Devon Allman / Turquoise
Turquoise Spielzeit: 41:52
Medium: CD
Label: Ruf Records, 2013
Stil: Roots'n'Soul

Review vom 26.02.2013


Steve Braun
Nach zwei Alben mit seiner 'Hausband' Honeytribe und einer Exkursion mit der königlichen Südstaaten-Bruderschaft, legt Devon Allman nun sein erstes Soloalbum vor. "Turquoise" ist seinem Sohnemann Orion Gregory gewidmet und meine persönliche Assoziation bezüglich des Titels geht beim Hören unwillkürlich in Richtung der türkisblauen Farbe des Wassers in der kubanischen Heimat seiner Lebensgefährtin Yadira. Am Strand sitzen, einen eisgekühlten Longdrink vor sich auf dem Bistrotisch und aus den Boxen die gleichermaßen entspannte wie packende Musik von "Turquoise" - das wär's jetzt, wo gerade der Winter hierzulande noch einmal zurückschlägt...
Ruf Records tut derzeit gerade gut daran, sein Portfolio stilistisch zu erweitern, denn mit klassischem Blues, der bis vor kurzem die 'Hausmarke' des rührigen deutschen Labels war, hat "Turquoise" wenig zu tun. Gleichwohl ist Devon Allmans Solowerk (erfreulicherweise) sehr 'schwarz'. Obwohl der überaus talentierte Musiker in den ersten fünfzehn Jahren nix von Vaddern gehört haben will, scheint er dessen musikalische Vorliebe - den Soul und R&B - mit der Muttermilch aufgesaugt zu haben!
Zunächst startet die Scheibe aber mit zwei herrlich 'schrammelnden' Roots-Rockern. Kein Geringerer als der North Mississippi Allstar Luther Dickinson veredelt den Opener "When I Left Home" mit seiner Slide. "Don't Set Me Free" hat Devon gemeinsam mit seinem 'königlichen Bruder' Mike Zito geschrieben und der Song hätte ganz sicher auch zur RSB gepasst. Aber dann ist Schluss mit 'rootsig' - jetzt wird die rabenschwarze Soulkiste geöffnet. "Time Machine" beweist, was für ein Geschenk diese großartige Musik der Farbigen war und ist!
"Stop Draggin' My Heart" (unüberhörbar eine Petty-Nummer!!) beginnt zwar 'schrammelig', aber der seelenvolle Gesang des Fräuleinwunders Samantha Fish schiebt die Nummer in eine andere Dimension. Mit dem befreundeten Singer/Songwriter Tyler Stokes teilt Devon Allman die Liebe zur vom Latin inspirierten Musik. Gemeinsam haben sie "There's No Time" geschrieben, das genau in diese Richtung abzielt. Entspannt wie gleichermaßen druckvoll zielt die Powerballade "Strategy" voll in die Magengegend - Slashs Co-Klampfer Bobby Schneck Jr. krönt die Nummer mit zwei kurzen, aber überaus inspirierten Soli.
"Homesick" ist eine weitere - und das ist bei "Turquoise" auffällig - sehr persönliche Nummer. Die liebevolle Streicheleinheit für Sohn Orion, "Into The Darkness", allemal... Hier bläst der Tenorsaxofonist Ron Holloway, aus der Warren Haynes Band wohlbekannt, eine zu Tränen rührende 'Gießkanne'! Für seine kubanische Lebensgefährtin hat Allman mit "Key Lime Pie" und dem akustischen "Yadira's Lullaby" (erinnert stark an das Bananenloch) gleich zwei Liebeserklärungen auf "Turquoise" verewigt.
In sprichwörtlich letzter Minute ist der 'Rausschmeißer' "Turn Off The World" entstanden. Bassist Myles Weeks war bereits abgereist, sodass Allman die Bassfiguren im Studio selbst einspielen musste. Eine Laid Back-Nummer wie Balsam für die Seele...
Alles was Devon Allman in den letzten Jahren angepackt hatte, wurde zwar (noch) nicht unbedingt zu Gold, hatte aber stets Hand und Fuß. Das ist keinesfalls erwartungsgemäß, wenn man bedenkt, wie groß der Schatten des übermächtig scheinenden Vaters ist, aus dem er mittlerweile wie selbstverständlich herausgetreten ist.
Wie nicht anders zu erwarten war, ist dem 37-Jährigen mit "Turquoise" wieder mal ein Klassealbum gelungen. Eine durch und durch reife Leistung!
Line-up:
Devon Allman (vocals, guitars, bass - #11)
Yonrico Scott (drums, percussion)
Myles Weeks (upright and electric bass)
Additional Musicians:
Luther Dickinson (lead and slide guitar - #1)
Rick Steff (Hammond B3 - #2,4,5)
Samantha Fish (vocals - #4)
Pete Matthews, Rueben Williams, Samantha Fish, Adam Hill (background vocals - #4)
Bobby Schneck Jr. (guitar solo - #6)
Ron Holloway (saxophone - #8)
Tracklist
01:When I Left Home (4:05)
02:Don't Set Me Free (3:40)
03:Time Machine (3:39)
04:Stop Draggin' My Heart Around (4:46)
05:There's No Time (4:58)
06:Strategy (4:12)
07:Homesick (3:32)
08:Into The Darkness (3:24)
09:Key Lime Pie (3:04)
10:Yadira's Lullaby (2:25)
11:Turn Off The World (4:07)
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