"House In The Woods", so der Titel des neusten Werks eines für mich weltbesten Blues Rockers der Gegenwart, Henrik Freischlader. In den letzten sieben, acht Jahren hat das autodidakte Musikgenie mit zahlreichen Größen der Blues-Szene, wie z. B. dem leider viel zu früh verstorbenen Gary Moore († 6. Februar 2011), Joe Bonamassa oder Johnny Winter, um nur einige zu nennen, auf der Bühne gestanden. So ist es nicht verwunderlich, dass er sich mittlerweile weit über die Grenzen Deutschlands hinaus einen großen Namen erspielt hat.
Was gibt es Neues aus dem Hause Freischlader? Im beigefügten Booklet gibt es ihn auf der letzten Seite, recht ungewöhnlich, mit einem Hinterkopfportrait zu sehen. Damit bedankt er sich mit »Thank God For All Of You« bei all seinen Freunden und Fans. Das Cover bildet vermutlich einen Teil seines Equipments ab. Ein Umstand, den ich auf seinen besonderen Bezug zu seinen Spielgeräten, Boxen, Monitore, etc. zurückführe. Die zehn Songs, die allesamt aus seiner Feder stammen, hat er in knapp fünfzig Minuten verpackt. Auch alles weitere Organisatorische bleibt fest in seinen Händen. Sein eigenes Label Cable Car Records hat das Album produziert und kümmert sich um den Vetrieb. Nur beim Einspielen von "House In The Woods" nahm er die Mithilfe seiner musikalischen Mitstreiter in Anspruch. Diese bestehen aus seinem langjährigen Weggefährten und Tastenspezi Moritz Fuhrhop, der Frohnatur am Bass, Theofilos Fotiadis und dem, besonders bei Live-Auftritten extrem energiegeladenen Drummer, Björn Krüger. Diese dürften fast jedem Musikfreund, zumindest aber jedem reinen Freischlader-Fan, hinlänglich bekannt sein.
Den Tonträger völlig in seine Einzelteile zu zerlegen, macht für mich nur bedingt Sinn. Denn seine Stimme ist einfach unverwechselbar, ebenso sein glänzendes Gitarrenspiel. Wer sich mit all seinen vorherigen Platten auseinandergesetzt hat, dem werden seine eben erwähnten, erstklassigen Markenzeichen sehr vertraut vorkommen. Trotzdem, er ist auch diesmal, so wie bei seinem Vorgänger Still Frame Replay, mit viel Einfallsreichtum, sprich Abwechslung, herangegangen. So spiegelt sich der Opener und Titeltrack "House In The Woods" sowie das Nachfolgelied "Sisters" in gewohnter Blues Rock-Manier des deutschen Ausnahmekünstlers wider, während mit "Breaking My Heart Again", einem Schmuseteil par Excellence, "Two Yong Lovers" und "Won't You Help Me" sehr softe Blues-Stücke aufhorchen lassen. Besonders der Finalsong "Won't You Help Me", mit gut acht Minuten gleichzeitig das längste Stück der CD, bringt es auf den Punkt. Henrik Freischlader hat das gewisse Etwas, das herausragende Feeling für die Präsentation seiner Bluessongs. Ich weiß nicht, ob er die Beziehungsgeschichte "Won't You Help Me" vielleicht gar selbst erlebt hat. Sei es wie es sei, der Inhalt des Textes bewegt sich auf sehr hohem Niveau. Mit dem Teil hat er sehr gute Chancen sich als 'die Kerze in den Kathedralen' diverser Frauenherzen zu spielen. Im Endergebnis von Text und instrumentalen Einlagen, avanciert das Teil zu einem Anspieltipp.
Gegenüber seinen Anfängen, The Blues und Get Closer, hat er zweifelsohne einen Reifeprozess vollzogen, sich positiv weiterentwickelt, der sich anhand von "House In The Woods" prima dokumentieren lässt. Die Songs auf dem neuem Album wirken insgesamt gereifter als die, aus seiner Anfangszeit. Hat er früher, z. B. bei seinem Triple-Album Live und Tour 2010 Live mit den Hendrix-Klassikern "Voodoo Chile (17:31 Min) oder "Foxy Lady" (13:07 Min) brilliert, verzichtet er diesmal komplett auf fremdes Gedankengut und grenzenlose Gitarrenexzesse. Auch wenn er seine Klampferei nie überzieht oder gar ausarten lässt, leidet zu keinem Zeitpunkt die Qualität seines Spiels.
Zwar finde ich das Vorgängeralbum "Still Frame Replay" eine Klasse besser, trotzdem bewerte ich seine neue Platte mit durchweg guten Noten. Deshalb fällt es mir schwer einzelne Lieder der Scheibe besonders herauszupicken. Nach mehrmaligen Checken habe ich letztlich dann doch noch folgende Songs gefunden, die sich als Hörproben hervorragend eignen: das auf einem tollen Hammond-Klangteppich aufgebaute "Nowhere To Go", "1999" mit sattem, fettem Gitarrensolo und die beiden Top-Blues-Songs "Two Young Lovers" (mit ganz starkem Auftritt von Fuhrhop) und bereits erwähntes "Won't You Help Me". Je öfter ich die Scheibe höre, umso mehr gibt es zu entdecken und somit kann die Rangliste meiner Empfehlung morgen schon wieder ganz anders aussehen. Da Henrik Freischlader in der Rockmusikszene längst kein Tipp mehr ist, verzichte ich auch auf unsere Zusatzgrafik. Doch ich vermute, dass der geniale Künstler sich bald wieder einen Tipp mit Höchstwerten einspielen wird, bzw. schon 2011 eingespielt hat. Denn er hat fast zeitgleich eine DVD auf den Markt geworfen, wohl aber noch nicht erhältlich, bei deren Live-Mitschnitten ich selbst vor Ort war und immer noch hin und weg bin. Selbstverständlich wird RockTimes auch über die DVD berichten.
Line-up:
Henrik Freischlader (vocals, guitar)
Theofilos Fotiadis (backing vocals, bass)
Moritz Fuhrhop (Hammond Organ, keys)
Björn Krüger (backing vocals, drums)
| Tracklist |
01:House In The Woods (3:52)
02:Sisters (4:29)
03:Nowhere To Go (4:10)
04:1999 (4:29)
05:Breaking My Heart Again (5:48)
06:Take The Blame (3:44)
07:Hear Your Lovers (3:32)
08:Two Young Lovers (5:52)
09:With The Flow (4:46)
10:Won't You Help Me (8:01)
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