White Widdow / Serenade
Serenade Spielzeit: 45:38
Medium: CD
Label: AOR Heaven, 2011
Stil: Hard Rock

Review vom 18.09.2011


Markus Kerren
Es ist schon witzig! Nachdem ich etwa eine Handvoll Durchläufe von White Widdows zweitem Album hinter mir hatte und im Anschluss Boris' Review zum Debüt durchlas, hätte ich dieses fast komplett und Wort für Wort auch für "Serenade" wieder verwenden können. Die australischen Hardrocker leben ganz offensichtlich noch tief in den achtziger Jahren. Und dass sie nicht viel von Veränderungen halten, macht auch ihr neues Werk deutlich, was das Material der vorliegenden Scheibe doch schon ziemlich eingrenzt und wohl auch nur für eine mittlerweile äußerst übersichtliche Käuferschicht interessant macht.
Das Quintett aus Down Under setzt nach wie vor auf radiofreundlichen Hardrock im Europe-Fahrwasser (um nur mal eine Referenzband zu nennen) mit eingängigen Gesangs-Melodien, sehr netten wie gefälligen Gitarren-Soli und ganz fetten, klebrigen Keyboard-Sounds. Handwerklich gut gemacht ist das alles und auch die Arrangements kommen einigermaßen abwechslungsreich aus den Boxen. Ecken und Kanten findet man allerdings keine und auch für die mittlerweile etwas ausgelutschten Songtitel wie "Cry Wolf", "Strangers In The Night", "Patiently" oder "Love Won't Wait" (deren Texte übrigens genau das halten, was die Songnamen versprechen) muss man schon eine ausgeprägte Passion haben, um sie nach wie vor mit Genuss aufsaugen zu können.
Aber gut, laut etwas einseitigen Informationen konnte die Truppe mit ihrem gleichnamigen Debüt in Melodic Rock-Kreisen über alle Maßen abräumen, was die Mannen um Sänger Jules Millis verständlicherweise an Sprüche wie 'Never change a winning team' bzw. 'Why change a tool if it's not broke' denken ließ. Und was die Australier auf den zehn neuen Tracks zelebrieren, machen sie ja auch sehr gut. Im Opener "Cry Wolf" gibt es gar mal Double Leads zu hören, die im direkten Anschluss dann aber von diesem synthetischen Tasten-Sound ganz schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden.
Frontmann Jules Millis hat eine perfekte Stimme für diese Mucke, wenn sie auch nicht sonderlich ausdrucksstark ist. Die Produktion selbst und somit auch der Schlagzeug-Sound ist, typisch Achtziger, stark verhallt und auch die Background Vocals könnten aus einem Lehrbuch über den perfekten Hardrock-Song einer vergangenen Dekade entstammen. "Show Your Cards" wird von einem Keyboard-Riff eröffnet, bevor sich dann nach und nach die Gitarre, die Rhythmus-Abteilung und der Gesang dazu gesellen. Aber auch hier fehlt dem Track der letzte Biss, oder anders gesagt: Würde man die Gitarre weiter in den Hintergrund mischen und die Produktion hier und da noch ein bisschen variieren, dann wären wir mitten im Pop-Land angekommen.
"Patiently" ist dann so was wie die Ballade des Albums, die sich allerdings auch nicht wirklich hervortut. Alle Tracks sind gefällig und eingängig, allerdings ist kein einziger herausragend, sodass es auch bezüglich Anspieltipps wenig zu sagen bzw. schreiben gibt. Allerbestes Radiofutter ist das Material aber allemal. Der Titeltrack beginnt mit einer schönen Akustischen, steigert sich dann aber sehr schnell zu einem typischen WW-Rocker. Sorry, Freunde, aber irgendwie ist das alles sehr austauschbar wie vorhersehbar und kommt einem vor, wie schon tausendmal gehört. Daran änderten dann auch die siebte und achte Einfuhr der gut 45 Minuten langen Spielzeit nichts mehr.
Melodic Rock-Freunden bzw. Anhängern der achtziger Jahre sowie allen, die bereits auf das Debüt von White Widdow abgefahren sind, wird sicherlich auch "Serenade" wie eine Offenbarung vorkommen. Und es sei der Band, die ganz sicher sehr viel Arbeit in ihr zweites Werk gesteckt hat, gegönnt. Für die Musik-Fans, die sich nicht zu der zu Beginn dieses Absatzes erwähnten Klientel zählen, ist zumindest ein Hördurchlauf vor dem Kauf aber unbedingt zu empfehlen, da der Sound der Weißen Witwen doch schon sehr speziell ist.
Line-up:
Jules Millis (vocals)
Trent Wilson (bass)
Enzo Almanzi (guitars)
Xavier Millis (keyboards)
Jim Naish (drums)
Tracklist
01:Cry Wolf
02:Strangers In The Night
03:Do You Remember
04:Reckless Nights
05:How Far I Run
06:Serenade
07:Show Your Cards
08:Mistake
09:Patiently
10:Love Won't Wait
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