Sideburn / Evil Or Divine
Evil Or Divine Spielzeit: 44:57
Medium: CD
Label: Metalville, 2015
Stil: Hard Rock, Doom

Review vom 05.07.2015


Markus Kerren
Schrieb ich in meinem Review aus dem Jahr 2010 zu The Demon Dance der schwedischen Band Sideburn noch, dass sie stilistisch nicht festzulegen ist, konnte die Scheibe doch durchaus Punkte sammeln. Auch mein geschätzter Kollege Jens war von dem Nachfolgewerk IV Monument (2012) angetan, wenn er die Truppe live auf der Bühne sogar noch beeindruckender fand. Nun hat das skandinavische Quartett mit "Evil Or Divine" also das fünfte Kapitel der Bandgeschichte aufgeschlagen. Nicht ohne Veränderungen, wie ein erster Blick aufs Booklet deutlich macht: So haben sich die Wege von Sideburn und ihrem alten Label Transubstans Records ganz offensichtlich getrennt und die Combo ist bei Metalville untergekommen.
Und auch bezüglich des Line-ups gibt es Neues zu berichten, denn der Lead-Vokalist und Gitarrist Jani Kataja ist mittlerweile nicht mehr an Bord. Ersetzt hat ihn Dimitri Keiski, der logischerweise dieselben Aufgaben übernommen hat, wie sein Vorgänger. Sieben neue Songs werden dem Hörer in einer dreiviertel Stunde präsentiert und die bereits erwähnte Stilvielfalt hat sich der Vierer auch hier erhalten. Was ihm von manchen Fans als Pluspunkt, von einigen sicher aber auch als Nachteil ausgelegt werden wird, denn so richtig greifen kann man die vier Metaller nach wie vor nicht.
Wie erwartet kommen auch auf "Evil Or Divine" die Siebziger-Einflüsse wieder ganz stark durch. Ein gutes Stückchen Black Sabbath ist da zu hören und auf dieser neuen Platte gibt es dazu noch eine gutgemeint-freizügige Prise Trapeze (zu Zeiten des Albums "Medusa", 1972) oben drauf. Ein bisschen düster also, ein bisschen finster, deutlich bluesig und ohne großartig einprägsame Hooklines werden die Tracks durch die Boxen gejagt. Doom kann ich - abgesehen von ein paar Grundstrukturen - eigentlich gar nicht ausmachen. Was aber auch nicht zum Nachteil der Band ausgelegt werden sollte, denn eine waschechte Doom-Truppe waren die Nordeuropäer wohl sowieso noch nie.
Trotzdem ist es klasse, wie sich die schwerfälligen Riffs von "The Day The Sun Died" durch die Nummer walzen und so ziemlich alles platt machen, was sich ihnen in den Weg stellt. Klassischer Hard Rock wird bei "Evil Ways" geboten, mit der schnellste (der allesamt nicht sonderlich schnellen) Track(s) der Scheibe. Dimitri Keiski stellt sich als sehr passabler, wenn auch nicht aus Hunderten wiederzuerkennender, Frontmann mit kraftvollem Gesang und auch Feeling heraus. Das abschließende "Presence" überrascht dann mit akustischer Gitarre und hippieskem Songwriting. Aber logischerweise haben wir es hier nicht mit Hippie-Musik zu tun, sondern eher mit düster-balladesker Auslegung, wie die Bridge und der Refrain alsbald beweisen.
Bereits der Opener "Masters And Slaves" kommt mit düster-druckvollen Riffs, die dann in den Gesangspassagen (zumindest den nicht von Effekten verfremdeten) von melodiösem und gar bluesigem Gesang abgelöst werden. Bei "When Darkness Calls" kommen die deutlichsten Querverweise zu den bereits erwähnten Trapeze ins Spiel, was die Nummer letztendlich zu meinem Favoriten auf "Evil Or Divine" macht. Sehr schön nach vorne geht dagegen "Sea Of Sins", das sich mit jedem Hördurchlauf tiefer ins Langzeitgedächtnis gräbt, durch spritzige Gitarrenlicks auffällt sowie von Bass und Drums viel Druck von hinten erfährt.
Höchstwahrscheinlich wird auch "Evil Or Divine" die interessierten Hörer letzten Endes spalten. Die Vorzüge des Albums habe ich bereits beleuchtet, auch dass die Stücke der Skandinavier nicht unbedingt sehr schnell im Ohr hängen bleiben wurde erwähnt. Für manche Fans wird der größte Kritikpunkt jedoch erfahrungsgemäß bleiben, dass sich die Jungs nicht fest in irgendeiner Nische positionieren wollen. Wobei dies in meinen Augen auch jede Menge interessante und spannende Punkte auf den Plan ruft. Ein Ohr riskieren solltet ihr auf jeden Fall, ganz egal, wie die Entscheidung anschließend jeweils ausfällt.
Line-up:
Dimitri Keiski (guitars, lead vocals)
Morgan Zocek (guitars, background vocals)
Martin Karlsson (bass, organ, background vocals)
Fredrik Haake (drums & percussion)

With:
Jonas Edler (additional acoustic guitars, background vocals)
Sampo Axelsson (string arrangements, additional keyboards)
Sebastian Yngwie Zocek Bellman (voices & noises - #5)
Tracklist
01:Masters And Slaves
02:Sea Of Sins
03:When Darkness Calls
04:The Seer (Angel Of Death)
05:The Day The Sun Died
06:Evil Ways
07:Presence
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