The Perpetrators / Tow Truck
Tow Truck Spielzeit: 47:46
Medium: CD
Label: Eigenproduktion, 2007
Stil: (Blues) Rock

Review vom 08.09.2008


Joachim 'Joe' Brookes
Mit ihrer dritten CD fahren die Perpetrators schwer auf, denn sie kommen jetzt mit dem Abschleppwagen daher.
Können sie mit dieser Massivität ihren Erstling toppen?
Zunächst einmal ist allerdings festzuhalten, dass es gegenüber der Debüt-CD an der Schießbude eine personelle Veränderung gegeben hat. Statt Scott Hill sitzt nun Chris Bauer hinter den Trommeln und der konzentiert sich nicht nur auf die Fellgärbung, sondern greift bei "R. Cowboy" auch zur Gitarre.
Was das Trio in den fünfzehn Songs an den Kanthaken nimmt, ist noch um einiges vielfältiger, als es deren erste CD erahnen ließ. Immer noch von einer Blues-Plattform aus erweitern sie ihr Spektrum und die Mixtur wird zuweilen noch punkiger und man wirft auch einen Blick auf den Grunge. So kann die Band durchaus auch höchst interessant für Nicht-Blues-Hörer werden, getreu ihrem Motto: »blues for people who hate blues«. Wer sich den Perps aus dieser Richtung nähert, wird bestimmt seinen Spaß an der Band aus dem kanadischen Winnipeg haben.
Aus der Tiefe des Berges fördert "Tow Truck" noch mehr von dem ans Tageslicht, was live auf der Bühne abgeht. Ach, weil gerade der Begriff 'Berg' fiel: Unser geschätzter Kollege Jürgen Bauerochse wird sich in Bälde über das Mittelstück der bisherigen The Perpetrators-Veröffentlichungen hermachen. Also darf man auch gespannt sein, was "The Gas And The Clutch" zu bieten hat.
Der Dreier pflügt in den knapp 48 Minuten einen ganz schön großen Acker um. Schön, dass Nowicki auch wieder zum Bottleneck greift und damit in "Call Me", einem fetten Blues der verhaltenen Art, slidet. Das kann er, das gefällt, das geht mit Haftqualität ins Ohr. Hound Dog Taylor ist einer der Slide-Blueser, denen die Perps treu bleiben.
Blues für Leute, die den Blues hassen. Da kann ich nur auf "Carly Song" verweisen. Akustische 12-Takter-Gitarre und Damon Mitchell an der Harp. Diesen Track, mit seinem relaxten Flair muss man einfach mögen. Mitchell ist klasse und gegen Ende wechselt Nowicki zur schräg riffenden E-Gitarre.
"Honeypie" ist bester, mit Country-Schmiss versehener Roots Rock. Die Band erweitert ihr Spektrum konsequent und sehr gut.
Auf der gut gefüllten Gästeliste taucht auch ein Musiker auf, der die Lap-Steel spielt. Schon toll, welche Klänge Grant Siemens auf diesem Instrument fabriziert und "Josco" bringt die Ähren des Kornfeldes herrlich in Bewegung. "Toe Stub": Psychedelischer Punk-Blues mit Chuck Berry-Rock'n'Roll-Gitarre. Kurz, heftig, mit wabernden Keyboards… einfach abgedreht, das Stück. Oben drauf auch noch durch den Wolf gedrehte Vocals.
Eine astrein verzerrt riffende Gitarre und Vocals, die klingen, als seien sie durch ein Harp-Mikrofon gesungen. Straighte, monoton gespielte Drums und ein herrlich puckernder Bass: Die Perps sind mit ihrer eigenständigen Musik auf der Überhol- und Erfolgsspur.
"You're Gonna Kill Me" ist ein Riff-Monster und rockt wie Sau. Wie machen die das nur, mit fast jedem Song ein neues Fass aufzumachen? Die Gitarre haut so etwas von rein, man meint, da sind mehrere Hexer am Werk… schweißtreibend.
Einen Titeltrack vermisst man in der Liste auf der Verpackungsrückseite. Vierzehn Songs und der Player zeigt fünfzehn an. Also eine versteckte Nummer und die heißt "Tow Truck" und ist deutlich die längste auf dem Silberling. Hypnotischer 'Blues', in dem Nowicki einen höllischen Gitarren-Sound ablässt. Dieser Track vereint noch einmal alles bisher gehörte und steigert sich bis zu einem infernalischen Rückkopplungs-Ende. Gelächter und ein wenig Gequatsche beenden dann endgültig das Gelage im Abschleppwagen.
Beim Mixen und Mastern haben Len Milne und Scott Pinder ganze Arbeit geleistet und den Perps-Sound richtig klasse verpackt. Schön analog kommt es aus den Boxen und das Trio sollte man sich wirklich merken, denn sie wissen schon, wie man den Hörer zu unterhalten hat. Nichts aufgesetztes, einfach echter Rock'n'Roll, der da aus Kanada heran gezogen kommt. Und die Jungs werden im Oktober 2008 schon wieder Deutschland unsicher machen. Bei einigen Terminen ist der Harper Dave McLean mit von der Partie. Es lohnt sich also, liebe Leser. Wie heißt es so schön in "Happy Friday": »Gonna have some fun, fun, fun…« Spaß hat man jetzt schon vor den Boxen und dass die Perpetrators live eine Bank sind, kann man hier nachlesen.
Der "Tow Truck" zieht ohne Probleme 8,5 von 10 RockTimes-Uhren hinter sich her.
Line-up:
J. Nowicki (drums - #9, bass - #3, 8, guitars, vocals)
Chris Bauer (guitar - #9, backing vocals - #6, 15, drums, percussion)
Ryan Menard (vocals, guitars - #3, 8, backing vocals - #6, 15, Rhodes - 3, bass)

Very Special Guests:
Damon Mitchell (harmonica - #7, 9)
Grant Siemens (lap steel - #11, backing vocals - #11)
Chris Saywell (guitar - #15)
Rob Vaarmeyer (backing vocals - #6, 11)
Billy Merritt (backing vocals - #6, 11)
Andrew Neville (backing vocals - #6, 11)
Joanna Miller (backing vocals - #6, 11)
Alice Ramsay (backing vocals - #6, 11)
Sarah Dugas (backing vocals - #10)
Andrina Turenne (backing vocals - #10)
Tracklist
01:The Z-Rays Cured My Hangover (1:34)
02:Movin' Right Along (4:21)
03:I Can't See (2:55)
04:You're Gonna Kill Me (3:58)
05:Call Me (3:46)
06:Happy Friday (2:14)
07:Carly Song (3:48)
08:Honeypie (2:53)
09:R. Cowboy (2:28)
10:I Saw You Leaving (3:57)
11:Josco (3:07)
12:Toe Stub (2:00)
13:Baltimore (3:38)
14:Woman Of My Dreams (1:25)
15:Tow Truck (5:34)
Externe Links: