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Es war der 13. Oktober 2008 als die britische Progressive Band Pendragon sich das Wyspianski Theater im polnische Städtchen Kattowitz auserkor, um den Gig auf eine Ton- und Bildkonserve zu pressen. "Concerto Maximo" haben sie die DVD betitelt, die sie zeitgemäß mit einer 5.1 Tonqualität produzierten und die des Weiteren mit einer sehr guten Bildqualität ausgestattet ist. Siebzehn Songs, ein Bonus-Video mit Interviews der Bandmitglieder, Fotogalerien, Diskografie, Webseite, Logo und ihre Biografie haben sie in satten 195 Minuten verpackt. Dieser geniale Service wird nur durch die Special Edition, DVD plus zwei CDs, getoppt, die nur in limitierter Auflage von 3.000 Stück angeboten wird. Ich habe es hier nur mit dem musikalischen Bildmaterial zu tun. Doch schon damit bin ich vollauf zufrieden, da es nun gilt, über drei Stunden auszuwerten.
Noch bevor mein geschätzter Kollege Boris Theobald ihr aktuelles Album Pure rezensierte, hatten die Classic-Rocker im besagten Oktober 08 schon drei Songs von "Pure" mit "Eraserhead", "The Freak Show" und "It's Only Me" in ihre Setliste mit aufgenommen. Wobei mich hier am meisten "Eraserhead" beeindruckte. In 8:48 Minuten gehts hier schön zur Sache und Frontmann, sowie Gründungsmitglied Nick Barrett zelebriert auf seiner Gibson herrliche Klänge, die er zielgerecht platziert. Im Hintergrund wirbelt Scott Higham ziemlich stark an seinen Fellen. Er würde sicherlich auch gut in ein Wiener Schnitzelrestaurant passen, denn bei seinen harten Drum-Einlagen würden selbst alte Mammutsteaks wieder zart werden. So kann ich die Aussage von Nick »Mit Scott Higham weht wieder richtig frischer Wind bei Pendragon« nur bestätigen.
Doch zuvor wird das Konzert mit einem Intro zu "The Walls Of Babylon" eröffnet, indem Fotografien der Band vergangener Tage gezeigt werden. Nach dem folgenden Track "A Man Of Nomadic Traits", der in guten zwölf Minuten vorgetragen wird, schwelge ich in alten Genesis-Zeiten herum. Dieser Eindruck bestätigt sich auch bei "The Wishing Well", nur das Barretts Stimme nicht ganz mit der von Peter Gabriel übereinstimmt. Überhaupt fühlt man sich um Jahre zurückversetzt und die 80er werden wieder lebendig. Mit "Total Recall" folgt eine kurze Nummer, die anhand der Pianoklänge von Clive Nolan gar an Supertramp erinnert. Schon jetzt steht fest, dass den Classic-Rockern ein sehr rockiges und vor allem sehr progressives Spektakel gelungen ist, das aber von den Anwesenden recht sparsam honoriert wird.
Das mag daran liegen, dass das Theater auf mehreren Logen nur Sitzplätze anbietet. Bei "Nostradamus" beweist Higham, dass er nicht nur hervorragend drummen kann, sondern auch fleißig die Texte mitträllert, allerdings ohne Mikro. Immerhin kommen die Fans nun langsam aus der Hüfte und klatschen bei der Vorstellung der Band durch Nick, die er im Stile vom Boxkampf-Ansager Michael Buffer vorträgt, begeistert mit. "Learning Curve" gehört zu meinen persönlichen Highlights des Gigs. Simple eingängige Melodie, die durch Nicks leichtes Gitarrengeplänkel, dem Bassgezupfe Gees und den Tastenelementen von Nolan die Unterstützung erfährt, die dem Langzeitgedächtnis dauerhaft in Erinnerung bleibt. Dass Nick Barrett ein richtig guter Klampfer ist, beweist er bei "Breaking The Spell". Klasse Nummer mit herrlichen Soloeinlagen des alten Rockers, bei dem sogar die Fans endlich (!) mehr mitgehen.
Es folgt der Klassiker "Sister Bluebird", wieder mit einem tollen Solo von Nick untermalt. Schöner kann eine Rock-Ballade kaum klingen! Nach "The Shadow" gibt es mit "The Freak Show" einen Track vom aktuellen Albums "Pure". Der Song wird gleich eine Spur schneller vorgetragen und wirkt daher moderner und recht zeitnah. So richtig Freude bereitet mir Higham, der unermüdlich an seinem Kraftwerk ackert, zwischendurch immer in seine Handflächen pustet, um diese zu kühlen und oftmals seinen Schlägen mit dem Einsatz seines ganzen Oberkörpers noch mehr Energie verleiht. Bei "Voyager" greift Barrett zu einer Akustikgitarre, während Bassist Peter Gee sich Nicks Fender schnappt und beweist, dass er nicht nur am Tieftöner ein As ist!
Irgendwann wechselt er fast unbemerkt wieder zu seinem Viersaiter und spielt den Song an seinem Bass zu Ende. Oh, nun gibt's aber einen richtigen 'Weichspüler' aufs Gemüt. "It's Only Me" heißt das Stück, da muss man nach fast zwei Stunden aufpassen, dass der Sandmann nicht zu viel Schlaf in die Augen streut. Aber keine Angst, mit "Masters Of Illusion" wird in gut dreizehn Minuten der Kreislauf wieder angekurbelt. Allein die Drum-Attacken von Scott lassen die Puls-Frequenz extrem ansteigen. Überhaupt ist der Song ein weiteres Highlight der DVD. "The King Of The Castle" ist der Track, bei dem Peter sich auf der Konzertklampfe versucht. Respekt! Peter Gee ist eben ein Multitalent!
Ein vorfreudiges Grinsen von Scott kündigt "And We'll Go Hunting Deer" an, einen Song ohne großartige Akzente. Für mich die einzige Schwachstelle der musikalischen Bildkonserve. Zum Schluss hat sich die Band "Queen Of Hearts" ausgesucht. Mit über zwanzig Minuten der längste Nummer des Gigs, in dem alle Attribute des Classic-Rocks aus den 80ern noch mal eindrucksvoll demonstriert werden. Somit beschließen die Engländer nach 2:41 Stunden reiner Spielzeit das Konzert und lassen ein zufriedenes Publikum zurück. 8 von 10 RockTimes-Uhren sind als Kaufempfehlung zu betrachten!
Line-up:
Nick Barrett (guitar, vocals)
Peter Gee (guitar, bass, bass pedals, keyboards, backing vocals)
Clive Nolan (keyboards, backing vocals)
Scott Higham (drums, backing vocals)
| Tracklist |
01:The Walls Of Babylon
02:A Man Of Nomadic Traits
03:The Wishing Well
04:Eraserhead
05:Total Recall
06:Nostradamus
07:Learning Curve
08:Breaking The Spell
09:Sister Bluebird
10:The Shadow
11:The Freak Show
12:The Voyager
13:It's Only Me
14:Masters Of Illusion
15:The King Of The Castle
16:And We'll Go Hunting Deer
17:Queen Of Hearts
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