Hotel La Salle / Wild & Alive
The Official Bootleg Live In Germany
Wild & Alive Spielzeit: 72:35
Medium: CD
Label: Black Cat, 2008
Stil: Blues Rock, Funk

Review vom 04.11.2008


Norbert Neugebauer
Nein, natürlich wird das kein objektives Review. Kann ja gar nicht. Im Gegenteil, ein höchst subjektives! Hotel La Salle "Live In Germany" - das ist praktisch die Hausband bei meinem
Haus-Festival.
Hotel La Salle Die Italiener sind schon mehrfach in unterschiedlichen Besetzungen im jeweils vollen Zelt bei den
Schmölzer Blues Tagen aufgetreten; von 2005 und 2007 stammen die Mitschnitte, ergänzt mit einer Aufnahme von einem 2006er Gig in Tielt, Belgien.
Hotel La Salle ist jedoch weder die spektakulärste Bühnen-Truppe, noch spielen sie besonders virtuos. Und Andrea 'Lupo' Lupi einen guten Sänger zu nennen, würde wohl kaum jemand einfallen. Aber der Mann mit der sonoren Brummelstimme ist ein versierter, druckvoller Basser und sein langjähriger Kumpel Oskar Bauer ein wirkliches As auf der Klampfe, vor allem mit dem Bottleneck. Dritter in der Stammformation ist Alberto 'Capello' Mattolini am Schlagzeug, der in allen Stilen zuhause ist. 2007 wurden sie von The Belzebù Rhythm Trobadours mit Harp, Sax und Perkussion unterstützt.
Hotel La Salle Die Jungs aus Pisa sind aber genau die Art von Band, die bei so einem Festival mit hautnahem Publikumskontakt bestens ankommt. Schwitzige Live-Mucke im richtigen Wechsel zwischen heißem Funk, brütendem Swamp Rock und Southern Swing. Das inzwischen reichlich heruntergekommene Hotel La Salle war einige Zeit Unterkunft für die Band am Rand des French Quarters in New Orleans, wo die vielen musikalischen Einflüsse der Mississippi-Metropole pulsieren. Und die hat sie offensichtlich reichlich aufgesogen und in ihren Stücken verarbeitet. Auch die Fremd-Kompositionen interpretiert sie kompetent.
Das 'official bootleg' ist genau das, was man davon erwarten darf. Ordentliche Mitschnitte der Auftritte (ursprünglich nur für den Eigenbedarf), zwar etwas dumpf und klirrend im (Mono-)Sound bei den älteren Tracks, aber dafür nicht im Studio künstlich auffrisiert und natürlich nicht gedubbt. "Wild & Alive" - rau und scheppernd, mit allen Macken. Und auch das an der Bühnenrampe tanzende Publikum hört man, das nicht mit Applaus und Begeisterungslauten spart. Die Schmölz-Stimmung kommt voll rüber und das ist wichtiger als ein fein ausgewogenes Klangbild. Die hat Marco Deinl von Check-Point Music als Hausmischer in Schmölz recht ordentlich eingefangen.
Bei den beiden ersten Nummern von 2005 in Trio-Besetzung 'funkts' ordentlich, auch beim
Chuck Berry-Titel "13th Question Method" ist viel Groove angesagt, diesmal mit der 'großen' Besetzung im typischen 'Nawlins'-Stil. Dazu stellt Oskar sein Können mit der Slide unter Beweis und singt ähnlich raunzig wie sein Basser. Dass er auch den Dickey Betts Hotel La Salle gut drauf hat, zeigt er bei dem swingenden "Memphis Dream" (ebenso wie "Fun House" von dem wenig bekannten Danny Gatton). Second Line-Beat mit reichlich Marching Band-Percussion dann wieder bei "Junco Partner", einer alten Nummer aus der Crescent City. Der von 'Lupo' geschriebene "Hobocar Blues" rockt einmal mehr mit der Slide und der ebenso bemerkenswerten Harp von Mimo 'Wild' Molica. Dann fährt die komplette Mannschaft noch einen Doppelpack ihres New Orleans-Funks zum brodelnden 2007er Finale auf. Mit Dave Holes "Wrecking Yard" geht's in die Verlängerung (deren Ende irgendwo in den frühen Morgenstunden lag) und zum Schluss zollen die Toskaner dem großen Sonny Landreth aus Lafayette, Louisiana ihren Tribut mit den leider soundmäßig abfallenden "Bayou Teche" und "Congo Square".
Hotel La Salle live in Schmölz - das ist funkiger Blues Rock, schwitzige Stimmung, der Dunst vom Frauendorfer Bier, von der Party Service-Fritöse und von der durchgeschwitzen Mutter neben dir. Das sind Emotionen, Feedback-Jauler und die garantiert einzige auf CD hörbare Absage in breitestem Schmölzer Dialekt (Uwe Angermüller). Und das sind auch meine Fotos auf dem Cover und im Booklet. Wollt ich nur mal gesagt haben!
Tracklist
01:I'm A Hog For You
02:Fun House
03:13th Question Method
04:Memphis Dream
05:Junco Partner
06:Hobocar Blues
07:Mistyc Barefootin'
08:Just A Little Bit
09:Also spracht Uwe
10:Wrecking Yard
11:Bayou Teche
12:Congo Square
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