Whiteboy James And The Blues Express / Extreme Makeover
Extreme Makeover Spielzeit: 40:20
Medium: CD
Label: Rip Cat Records, 2011
Stil: Blues

Review vom 25.11.2011


Joachim 'Joe' Brookes
Auf dem Coverbild scheint sich Whiteboy James, mit einem leichten Lächeln um die Mundwinkel, von so vielen hübschen Frauen umgeben wohl ziemlich wohl zu fühlen. Der Blues Express hat mit einjähriger Pause den Bahnhof wieder verlassen und nach Last Time Was The Last Time heißt es nun "Extreme Makeover". Von einer 'extremen Veränderung' kann allerdings keine Rede sein, denn das Quartett macht in unverändertem Line-up quasi da weiter, wo man mit dem Vorgänger aufgehört hat und das bürgt für Qualität mit einem enormen Unterhaltungswert.
Die zwölf Nummern machen einfach Spaß. Whiteboy James' Lieder verfügen über einen hohen Fun-Faktor. Dabei bleibt die Klasse der Tracks aber nicht auf der Strecke. Ohne Probleme integriert der Protagonist neben seinen zehn Eigenkompositionen zwei Coversongs. Einerseits zitiert der Sänger und Harp-Spieler Ike Turner ("Stay Out Late At Night"), andererseits Willie Dixons "I'm Ready".
Bleiben wir doch gleich bei der Dixon-Nummer. Da liegen definitiv nicht die Blätter mit den Original-Noten vor. Das Quartett wählt die rockige Variante und Scott Abeyta, übrigens auch Label-Chef von Rip Cat Records serviert ein kraftvolles Riffing und im Solo-Teil würzt er seine Saitenfahrt mit ein wenig Rock'n'Roll. Whiteboy James ist ansonsten ein guter Sänger, nur hier spielt er meiner Meinung nach eine zu laszive Rolle am Mikrofon.
Turners Nummer verpasst die Gruppe ihr eigenes Musterläppchen mit groovender West Coast-Metrik. So kennt und liebt man den Sänger James. Klasse! Nachdem der Blues Express mit "Zerg, Shotgun, And You" einen von lustigen Gimmicks begleiteten kleinen Abstecher ins Country gemacht hat, kommt danach etwas ganz anderes auf den Tisch des Hauses.
Whiteboy James And The Blues Express waren hinter der Bühne und präsentieren sich nun in total anderem Outfit. Die Männer stecken jetzt in schwarzen Anzügen, tragen locker gebundene Schleifen am Hemdkragen und bringen jede Menge jazzig-blusiges Loung-Feeling in die heimischen vier Wände. In "The Big Man" zupft Blake Watson seinen Bass ganz sanft und Drummer Max Bangwell taktet sehr relaxt auf Fellen sowie Becken. Abeyta hat für diese Nummer die halbakustische Gitarre mit dem weichen Ton geschultert und es ist Watson, der ein herrlich tiefes Tieftöner-Solo abliefert.
Dann wird der Hörer aus seinem kleinen Traum ordentlich wachgerüttelt. Die Combo shuffelt in "Gold Brick Bar" sehr kräftig drauf los und der Gitarrist geht ab wie eine Granate. Diese Stimmung lässt einen nur mit Schwierigkeiten ruhig sitzen. Natürlich greift der Frontmann auch zu seinem kleinen Instrument. Gleich im ersten Track bringt er die "Big Butted Women" ordentlich auf Trab und auch vom Text her lässt er nicht den geringsten Zweifel daran aufkommen, welche Frauen der Herr bevorzugt. Tapezierte Skelette sind jedenfalls nicht sein Ding.
Einen durchweg balladesken Track findet man auf "Extreme Makeover" nicht unbedingt. Der schon erwähnt Lounge-Blues kommt einer Ballade am nächsten. Der Blues Express mag es auf vorliegendem Album halt flott und so gibt es am Schluss noch einen Song mit beschleunigter Train-Rhythmik ("Big Blue Train").
Whiteboy James und sein Blues Express wissen, wie sie für Stimmung sorgen können. "Extreme Makeover" ist eine Platte für jede Gelegenheit und die Band befindet sich auch handwerklich auf höherem Niveau. Mit intelligent vorgetragener Power gibt es auf der Platte keinen Ausreißer nach unten.
Line-up:
Whiteboy James (vocals, harmonica)
Scott Abeyta (guitars)
Blake Watson (bass)
Max Bangwell (drums)
Tracklist
01:Big Butted Women (3:00)
02:Excuse Me For Scribbl'n (2:50)
03:Stay Out Late At Night (3:30)
04:Mean Mistreat'n Woman (3:20)
05:Zerg, Shotgun, And You (3:26)
06:The Big Man (2:55)
07:Gold Brick Bar (3:02)
08:Night Train Wine (2:39)
09:Slowdown & Let Me Love You (3:40)
10:I'm Ready (3:49)
11:Trouble (4:13)
12:Big Blue Train (3:57)
(all songs written by J. Page, except: #3: I. Turner; #10: W. Dixon)
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