King Mo / 18.10.2013, blues, Rhede
blues King Mo
blues, Rhede
18. Oktober 2013
Konzertbericht
Stil: Blues Rock


Artikel vom 26.10.2013


Joachim 'Joe' Brookes
King Mo »Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht für dich. Welche möchtest du zuerst hören?« »Die Gute.« »King Mo hat im Rheder blues ein super Konzert gespielt.« »Und die Schlechte? « »King Mo wird es ab Ende 2013 nicht mehr geben.« Bis Dezember 2013 wird es noch einige Konzerte der niederländischen Gruppe in ihrem Heimatland an. So standen die letzten Auftritte unter dem Motto 'Hello – Goodbye Tour'. Das Quartett enterte kurz nach 22:00 Uhr die Bühne und mit einer kurzen Setpause sorgte die Combo bis zirka 01:00 Uhr für allerfeinste Unterhaltung in Sachen Blues Rock. Am Ende des Gigs gab es dann noch eine ganz besondere Überraschung. Dazu aber später Näheres. King Mo präsentierte eine hinlangende Mischung unter anderem aus Songs ihres Studioalbums
King Of The Town und einigen ausgewählten Fremdkompositionen. Das durchgeschwitzte Hemd des Sängers Phil Bee war nur ein äußeres Zeichen für die packende Dynamik des Konzertes, das von vielen rockigen Nummern geprägt war. Zwischendrin wurde zum Durchatmen immer wieder der Slow Blues herbei zitiert.
King MoPhil Bee erwies sich als ein begnadeter Sänger und Showmann. Der Gitarrist Sjors Nederlof war das Zentrum der Sechssaiter-Action und an dieser Stelle sollte erwähnt werden, dass die Band/Bandmitglieder nicht nur einmal bei den Dutch Blues Awards nominiert wurden oder einen Preis erhielten. Folglich stand da eine Formation auf der Bühne, die zu den wohl angesagtesten Gruppen der Bluesszene zu zählen ist. Mit "No Use Denying" shuffelte und rollte man sich in einen Auftritt, den die zahlreich erschienenen Zuschauer wohl so schnell nicht vergessen werden. Die Combo um den Frontmann Phil Bee konnte man gar nicht so leicht in nur eine Blues-Kategorie einsortieren. Der King Mo-Zwölftakter glänzte durch Vielfalt, ungemeine Spielfreude und Musikern, die sich in einer Topform präsentierten. Beim ersten Sjors Nederlof-Solo wussten alle, wo grundsätzlich und bei diesem Gig die Glocken des Genres läuteten. Unglaublich, wie dieser Gitarrist seine Ideen und Gefühle auf das Publikum losließ. Die zehn Finger des Linkshänders waren das Megafon des Blues. Mit noch einigen Kohlen mehr fütterte King Mo bei "Suits Me Right" die Feuerbüchse ihres Blues-Train. Die zeitliche Auslage der Nummern nahm zu und das von Ian Siegal komponierte "Sugar Rush" war ein Beleg dafür, wie im Besonderen die Rhythmusabteilung mit Jules van Brakel (Bass) sowie Schlagzeuger Alexander Robbie Carree den Groove zelebrierten. Fantastisch! Da waren reihenweise die Fußwippen aktiv.
