
Der Sommer versuchte ja, an ein oder zwei Abenden bereits vorsichtig mit höheren Temperaturen Aufmerksamkeit zu erregen und uns dabei aber auch gleichzeitig mit einer gewissen Luftfeuchtigkeit an die unangenehmeren Seiten der warmen Jahreszeit zu erinnern. Genau so einen Tag hatte ich für den Auftritt der Jungs aus North Carolina erwischt, warm und schwül war es in Köln. Wie so oft, haben negative Eigenschaften auch immer etwas Positives, denn diese Schwüle passte hervorragend zur Musik von
American Aquarium. Zwar gehört North Carolina, das sich von Cape Hatteras bis zu den Blue Ridge Mountains erstreckt, noch nicht zum richtigen Deep South, aber zum Süden allemal. Und was für Musik wir im Süden finden, muss hier nicht mehr lang und breit erklärt werden. Natürlich wäre es zu einfach, diese pauschal über einen Kamm zu scheren, denn auch hier gibt es von Hillbilly bis Metal so ziemlich alles an Genres, was das Herz begehrt. Dennoch wird mir wohl jeder Leser zustimmen, wenn ich mal konstatiere, dass die Mischung aus Americana-Red Dirt-Country-Roots-Rock voll ins Bild passt.
Der äußere Rahmen für diesen Gig im Kölner Yard Club (Kantine) war also abgesteckt und diesen galt es nun, mit der entsprechenden Musik zu füllen. Hätte auch der Club etwas mehr an 'Füllung' vertragen können, so tat es der guten und erwartungsvollen Stimmung der überschaubaren Zahl an Gästen keinen Abbruch. Ungeplant traf ich vor der Show im Salon auf einige Mitglieder der Band und kam schnell in ein lockeres Gespräch mit Gitarrist Ryan Johnson über die Tour und die Erwartungen an das deutsche, bzw. europäische Publikum. Bald aber war es an der Zeit, nach nebenan zu gehen, denn die Show sollte beginnen und die fünf jungen Musiker stiegen auf die Bühne.

Ohne großes Brimborium griffen sie zu ihren Instrumenten und legten einfach so los. Der größte Teil der Setlist setzte sich aus Songs des Albums
Dances For The Lonely zusammen, was ein wenig überraschte, war es doch älter als die jüngste Veröffentlichung
Small Town Hymns, aber womöglich lag es daran, dass es erst unlängst auf unserem heimischen Markt in die Regale gekommen ist und noch ein wenig PR brauchte. War natürlich vollkommen egal, beim Publikum schienen sowieso alle Songs gleich gut anzukommen. Es wurde immer schön zwischen schwer(mütigen) und den etwas lockeren Stücken gewechselt und speziell bei der erstgenannten Rubrik greift dann meine Bemerkung über das Wetter. Die Aufarbeitung von (seinen) Beziehungskisten ist ja öfter Thema der von
BJ Barham mit schön nölender Stimme vorgetragenen Lieder. Er unterstützte sich an diesem Abend ausschließlich auf der akustischen Gitarre, während ihm die Band elektrifiziert unter die Arme griff. Sehr sympathisch kam das Quintett allemal rüber, stand ohne große Show oder überkandideltes Gehabe auf den Brettern und zog voller Inbrunst sein Set durch. Inbrunst ist an dieser Stelle ein gutes Stichwort, denn die Hingabe war quasi in jeder Note zu hören, ach was, zu spüren. Und das nahm das Publikum, besonders die Fraktion in der ersten Reihe dankbar auf. Mit Zwischenapplaus und Beifallsrufen feuerte man die Band an, weiter und immer weiter zu spielen. Zwischendurch verschwand die Band bis auf den Sänger, der uns dann ein paar Solo-Stücke rein akustisch zum Besten gab. Als für mich besonders gelungen kamen die brandneuen Stücke rüber, wie "Burn. Flicker. Die", die durch eine etwas härtere Gangart gekennzeichnet sind.
American Aquarium haben mit Hilfe aus der Ecke der
Drive-By Truckers diese neuen Tracks aufgenommen und werden sie demnächst - natürlich zuerst in Amerika - unter dem Titel "Burn. Flicker. Die" als neues Album veröffentlichen.
Ryan Johnson erzählte mir hinterher, dass man in der gesamten Band mächtig stolz auf diese neuen Songs sei und freute sich sichtlich über das Lob, auch von anderen Zuschauern. Da bleibt nur zu hoffen, dass wir nicht wieder zwei Jahre warten müssen, bis man es mit der Silberscheibe dann endlich auch über den großen Teich schafft.

Hier in Köln aber ging nach rund zwei Stunden eine intensive Show dem Ende zu, die neben der 'geplanten' Zugabe auch noch etwas mehr Musik für das größtenteils szenekundige und fordernde Publikum bot. Es ist immer wieder erfreulich zu sehen, wie man aus überschaubarem Equipment eine unheimlich bewegende Musik zaubern kann. Da braucht es keine riesigen Marshall-Türme (wobei es die ja ohnehin kaum noch gibt…) oder Tieflader voll von Scheinwerfer-Batterien, Gitarre, Bass, Schlagzeug und eine Pedal Steel reichen vollkommen aus. Keine Bühnenkostümierung kann Herzblut und Feeling ersetzen, und wenn das dann auch noch natürlich und entspannt rübergebracht wird, stimmt die Mischung. Sehr entspannt ging es danach auch in die Ecke mit dem Verkaufsstand, wo neben dem Erwerb diverser Devotionalien auch lockere und lustige Gespräche mit der Band möglich waren. Etwas schade war leider die Tatsache, dass sich für diese hohe Qualität der Band viel zu wenig Zuschauer eingefunden hatten. In einer 'Millionenstadt' wie Köln müssten doch eigentlich auch an einem schwülen Montagabend mehr als vierzig Mann den Arsch hochkriegen und sich ein bisschen gute und handgemachterMucke antun wollen…