Die letzten Lebenszeichen von Markus Rill bzgl. veröffentlichter Alben kamen um den Jahreswechsel 2013/14 mit der Soloplatte Late Night Drive und Ende 2014 mit der ebenfalls sehr starken Scheibe Heart & Soul & Rock'n'Roll als Projekt bzw. unter dem Namen Treml Schuier Rill. Und nun sieht es so aus, als würde 2015 wieder ein ganz großes Jahr für den Süddeutschen werden. Nicht nur, dass eventuell auch noch vor Dezember die brandneue Scheibe mit seiner Band unter dem Namen Markus Rill & The Troublemakers erscheinen soll, nein, der Gitarrist, Sänger und Songwriter wirft auch noch einen ausgedehnten Blick zurück in die Vergangenheit.
Genauer gesagt geht es dabei um die drei Alben, die Rill zwischen den Jahren 2004 bis 2008 in der Music City, Nashville, aufnahm. Inklusive amerikanischem Produzenten sowie Begleitmusikern, was sicherlich nicht nur eine große Ehre, sondern auch eine grandiose Erfahrung war, wie der Protagonist bereits in eigenen Worten für RockTimes zu berichten wusste. Herausgekommen ist nun also eine insgesamt sogar vier CDs umfassende Box, die einmal mehr - soviel sei bereits verraten - über großartiges Material verfügt.
Markus Rill hatte bereits drei Platten im Repertoire, als er vor über zehn Jahren nach Tennessee aufbrach, um die Hammerscheibe "Hobo Dream" (2004) aufzunehmen. Das Werk startet in Form von "Hearbreak Town" bereits mit einem totalen Überflieger, der dem Deutschen auch schon Vergleiche mit dem Boss einbrachte. Falls solche überhaupt angebracht sind, sehe ich persönlich Rill hier jedoch viel näher an Steve Earle, als an irgendjemand anderem. Jeder einzelne der 14 Songs auf diesem Album (inklusive des zwinkernden "Cyberspace Love Song") sprüht geradezu vor Kreativität, Feeling, extrem gutem Songwriting und Gesang. Ob "Hobo Dream", "Bottle Of Lies", "3:05 a.m." oder die deutlich Country-beeinflussteren Nummern - alles oberste Kajüte und sogar inseltauglich.
Das zwei Jahre später erschienene "The Price Of Sin" ist etwas anders, insgesamt etwas getragener, ruhiger und nachdenklicher. Aufgrund dieser doch deutlich stärker an den texanischen Stil alter Helden wie etwa Guy Clarke erinnernden Ausrichtung reißen die zwölf Titel (auch wegen des etwas dumpferen Sounds) nicht unbedingt beim ersten Durchlauf mit, begeistern aber spätestens beim dritten Spin durch ihre Qualität doch auf ganzer Länge. Klasse-Nummern wie u. a. das flotte "Me & Bonnie Parker", das verliebte "My Love Runs To You", das autobiographische (?) "Singin' In The Cemetery" oder der tolle (fast) Titelsong "The Price You Pay For Sin" lassen kaum Wünsche offen.
Bezüglich der letzten Scheibe, "The Things That Count" (2008) möchte ich gerne auf das Review des von mir sehr geschätzten Norbert Neugebauer hinweisen, dem kaum etwas hinzu zu fügen ist.
Als Bonus gibt es obendrauf sogar noch eine vierte Scheibe mit dem Titel "Rill Recordings Revisited", auf der sich 15 befreundete Musiker bzw. Bands den Songs des Protagonisten angenommen und neu interpretiert haben. Jeweils mit viel Sorgfalt und Liebe vorgetragen, erleben wir hier einige aus den gerade thematisierten drei Alben bereits bekannte Stücke neu interpretiert ein weiteres Mal. Seine Lieblingsnummer darf sich dabei jeder selbst aussuchen, meine Favoriten diesbezüglich sind die Beiträge von Robert Oberbeck ("Out Of The Cold"), Annika Fehling ("What Might've Been"), Copper Smoke ("Heartbreak Town") oder Lick & A Promise ("3:05 a.m."). Eine wirklich schöne und interessante Ergänzung, aber auch hier ist es so, wie es eigentlich fast immer ist: Die Originale Rills übertrumpfen die Coverversionen (alleine durch ihre Authenzität) um Längen.
Man kann es nicht oft genug wiederholen: Mit Markus Rill haben wir einen Americana-/Roots-Musiker in unseren Landen, der weder nationale noch internationale Vergleiche zu scheuen braucht. Und "The Nashville Albums" plus Bonus-Scheibe bilden ein weiteres Puzzle-Teil im Gesamtwerk eines der wichtigsten und international angesehensten Musikers, die Deutschland in den letzten beiden Jahrzehnten vorzuweisen hatte und hat.
Dicker Tipp!
Tracklists |
CD 1 - "Hobo Dream":
01:Heartbreak Town
02:Hobo Dream
03:Cowboy Blues
04:Where Do We Go From Here
05:3.05 a.m.
06:Bottle Of Lies
07:Dying Bed
08:Not Yet Shipwrecked
09:Rose's Song
10:Roll On
11:Love Has Dragged Me Down This Road Before
12:Winning Streak
13:Far Away From Home (Yet Home)
14:Cyberspace Love Song
|
CD 2 - "The Price Of Sin":
01:Singin' In The Cemetry
02:Broken Puppet
03:Me & Bonnie Parker
04:My Love Runs To You
05:Just So You Know
06:The Price You Pay For Sin
07:Carry My Load
08:Wash Away The Stain
09:Run, Run, Run
10:Fade To Blue
11:Out Of The Cold
12:Not Ready Yet
|
CD 3 - "The Things That Count":
01:Straighter Road
02:Unlike You
03:What Might've Been
04:Scene Of The Crime
05:Sarah Stein
06:Gotta Keep My Hands Off
07:On The Sly
08:Faith Is Hard
09:The Things That Count
10:Dimestore Paperback Memory
11:I'll Wait For You
12:Just Like It Never Did Exist
|
CD 4 - "Rill Recordings Revisited":
01:Todd Thibaud - Hobo Dream
02:Robert Oberbeck - Out Of The Cold
03:Maik Garthe - Straighter Road
04:Annika Fehling - What Might've Been
05:Trailhead - Bottle Of Lies
06:The Coal Men - Dying Bed
07:Copper Smoke - Heartbreak Town
08:Tom Ripphahn - My Love Runs To You
09:Joseph Parsons - Carry My Load
10:Biber Herrmann - The Things That Count
11:Jan van Bijnen - Rose's Song
12:Jenny Weisgerber - Where Do We Go From Here?
13:Stephen Simmons & Molly Jewell - Maybe More
14:Lick & A Promise - 3:05 a.m.
15:Hubert Treml & Franz Schuier - Sarah Stein
|
|
Externe Links:
|