einem sehr schwer fällt, irgendwelche Anspieltipps zu nennen, da die Qualität durchgehend hervorragend ist und sich somit jeder seine Favoriten selbst heraussuchen kann. Meine Lieblinge hören auf die Namen "Loser's Trilogy", "Heartland", "Feel Alright Again" und "Whore Trilogy".
"Larry Jon Wilson" ist von einem Hauch der späten Johnny Cash-Alben
(American Recordings I - IV) oder Kris Kristoffersons This Old Road umgeben, was wohl am ehesten dem Umstand zu verdanken ist, dass die Instrumentierung auf ein Minimum begrenzt wurde und Wilson über diese gewisse Abgeklärtheit und Weisheit verfügt, die nur ein gewisses Alter und viel Lebenserfahrung mit sich bringen.
Laut Promo-Zettel ist jeder einzelne Song ein 'first take'. Sicherlich nie perfekt, aber immer berührend, echt und authentisch. Und genau so wollte es Wilson auch haben: Eine reale Bestandsaufnahme ohne Ballast jeglicher Art. Auf diese Arbeitsweise kritisch angesprochen, hatte der Meister übrigens folgenden Kommentar: »You know what? Fuck 'em if they can't take a joke!!« Gut gekontert!
Nachdem uns Larry Jon Wilson nun also neue, sehr angenehme und intensive 50 Minuten seiner Musik geschenkt hat, bleibt eigentlich nur zu hoffen, dass auch sein Backkatalog sehr bald wieder veröffentlicht wird! "Larry Jon Wilson" ist ein kleines Schmuckstück, dessen Anschaffung sich definitiv lohnt!
Line-up:
Larry Jon Wilson (acoustic guitar, vocals)
Tracklist
01:Shoulders
02:Loser's Trilogy
03:Heartland
04:Long About Now
05:Me With No You
06:Feel Alright Again
07:I Am No Dancer
08:Goodbye Eyes
09:Rocking With You
10:Throw My Hands Up
11:Whore Trilogy
12:Where From
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