Nach zwei
Alben mit seiner 'Hausband'
Honeytribe und einer Exkursion mit der königlichen
Südstaaten-Bruderschaft, legt
Devon Allman nun sein erstes Soloalbum vor. "Turquoise" ist seinem Sohnemann
Orion Gregory gewidmet und meine persönliche Assoziation bezüglich des Titels geht beim Hören unwillkürlich in Richtung der türkisblauen Farbe des Wassers in der kubanischen Heimat seiner Lebensgefährtin
Yadira. Am Strand sitzen, einen eisgekühlten Longdrink vor sich auf dem Bistrotisch und aus den Boxen die gleichermaßen entspannte wie packende Musik von "Turquoise" - das wär's jetzt, wo gerade der Winter hierzulande noch einmal zurückschlägt...
Ruf Records tut derzeit gerade gut daran, sein Portfolio stilistisch zu erweitern, denn mit klassischem Blues, der bis vor kurzem die 'Hausmarke' des rührigen deutschen Labels war, hat "Turquoise" wenig zu tun. Gleichwohl ist
Devon Allmans Solowerk (erfreulicherweise) sehr 'schwarz'. Obwohl der überaus talentierte Musiker in den ersten fünfzehn Jahren nix von
Vaddern gehört haben will, scheint er dessen musikalische Vorliebe - den Soul und R&B - mit der Muttermilch aufgesaugt zu haben!
Zunächst startet die Scheibe aber mit zwei herrlich 'schrammelnden' Roots-Rockern. Kein Geringerer als der
North Mississippi Allstar Luther Dickinson veredelt den Opener "When I Left Home" mit seiner Slide. "Don't Set Me Free" hat
Devon gemeinsam mit seinem 'königlichen Bruder'
Mike Zito geschrieben und der Song hätte ganz sicher auch zur
RSB gepasst. Aber dann ist Schluss mit 'rootsig' - jetzt wird die rabenschwarze Soulkiste geöffnet. "Time Machine" beweist, was für ein Geschenk diese großartige Musik der Farbigen war und ist!
"Stop Draggin' My Heart" (unüberhörbar eine
Petty-Nummer!!) beginnt zwar 'schrammelig', aber der seelenvolle Gesang des Fräuleinwunders
Samantha Fish schiebt die Nummer in eine andere Dimension. Mit dem befreundeten Singer/Songwriter
Tyler Stokes teilt
Devon Allman die Liebe zur vom Latin inspirierten Musik. Gemeinsam haben sie "There's No Time" geschrieben, das genau in diese Richtung abzielt. Entspannt wie gleichermaßen druckvoll zielt die Powerballade "Strategy" voll in die Magengegend -
Slashs Co-Klampfer
Bobby Schneck Jr. krönt die Nummer mit zwei kurzen, aber überaus inspirierten Soli.
"Homesick" ist eine weitere - und das ist bei "Turquoise" auffällig - sehr persönliche Nummer. Die liebevolle Streicheleinheit für Sohn
Orion, "Into The Darkness", allemal... Hier bläst der Tenorsaxofonist
Ron Holloway, aus der
Warren Haynes Band wohlbekannt, eine zu Tränen rührende 'Gießkanne'! Für seine kubanische Lebensgefährtin hat
Allman mit "Key Lime Pie" und dem akustischen "Yadira's Lullaby" (erinnert stark an das
Bananenloch) gleich zwei Liebeserklärungen auf "Turquoise" verewigt.
In sprichwörtlich letzter Minute ist der 'Rausschmeißer' "Turn Off The World" entstanden. Bassist
Myles Weeks war bereits abgereist, sodass
Allman die Bassfiguren im Studio selbst einspielen musste. Eine Laid Back-Nummer wie Balsam für die Seele...