King MoAllerdings konnten der Saitenvirtuose und alle anderen Künstler auch ganz anders. Das Titelstück von "King Of The Town" kühlte die Temperaturen im blues runter, aber nur, was das Tempo anging. Ganz allgemein trennt der Slow Blues gegenüber der rockigen Auslage die Spreu vom Weizen. King Mos Drummer sowie der Tieftonzauberer kochten auf dezenter, aber akzentuierter Flamme und die Emotionen schlugen einen Salto nach dem anderen. Die Spielwiese des Gitarristen war groß und auch hier offenbarte Sjors Nederlof den Zuschauern sein Seelenleben. Es war einfach wunderbar, diesem Mann bei seiner Arbeit zuzuschauen. Man war gefühlte über acht Minuten im Blues-Himmel. Durch seine Songeröffnung von "I'm A Ram" erdete Jules van Brakel den 12-Takter wieder in Bodennähe und beim Alleingang des Gitarristen durfte auch ein Hauch von Jimi Hendrix in seinem Spiel sein. Im ganz relaxt gespielten "Down The Line" gab es ein Intermezzo der Rhythmus-Arbeitsgemeinschaft mit einem wunderschönen Solo des Bassisten und einem im Takt klatschenden Publikum. "Glad Rags" war abermals ein Volltreffer und mit einem Song ("Big Legged Woman") vom Wegbereiter des Blues Rock, Freddie King sowie "Ain't Nobody's Business", bei dem Sjors Nederlof in seinem Alleingang alles zwischen heftig und sanft präsentierte, war ein zupackender Abschluss des ersten Sets.
King MoDer Groove in "The Shape You're In" (vom bereits weiter oben erwähnten Studioalbum) war die Stimmungsbrücke zur ersten Hälfte des Konzerts. Die Eigenkompositionen "Everyday You're Running"/"I Was Wrong" waren kurze, packend-knackige Statements des Blues Rock und wenn diese Tour nicht schon einen Namen hätte, könnte man symbolisch den auch gespielten B.B. King-Song "Everyday I Have The Blues" dafür hernehmen. Über das gesamte Konzert hinweg war die Band in Sachen Interpretation von Coversongs ebenfalls Meisterklasse. "My Heart Is Burning" groovte ganz entspannt und "200 Miles" war abermals herrlicher 12-Takter aus der verkehrsberuhigten Zone. King Mo trieb die Stimmung immer höher und viele hielt es schon lange nicht mehr auf ihren Sitzgelegenheiten. Bei diesem Konzert war man doch verwundert, warum die Band King Mo nur noch bis zum Ende 2013 existieren wird. Bei der musikalischen Qualität kam zwischendrin doch etwas Wehmut auf. In der Setpause sagte mir Phil Bee, dass Sjors Nederlof, Jules van Brakel und Alexander Robbie Carree zusammen weitermachen werden, allerdings mit anderer Musik. Phil Bee ist mit vollem Herzen ein Blues-Sänger. Von seiner souligen Stimme konnte man sich ein überzeugendes Bild.
King MoBei den langfristigen Planungen der Clubs kann es in einem Ort schon einmal zu Überschneidungen kommen. So auch am 18.10.2013 in Rhede. Etwas früher als die niederländische Band startete Timo Gross sein Konzert im nur einen Steinwurf entfernten New Orleans. Als er schließlich im blues angekommen war, folgte eine kurze Absprache mit Phil Bee und wenig später hatte der Pfälzer sein Equipment neben dem Bassisten aufgebaut und dann gab es noch vor der Zugabe eine Session ganz im Zeichen des Blues. Da wurde bei Gitarrensoli sowie einer Frage-Antwort-Einlage gezaubert. Auch die lautstark geforderte Zugabe wurde mit dem sich momentan auf seiner Landmarks-Tour befindlichen deutschen Gitarristen gespielt. Der Jam-Höhepunkt war wohl das kaum enden wollende "Little Wing" von Jimi Hendrix, dargeboten in der hohen Kunst des Genres. So war der Auftritt von King Mo ein Fest des 12-Takters und der Überraschungsgast war das Sahnehäubchen der Begeisterung. Schade, dass sich die Wege der Band trennen werden. Aus dem Eindruck des Konzerts heraus bleibt man wohl freundschaftlich verbunden.
Wir bedanken uns bei André Koch für die problemlose Akkreditierung.
Line-up:
Phil Bee (vocals)
Sjors Nederlof (guitar)
Jules van Brakel (bass)
Andreas Robbie Carree (drums)
Bilder vom Konzert
King Mo
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